Main-Tauber

FN-Sommer Rundfahrt über das Gelände des Frankfurter Flughafens / Neue Flugzeuge bieten luxuriöse Ausstattungen und geräuscharmere Triebwerke / 5000 Feuerwehreinsätze im Jahr

Ein Ticket kostet mindestens 20 000 Dollar

Archivartikel

2160 Hektar ist der Frankfurter Flughafen groß. Dass hier nicht nur für den Verkehr eigene Regeln gelten, erfuhren die Teilnehmer der FN-Sommertour nun bei einer Bus-Rundfahrt über das Gelände.

Frankfurt. Zwei an kastenförmigen Fahrzeugen befestigte Auslegerarme bewegen sich um ein kleines Flugzeug. Aus Düsen sprühen sie eine Flüssigkeit auf die Tragflächen. „Das klingt angesichts der Außentemperatur vielleicht etwas seltsam, aber das Flugzeug wird gerade enteist“, erklärt Piermario Gallo. Er leitet an diesem Tag die Rundfahrt über das Gelände des Frankfurter Flughafens, an der im Rahmen der FN-Sommertour 48 Leser teilnehmen. Im Bus des Flughafenbetreibers Fraport herrschen angenehme Temperaturen, und auch draußen ist es rund 20 Grad warm. Gallo erklärt daher die auf den ersten Blick unpassende Enteisungs-Maßnahme: „Es handelt sich um eine Übung“.

Zwar ist die Gefahr, dass ein Flugzeug vereist, im Moment eher gering. Im Winter wird das jedoch ziemlich sicher der Fall sein. Und an Europas größtem Fracht- und viertgrößtem Passagierflughafen ist es wichtig, auf alles vorbereitet zu sein.

Überhaupt läuft auf dem 2160 Hektar großen Gelände vieles nach eigenen Regeln, zum Beispiel der Verkehr. „Wundern Sie sich nicht, wenn Sie Verkehrszeichen sehen, die Sie aus dem Alltag nicht kennen“, sagt Gallo. Und so passiert der Bus zum Beispiel Zeichen, die die Umrisse von Stoppschildern haben, auf denen aber stilisierte Flugzeuge dargestellt sind.

Eigener Führerschein

Um auf dem Vorfeld fahren zu dürfen, muss man einen speziellen Flughafen-Führerschein machen – mit Theorie- und Praxisprüfung. Zu beachten ist zum Beispiel, dass nicht schneller als 30 Kilometer pro Stunde gefahren werden darf. Und eine ganz wichtige Regel lautet: Flugzeuge haben Vorfahrt. Kontrolliert werden diese Regeln nicht von der Polizei, sondern von Mitarbeitern des Flughafens. Denn alles ist Privatgelände. Wie auf öffentlichen Straßen gibt es aber auch hier ein Punktesystem, und man kann seine Vorfeld-Fahrerlaubnis wieder verlieren.

„Das Gelände verführt manchmal dazu, schneller zu fahren. Die Leute von der Verkehrsüberwachung stehen daher oft hinter Containern und messen die Geschwindigkeit“, berichtet Gallo. Schneller als 30 Kilometer pro Stunde darf aber die flughafeneigene Feuerwehr fahren. Sie verfügt über mehrere Löschfahrzeuge vom Typ Ziegler Z8.4. Diese vorne keilförmigen Gefährte haben ein Gewicht von jeweils um die 50 Tonnen, schaffen aber dank zweier Mercedes-Motoren mit zusammen mehr als 1300 PS trotzdem Höchstgeschwindigkeiten von über 140 Kilometern pro Stunde.

Die rund 5000 Einsätze, zu denen die Feuerwehrleute im Jahr ausrücken, sind meist harmlos. Oft werden sie durch Fehlalarme von Rauchmeldern ausgelöst, oder es gilt, ein ausgebüxtes Tier wieder einzufangen. „Die Feuerwehr muss jederzeit in der Lage sein, einen brennenden Airbus A380 zu löschen“, erklärt Gallo. Daher gebe es regelmäßige Übungen. Ein schlimmes Unglück sei am Frankfurter Flughafen in der Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg aber noch nicht passiert.

Unversehrte A380-Flugzeuge bekommen die Teilnehmer der FN-Sommertour aus nächster Nähe zu sehen. Beim sogenannten „Pushback“ schiebt ein Schlepper eine Maschine direkt hinter dem Bus rückwärts vom Flughafengebäude weg in eine Position, in der die vier gewaltigen Triebwerke gefahrlos angelassen werden können. Der A380 ist das größte Passagierflugzeug der Welt. Theoretisch könnten 853 Sitzplätze eingebaut werden. „Das macht jedoch keine Fluggesellschaft“, erklärt Gallo. Viel effizienter sei es, weniger, aber dafür teurere Plätze einzubauen. „Es gibt Kabinen mit Doppelbett, Sessel und Fernseher. Da müssen Sie jedoch mindestens 20 000 US-Dollar für ein Langstrecken-Ticket bezahlen“.

Doch nicht nur im Luxusbereich, auch technisch lassen sich die Flugzeughersteller einiges einfallen. Airbus-Konkurrent Boeing hat mit seiner 787 das erste Großraumflugzeug mit Carbon-Hülle im Angebot. Am Beispiel eines Exemplars aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erläutert Gallo die Vorzüge dieses „Dreamliners“. So verbraucht die 787 auch dank ihres durch die innovative Hülle geringeren Gewichts 25 Prozent weniger Kerosin als ihr Vorgänger. Die hinten wellenförmigen Triebwerke erzeugen außerdem 30 Prozent weniger Lärm.

Auch einige FN-Leser kennen sich gut mit verschiedenen Flugzeugtypen aus und stellen interessiert Fragen, die Gallo souverän beantwortet. Jakob Steck aus Impfingen würde die Flughafenführung sogar gerne auf zwei Tage ausdehnen: „Es gibt einfach so viel zu sehen“. Besonders die Feuerwehr und die Wartungshallen faszinieren ihn.

Freitragend überspannt

Letztere bekommen die FN-Leser zwar nur von außen zu sehen, aber auch so beeindrucken die Gebäude. Die Technik-Halle 5 von 1972 etwa überspannt freitragend mehr als 300 Meter. Errichtet wurde sie, um Flugzeuge vom Typ Boeing 747, bekannt als „Jumbojets“, sicher und trocken warten zu können.

Während es draußen in Strömen regnet, bleiben die FN-Leser bei der Sommertour im Bus glücklicherweise trocken. Startende Flugzeuge wirbeln indes große Wasserwolken hinter sich auf. „So sieht das natürlich noch spektakulärer aus“, findet Gästeführer Gallo, und viele Teilnehmer stimmen ihm zu.

Viktor Zagatta aus Tauberbischofsheim hat vor 20 Jahren schon einmal eine Führung am Frankfurter Flughafen mitgemacht. Die Tour mit Gallo hat ihm jedoch besser gefallen, wie er im Anschluss sagt: „Man merkt, dass der Mann Spaß an der Sache hat“. Eine Teilnehmerin aus Altheim war sogar schon vor 40 Jahren das erste Mal am Flughafen: „Damals war das aber alles noch nicht so groß und modern“.