Main-Tauber

„Zukunft Karriere Digital“ Mitbegründer Sparkasse Tauberfranken wieder als Partner dabei / Unterstützer sehen virtuelle Lehrstellenbörse als notwendige Alternative

„Es muss trotz Pandemie weitergehen“

Archivartikel

„Zukunft Karriere Digital“ lockt Jugendliche aus der gesamten Region an: Rund 600 Schüler wollen bisher teilnehmen. Außerdem haben die FN zwei weitere Unterstützer für die Initiative gewonnen.

Odenwald-Tauber.„Was soll ich bloß werden?“ – Jugendliche, die auf den Schulabschluss zusteuern, stehen Jahr um Jahr vor der gleichen Frage. Auf der Suche nach einer Antwort machen sich regelmäßig hunderte von jungen Menschen bei „Zukunft Karriere“ über Unternehmen, Ausbildungsstellen und Praktikumsmöglichkeiten schlau. 2019 besuchten rund 500 Schüler die Karrieremesse, zwei Jahre zuvor waren es sogar 800 Jugendliche, die im Fechtzentrum in Tauberbischofsheim die Chance für gute Kontakte nutzten. Dass „Zukunft Karriere“ 2020 erstmals virtuell stattfindet, scheint am Interesse der zukünftigen Azubis nichts zu ändern.

„Aktuell haben wir Anmeldungen für rund 600 Schüler“, zieht FN-Marketingleiter Michael Wünsch rund einen Monat vor dem Karriere-Event eine Zwischenbilanz. „Wir freuen uns, dass die Schulen das Projekt begleiten und anmoderieren, damit die Schüler mit den Firmen in Kontakt treten.“ Es könnten sich aber auch unabhängig von den Schulen Jugendliche aus der Region anmelden.

Die Zahl der teilnehmenden Ausbildungsbetriebe ist ebenfalls von Jahr zu Jahr weiter gestiegen, bis sich 2019 mehr als 30 Firmen und Arbeitgeber bei „Zukunft Karriere“ vorstellten. „Es ist offensichtlich ein großer Nutzen da, sonst würden nicht so viele Schüler und Betriebe kommen“, stellt Gunther Ehrhardt, Geschäftsführer von „Fabi“ fest. Der Firmenausbildungsverbund Main-Tauber ist seit kurzem ein weiterer Sponsor der digitalen Lehrstellenbörse. „Wir haben uns schon bei unserer Gründung auf die Fahnen geschrieben, die Ausbildung zu unterstützen. So kommen wir voll und ganz unserem Vereinszweck nach“, findet Ehrhard. Zudem könne „Fabi“ seine Mitglieder unterstützen, indem der Verbund die Unternehmen auf die virtuelle Ausbildungsmesse und die damit verbundenen Chancen aufmerksam mache.

Ganz neu haben die FN zudem die Duale Hochschule Baden-Württemberg als Sponsor gewonnen. Es gebe 400 Hochschulen in Deutschland, die mehr als 19 000 Studiengänge anbieten, berichtet Studienberaterin Janine Berger: „Aus dieser Flut an Angeboten das passende zu finden, ist nicht leicht.“ Messen wie „Zukunft Karriere“ seien dabei eine wichtige Orientierungshilfe.

„Es ist gut, dass wir verschiedene Akteure der Region als Unterstützer haben, auch weil wir darüber eine größere Reichweite entwickeln“, erklärt Michael Wünsch. „Corona war eine digitale Initialzündung. Wir sprechen von Neuland, aber es ist schon gelebte Realität. Ein Projekt wie die virtuelle Ausbildungsmesse kann besser gestemmt werden, wenn alle an einem Strang ziehen.“

Begründer und Ideengeber

Die Sparkasse Tauberfranken war gemeinsam mit den Fränkischen Nachrichten Begründer und Ideengeber von „Zukunft Karriere“. „Die Ausbildungsmesse hat sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt und bei Schulen und Unternehmen etabliert“, freut sich Vorstandsvorsitzender Peter Vogel. Für das Geldinstitut stand also schnell fest, dass es auch die digitale Variante als Partner unterstützen würde. „Wir sind in der Region fest verwurzelt und verstehen unser Engagement bei der Ausbildungsmesse auch als Teil unseres öffentlichen Auftrags“, begründet Vogel. Die Corona-Krise habe den Bedarf für ein Angebot wie „Zukunft Karriere“ nicht gemindert: „Trotz der Pandemie muss es weitergehen, denn viele Schüler suchen jetzt den richtigen Beruf und wollen sich umfassend informieren.“ Gleichzeitig suchten Unternehmen nach Azubis.

Gerald Fichtner, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Berufsbildung bei der IHK Heilbronn-Franken, kann diesen Bedarf mit Zahlen belegen: Der Fachkräftemonitor der IHK habe prognostiziert, dass im Jahr 2030 rund 43 000 Fachkräfte in der Region fehlen werden – vorausgesetzt die negativen Folgen der Pandemie würden überwunden. „Umso wichtiger ist es, dass Betriebe an der Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter festhalten“, betont Fichtner. „Da spielen Ausbildungsmessen eine zentrale Rolle. Sie bieten interessierten Jugendlichen eine ideale Plattform, um in einer zunehmend digitalisierten Welt Ausbildungsbetriebe kennenzulernen.“

Er begrüße die von der IHK unterstützte virtuelle Alternative „Zukunft Karriere Digital“: „Es ist erfreulich, dass wir alle in dieser Zeit flexibel und mit Ideenreichtum der gegebenen Situation begegnen.“

Ins gleiche Horn stößt Stefan Schubert, stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. „Die Bedarfe sind da. Es müssen Alternativen geschaffen werden, wo künftige Nachwuchskräfte und Betriebe trotz Corona-Beschränkungen zusammen kommen können“, stellt Schubert fest. Im Main-Tauber-Kreis sei das mit „Zukunft Karriere Digital“ gelungen.

Die Vielfalt an Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten mache es jungen Menschen schwer, eine Entscheidung zu treffen. „Deshalb ist die digitale Ansprache, die sie kennen und in der sie sich zuhause fühlen, ein super Angebot“, findet Stefan Schubert.

Da Präsenzveranstaltungen „reihenweise abgesagt“ wurden, sei es für die Agentur für Arbeit „selbstverständlich, diese neue Plattform zu unterstützen“.

Zum Thema