Main-Tauber

Digitalisierung ist im Landratsamt Top-Thema Bislang gute Erfahrungen mit Pilotprojekt gesammelt / Sukzessive Umstellung der Fachämter

Eine ganzheitliche Strategie entwickelt

Digitalisierung ist derzeit eines der Top-Themen im Landratsamt Main-Tauber-Kreis. Nach intensiver Recherche sei eine ganzheitliche Strategie entwickelt worden, betonen die Verantwortlichen.

Tauberbischofsheim. „Es gibt kaum einen Bereich der Kreisverwaltung, der sich nicht mit dem digitalen Wandel auseinandersetzt“, erklärt Landrat Reinhard Frank: „Wir haben vor dem Beginn unserer großen Digitalisierungskampagne intensiv recherchiert und analysiert und uns für eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie entschieden“.

Grundlagen schaffen

Mit ganzheitlich sei gemeint, dass zunächst die nötigen Grundlagen innerhalb der Behörde geschaffen werden. Im Rahmen eines Pilotprojekts zur Digitalisierung der Sachbearbeitung im Schwerbehindertenrecht sollen Erfahrungen gesammelt werden. Anschließend wollen die Verantwortlichen sukzessive ein Amt des Landratsamts nach dem anderen umstellen. Parallel werden weitere Digitalisierungsprojekte umgesetzt. „Dieses Vorgehen ist ausführlich in unserer digitalen Agenda festgehalten. Dabei stehen die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Bürgerinnen und Bürger stets im Mittelpunkt“, bekräftigt Frank.

Nach Aussage von Dietmar Hirsch, Amtsleiter für IT und Digitalisierung, wurde 2008 ein Programm zur elektronischen Aktenablage angeschafft. Sei dies ursprünglich ein freiwilliges Angebot gewesen, das eher sporadisch im Einsatz war, werde es heute flächendeckend genutzt und sei aus dem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken.

Das interne Schulungsangebot soll ausgebaut werden, um die Mitarbeiter beim Übergang in das digitale Zeitalter zu unterstützen. Durch die Einführung von Prozessmanagement ist die Analyse und Optimierung von Arbeitsschritte vorgesehen. Dies diene einerseits dem Wissensmanagement und sei andererseits nötig, um die Arbeitsschritte auf Digitalisierungspotenzial hin zu überprüfen, sagt Hirsch.

Auch wurden ein bis zwei Digitallotsen pro Fachamt des Landratsamts ernannt. So haben die Mitarbeiter einen dezentralen Ansprechpartner für Fragen. Letztlich werde auch die technische Ausstattung stetig erweitert und verbessert. So steige beispielsweise die Zahl an Anträgen auf einen zweiten Bildschirm oder einen mobilen Arbeitsplatz, betont der Amtsleiter.

Neben der Schaffung von Grundlagen wurde im Amt für Pflege und Versorgung damit begonnen, das Pilotsachgebiet Schwerbehindertenrecht zu digitalisieren. Angefangen beim elektronischen Posteingang über die digitale Bearbeitung bis hin zur Ablage zeigt sich hier die ganzheitliche Strategie der Behörde. „Wir befinden uns derzeit in der Testphase. Wir haben bereits wertvolle Erfahrungen gesammelt. Kleinere Anpassungen sind noch nötig, aber wir sind optimistisch, dass wir im Pilotsachgebiet in Kürze elektronisch arbeiten können“, erklärt Sabrina Scheller, Digitalisierungsbeauftragte im Landratsamt.

Weiter verweist sie auf eine wachsende Zahl an Online-Dienstleistungen, die über die Homepage des Landratsamts unter www.main-tauber-kreis.de/online-dienste abgerufen werden können. Dazu gehört beispielsweise das so genannte Geoinformationssystem (GIS) mit zahlreichen Informationen auf einer digitalen Landkarte. Es zeigt etwa die Standorte von Windrädern, Rad- und Wanderwege, Bebauungspläne und Kindergärten oder berechnet, ob sich das eigene Hausdach zur Nutzung von Solarenergie eignet. Zudem gibt es ein Online-Bewerberportal, eine Heimplatz- und eine Sperrmüllbörse. Weiter kann die Abgabeerklärung für Wasserentnahmeentgelt oder der Antrag auf BAföG online eingereicht werden. Seit Jahresberginn ist es möglich, im Ordnungswidrigkeitenverfahren Foto-Beweismittel digital einzusehen und Verwarnungen sowie Bußgelder online zu bezahlen.

Zudem nimmt der Main-Tauber-Kreis an drei Initiativen Digitaler Landkreiskonvois (INDILAKO) teil. Es handelt sich dabei um ein Projekt des baden-württembergischen Landkreistags. Möglichst viele Landkreise sollen gemeinsam eine standardisierte digitale Lösung für bestimmte Dienstleistungen entwickeln. Das Landratsamt beteiligt sich an der Digitalisierung der Infektionsschutzbelehrung (früher Gesundheitszeugnis), des Antrags auf Vermessung eines Grundstücks sowie an der Einführung der E-Rechnung. In naher Zukunft sei die Einführung der elektronischen Akte für das Büro des Landrats, das Forstamt und das Sachgebiet Blindenhilfe geplant, informieren die Verantwortlichen weiter.

„Wir haben bereits viel erreicht. Dennoch ist uns bewusst, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Bei all den Möglichkeiten, die die Digitalisierung mit sich bringt, möchten wir erwähnen, dass es immer die Möglichkeit geben wird, im Landratsamt vorzusprechen oder einen Antrag persönlich abzugeben. Die digitalen Angebote sind und bleiben Zusatzangebote“, betont Scheller abschließend. lra