Main-Tauber

Bundestagswahl 2021 Nach dem Bekanntwerden von Alois Gerigs Rückzug aus der Bundespolitik wollen Nina Warken und Joachim Döffinger kandidieren

Der Kampf um die Nachfolge ist eröffnet

Archivartikel

Lob erhält Alois Gerig allenthalben von seinen Parteikollegen. Doch mit dem Bekanntwerden seines Verzichts auf eine erneute Kandidatur als MdB ist der Kampf um die Nachfolge eröffnet.

Odenwald-Tauber. Überraschend kam die Nachricht vom Verzicht von Alois Gerig auf eine erneute Kandidatur für den Wahlkreis Odenwald-Tauber mit der Nummer 276 bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr nicht. Parteiintern hatte er das seinen Kollegen in der Christlichen Union Deutschlands bereits mitgeteilt. Nur der Zeitpunkt der öffentlichen Bekanntgabe stand noch nicht fest.

Bilanz und Ausblick

Jetzt hat er die Katze aus dem Sack gelassen. Nach drei Legislaturperioden und einem „Traumjob“, wie er ihn immer nannte, begibt sich Gerig in den Ruhestand. Bei der Bundestagswahl im September kommenden Jahres wird eine andere Kandidatin oder ein anderer Kandidat das Direktmandat für den Wahlkreis 276 anstreben. Noch ist Gerig aber im Amt. Dennoch ziehen seine Parteifreunde schon einmal Bilanz und sind voll des Lobes für ihren CDU-Mann in Berlin.

„Alois Gerig ist ein verdienter Politiker. In seiner Zeit als Abgeordneter hat er viel bewirkt, vor allem für uns im Ländlichen Raum“, so Markus Haas, Vorsitzender der CDU im Neckar-Odenwald-Kreis. Haas schätzt, wie sich Gerig als Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses für den ländlichen Raum stark gemacht hat. „Er ist sehr gut vernetzt in Berlin und ein echter Schaffer“, beschreibt ihn der CDU-Kreisvorsitzende. Zur Frage der Nachfolge des im Neckar-Odenwald beheimateten Gerig meint er vorsichtig, dass jetzt zunächst der Main-Tauber-Kreis gefordert sei.

„Es ist gelebte Übung, dass man sich bei dem Direktkandidaten in der Vergangenheit abgewechselt hat.“ Im Neckar-Odenwald-Kreis sei ihm derzeit niemand bekannt, der Interesse bekundet hätte.

Haas’ Kollege aus dem Main-Tauber-Kreis, Professor Dr. Wolfgang Reinhart, meint: „Die Entscheidung von Alois Gerig MdB ist respektabel. Er hat mich auch vorab über diesen Schritt vertrauensvoll informiert. Ebenso haben wir im Main-Tauber-Kreis sehr eng und konstruktiv mit ihm zusammengearbeitet. Alois Gerig möchte ich bereits jetzt meinen Dank aussprechen für seinen Einsatz in Berlin als unser direktgewählter Abgeordneter im Deutschen Bundestag.“

Im Kreisvorstand werde sich die CDU gemäß den Absprachen mit dem Kreisverband Neckar-Odenwald in aller Ruhe mit den Kandidatenvorschlägen für Wahlkreis und Landesliste befassen. Nach jetziger Planung würden die Listen für die Nominierungen in Bezirk und Land erst im April von der Landes-CDU erstellt. Reinhart schätzt, dass auch in der kommenden Periode erheblich mehr Listenkandidaten in den Bundestag einziehen als Direktkandidaten. Deshalb bleibe die Entscheidung über eine eventuelle Wahlkreisreform in der ersten Septemberhälfte in Berlin noch abzuwarten.

Zum Prozedere im Wahlkreis Odenwald-Tauber sagt Reinhart: „Ich stehe in engem Kontakt mit dem CDU-Kreisvorsitzenden des Neckar-Odenwald-Kreises. Mutmaßlich werden wir dem Land eine Nominierungsversammlung wegen Corona als Delegiertentreffen im Dezember – wie in der Vergangenheit auch – vorschlagen.“

MdB Nina Waren schätzt Alois Gerig aufgrund seiner hohen fachlichen Expertise, seiner Zuverlässigkeit und der immer guten, partnerschaftlichen Zusammenarbeit. „Seite an Seite konnten wir viel gemeinsam erreichen“, resümiert sie schon jetzt – mehr als ein Jahr vor Gerigs Ausscheiden. Für sie steht fest, dass sie sich für seine Nachfolge als Direktkandidatin für den Wahlkreis 276 bewerben wird. Sieben Jahre sei sie als Bundestagsabgeordnete im Neckar-Odenwald und im Main-Tauber-Kreis unterwegs und setze sich mit Leidenschaft für die Belange der Menschen ein. Sie verfüge über ein gutes Netzwerk in Berlin und wolle sich weiter für die Menschen in der Region und ihre Belange einsetzen. „Von vielen Seiten erfahre ich starken Rückenwind. Dies bestärkt mich in meiner Kandidatur“, unterstreicht sie.

„Dass ich Interesse habe und mich nicht auf die Landesliste verweisen lasse, ist klar“, so Warken. Die Liste nämlich sei unberechenbar, wie sie bei der vergangenen Bundestagswahl, bei der sie zugunsten von Alois Gerig auf eine Kandidatur für das Direktmandat verzichtet habe, erfahren musste. Auf Platz vier gesetzt – die drei vor ihr erhielten Direktmandate – ging sie zunächst leer aus. Sie rückte nach einem Jahr ins Bundesparlament nach, weil ein Kollege ausschied.

Auf eine Kampfkandidatur will Nina Warken es im Fall des Falles ankommen lassen, denn natürlich habe jeder das Recht anzutreten. Aus ihrem Wahlkreis erfahre sie viel Unterstützung und werde aufgefordert, weiter zu machen.

Joachim Döffinger, Bürgermeister von Assamstadt, beschreibt Alois Gerig als „ganz tollen Abgeordneten und als Fachmann für den ländlichen Raum“. Außerdem sei er sehr beliebt an der Basis. Döffinger strebt an, in die Fußstapfen von Alois Gerig zu treten. Eine Kampfkandidatur mit Nina Warken sehe er nicht.

„Sie ist über die Liste ins Parlament gekommen, und ich bin mir sicher, sie wird das auch wieder“, so seine Sicht der Dinge. Die Frauenquote, über die momentan diskutiert werde, garantiere ihr sicher einen guten Listenplatz. Joachim Döffinger möchte wieder mit zwei Mandatsträgern aus dem Wahlkreis Odenwald-Tauber in Berlin vertreten sein.

Den Ausschlag für seine Kandidatur hätten viele ermutigende Aufforderungen von Ortsvorsitzenden gegeben. Bilder: CDU