Main-Tauber

Jugendamt des Main-Tauber-Kreises Gesetzesänderung sorgt für einen erheblichen Mehraufwand im Arbeitsalltag der Behörde

„Das Jugendamt gerät fast an die Stelle der Eltern“

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Auf das Jugendamt des Main-Tauber-Kreises wird künftig einiges mehr an Arbeit zukommen. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Kreises am Dienstag deutlich.

Jugendamtsleiter Martin Frankenstein stellte eine Gesetzesänderung vor, die für ihn und seine Kollegen wohl einen erheblichen Mehraufwand im Arbeitsalltag bedeuten dürften. Konkret ging es dabei um die Mitwirkung des Jugendamts in Verfahren vor dem Jugendgericht. Diese wurde im Dezember durch das „Gesetz zur Stärkung der Verfahrensrechte von Beschuldigten in Jugendstrafverfahren“ neu geregelt. Für das Jugendamt ergeben sich daraus einige Veränderungen.

So wird die Behörde etwa künftig bereits vor der Vernehmung eines jugendlichen Straftäters durch die Polizei informiert, nicht erst wie bisher hinterher. Zudem wird das Jugendamt in die Verfahrensentscheidung mit einbezogen. Daneben wird das Amt nicht nur – wie bisher – Auflagen und Weisungen überwachen, sondern auch Vorschläge für selbige machen. Und Stellungnahmen der Jugendgerichtshilfe werden bereits vor der Anklage erstellt. Die wohl wichtigste Änderung ist indes, dass mit dem neuen Gesetz aus dem Recht zur Teilnahme an der Hauptverhandlung für das Jugendamt eine Pflicht geworden ist.

Erheblicher Mehraufwand

Die Folge: Die Jugendgerichtshilfe wird häufiger zum Ausfallbürgen für die Eltern, so zumindest die Aussage von Amtsleiter Martin Frankenstein. „Das Jugendamt gerät dadurch fast schon an die Stelle der Eltern“, lautete seine Einschätzung. Was nach Meinung des Amtsleiters aber nicht unbedingt notwendig ist. „Es gibt Verfahren, bei denen die Eltern sehr wohl präsent sind – da braucht es nicht zwingend die Jugendgerichtshilfe“, bekräftigte er. Um zugleich Kritik an der Praxistauglichkeit der neuen Regelungen zu üben: „Ich bin gespannt, ob das alles auch praktisch so machbar ist“, zeigte sich der Amtsleiter skeptisch, was die Umsetzung der neuen Aufgaben und Pflichten angeht.

Denn dass durch die Neuregelung auf das Jugendamt ein erheblicher Mehraufwand zukommt, war für ihn sicher. Etwa, wenn das Amt an mehrtägigen Verhandlungen über deren komplette Dauer teilnehmen muss.

„Die Frage ist, ob man vielleicht ein Arrangement mit den Gerichten treffen kann, damit die Jugendgerichtshilfe nach ihrer Stellungnahme den Prozess verlassen kann“, merkte er an.

Ob durch das Mehr an Arbeit auch der Personalbedarf anwachse, dazu wollte sich der Amtsleiter auf Nachfrage aus dem Gremium nicht konkret äußern.