Main-Tauber

Herbstversammlung der Handwerkskammer Mitglieder begrüßen Einführung der Meisterprämie / Beiträge für die Mitglieder sinken

Die Ausbildungszahlen in der Region sind rückläufig

Archivartikel

Heilbronn/Main-Tauber-Kreis.Die schwächelnde Konjunktur in der Region, mit unterschiedlichen Auswirkungen in den verschiedenen Wirtschaftszweigen, bereitet dem Handwerk, trotz verschlechterter Rahmenbedingen, noch keine aktuellen Sorgen.

Skeptischer Blick in die Zukunft

Die Mehrheit der Betriebe sei sehr gut ausgelastet und müsse sich über mangelnde Aufträge keine Gedanken machen, wie der Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, Ulrich Bopp in seinem Lagebericht zu Beginn der Herbstsitzung unterstrich.

Skeptischer sieht allerdings der Blick in die Zukunft aus. „Die Erwartungen sind verhaltener als vor einem Jahr“. Was nach wie vor fehlt sind ausreichend Fachkräfte. Dieses Thema war bei den Betriebsbesuchen des Präsidenten während des Jahres in den vier Landkreisen Hohenlohe, Heilbronn, Schwäbisch Hall und Main-Tauber allgegenwärtig. Die Betriebe würden gerne einstellen, aber der Markt gibt nicht mehr her. Deshalb sei es wichtiger denn je, „dass wir unsere Fachkräfte selbst ausbilden“, so Bopp.

Handwerk interessant machen

Damit berührte der Präsident schon das nächste Thema, das den Handwerkern zunehmend Sorgen bereitet. Die erfreuliche Zunahme der Zahl an Ausbildungsverträgen in den letzten Jahren ist gegenüber 2018 wieder von 1946 auf 1743 Neueintragungen um 10,4 Prozent zurückgegangen. 529 Ausbildungsplätze im Kammerbezirk konnten zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres nicht besetzt werden. Die Kammer müsse daher neue Wege gehen, um das Handwerk noch interessanter zu gestalten und noch intensiver zu bewerben.

Zufrieden zeigte sich der Präsident über den Beschluss der Stuttgarter Landesregierung, eine Meisterprämie einzuführen. Mit der beschlossenen Meisterprämie von 1500 Euro und den Verbesserungen des Meister-Bafög, komme man dem Ziel der Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Ausbildung näher. Auch die weitere Förderung des Digitalisierungsprogrammes durch die grün-schwarze Koalition bewertete Bopp positiv.

In der letzten Sitzung des Jahres 2019 wurden auch der Jahresabschluss 2018 genehmigt und der Wirtschaftsplan für 2020 verabschiedet. Nach einem stabilen Mitgliedsbeitrag in den zurückliegenden Jahren wurde der Grundbeitrag um sieben Prozent auf 130 Euro pro Mitglied gesenkt.

Für den Präsidenten eine richtige Entscheidung: „Die Zahlen passen, die Kammer ist auf einem guten Weg“.

Im Mittelpunkt der Bautätigkeit der Handwerkskammer steht im Jahr 2020 wohl die Weiterentwicklung des Bildungs- und Technologiezentrums (BTZ). Für rund 525 000 Euro sollen der Werkstattbereich erweitert werden, neue Parkplätze entstehen und die Büroräumlichkeiten vergrößert werden. Die endgültige Vergabe erfolgt allerdings erst nach Zusage der Zuschüsse. Danach würde der Eigenanteil der Kammer noch rund 170 000 Euro betragen.

Über die umfangreichen Aktivitäten der Kammer auf der Bundesgartenschau, die zwischen dem 17. April und dem 6. Oktober rund 2,3 Millionen Besucher nach Heilbronn lockte, berichtete Jerome Umminger. Knapp 100 Veranstaltungen wurden rund um den Pavillon des Handwerks angeboten, das Feedback ausschließlich positiv.

Imagekampagne wird fortgesetzt

Den Rückblick über das Kampagnenjahr 2019 gab Abteilungsleiterin Michaela Maier. Ein echtes Highlight war die Aktion „Das geilste Praktikum der Welt“, das einen Praktikanten für eine Woche zusammen mit dem Bad Mergentheimer Auto-Tuner Jimmy Pelka, dem „Tuner der Scheichs“, nach Abu Dhabi führte.

Eine Fortführung der Imagekampagne des Deutschen Handwerks ist auch in den Jahren 2020 bis 2014 geplant. Die Schwerpunkte werden auf die Bereiche „Stärkung der Wertschätzung für das Handwerk“, „Einbindung und Aktivierung der Betriebe“ und auf das „Interesse der Jugend“ ausgerichtet.

Das neue Leitmotiv lautet „Wir wissen, was wir tun“. Die Kampagne habe große Beachtung und eine starke öffentliche Wahrnehmung in Bevölkerung, Wirtschaft und Politik gefunden. Große Aufmerksamkeit beim Publikum und in den Medien, fand auch die Sonderausstellung „Zukunftswerkstatt“ anlässlich des Tages des Handwerks auf dem Buga-Gelände.

Mit der Wertschätzung des Meistertitels beschäftigte sich Vizepräsident Markus May in seinem Bericht. Er begrüßte, dass in der Landtagsdebatte von allen Fraktionen der gesellschaftliche Beitrag des Handwerks für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg im Blick auf die duale Ausbildung betont wurde. „Meister tragen einen unschätzbaren Wert in der Aus- und Weiterbildung bei, denn 95 Prozent aller Lehrlinge werden in Meisterbetrieben ausgebildet“. Es sei nur folgerichtig, dass die Landesregierung endlich die Meisterprämie beschlossen habe, denn dadurch werde auch die längst fällige Forderung nach Gleichwertigkeit von akademischer und handwerklicher Ausbildung umgesetzt.

Neubewertung des Meisterstatus’

Seiner Meinung nach sei es jetzt auch an der Zeit, die Frage zu diskutieren, ob der Meisterbrief eine Zugangsberechtigung für die Masterstudiengänge rechtfertigt. Ohne vorbereitende Zusatzstudiengänge und Qualifizierungsmaßnahmen hielt May das in der Praxis eher für die Ausnahme.

Der Vizepräsident sprach sich auch für eine Neubewertung des Meisterstatus in Bezug auf die Lohngestaltung aus. Zurzeit könnten Beschäftigte mit einem bestimmten Aufgabengebiet oder zusätzlicher Fachkompetenz auch ohne Meisterausbildung deutlich mehr verdienen als ihre Kollegen mit Meistertitel.