Main-Tauber

Friseure Betriebe dürfen seit Montag wieder öffnen / Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für Kunden und Angestellte Pflicht / Teils hohe finanzielle Einbußen

„Damenbereich bis Ende Juni ausgebucht“

Archivartikel

Seit Montag dürfen landesweit Friseursalons wieder öffnen. Auch im Kreisgebiet machen zahlreiche Betriebe von diesem Recht Gebrauch.

Main-Tauber-Kreis. Die Friseursalons hatten ebenso wie zahlreiche Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen anderer Branchen seit Samstag, 21. März, ihren Betrieb einstellen müssen. Um in der Corona-Krise Infektionsschutz zu gewährleisten, müssen die Betriebe bis auf Weiteres jedoch strenge Hygieneauflagen und -standards beachten (wir berichteten). „Es läuft sehr gut, die Kundschaft ist ausnahmslos auf die Bedingungen eingestellt und macht ausgezeichnet mit“, berichtete Daniela Bamberger stellvertretend für ihre Kollegen im ganzen Main-Tauber-Kreis in einem Gespräch mit den FN. Sie betreibt in Unterbalbach gemeinsam mit ihrem Mann Marc und einem Mitarbeiterteam einen Friseursalon. „Sowohl unsere Kunden als auch wir waren sehr froh, wieder loslegen zu können“.

Hoher zeitlicher Aufwand

Allerdings sei der zeitliche Aufwand aufgrund der aktuell geltenden Hygieneanforderungen wesentlich höher als sonst. Außerdem können wegen der Abstandsregelungen nicht alle Serviceplätze gleichzeitig besetzt werden. Dies habe zur Folge, dass das insgesamt fünfköpfige Team momentan nicht in Vollbesetzung arbeiten könne und sich die Bedienung der Kundschaft terminlich in die Länge ziehe. „Vor allem im Damenbereich sind wir bis etwa Mitte oder Ende Juni bereits weitgehend ausgebucht“, teilte Daniela Bamberger mit. Für Herrenhaarschnitte seien Terminvereinbarungen zwar empfohlen, jedoch in ihrem Salon nicht unbedingt erforderlich.

Derzeit hingegen nicht möglich sind so genannte „gesichtsnahe Dienstleistungen“ wie etwa das Rasieren und die Pflege von Bärten, so dass bei Herren lediglich Haarschnitte angeboten werden können. „Das trifft bis auf Weiteres die Dienstleistungen in unserem ‚Barbershop’ äußerst stark, da etwa 80 Prozent unserer männlichen Kunden Bartträger sind und viele davon normalerweise sogar wöchentlich zur Bartpflege kommen“, betonte Marc Bamberger. Massive wirtschaftliche Einbußen hat Bamberger, der darüber hinaus seit rund acht Jahren mit seinem mobilen Friseurstudio unter dem Namen „Mark, The Rolling Barber“ durch Deutschland tourt, spezifisch durch die Absagen von zahlreichen Events und Großveranstaltungen.

Der „Rolling Barber“ war in der Vergangenheit zum Beispiel häufig bei Rennveranstaltungen wie etwa am Hockenheimring mit seinem mobilen, im amerikanischen Stil gehaltenen Salon zu Gast, um für die Haarpflege männlicher Kunden zu sorgen. Jetzt hofft er, dass zumindest die im September in Österreich am Faaker See (Kärnten) geplante „European Bike Week“, dem weltweit größten Harley Davidson Festival außerhalb der USA, nicht ausfallen muss.

„Service stark vermisst“

„Ich habe den Service stark vermisst und bin über die Wiedereröffnung nach mehreren Wochen Schließung sehr froh, um als Stammkunde wieder einen Haarschnitt wie gewohnt zu erhalten“, äußerte der aus Lauda stammende und mittlerweile in Ravenstein ansässige Niklas Küpper repräsentativ für viele andere Kunden des Unterbalbacher und weiteren Salons. Als Übergangslösung habe er sich einmalig von seiner Lebensgefährtin mit dem Rasierer die Haare kürzen lassen. Dies sei jedoch kein vollständiger Ersatz für eine professionelle Frisur gewesen. „Alle Salons sind erfreut und erleichtert, den Geschäftsbetrieb wiederaufnehmen zu können. Zumal es für viele ansonsten existenzbedrohend geworden wäre.

Die vergangenen Wochen waren eine sehr hohe Herausforderung und absolutes Neuland“, unterstrich Michaela Hammer, Obermeisterin der Friseurinnung im Main-Tauber-Kreis, die ihren Salon „Hammer Style“ in Grünsfeld seit gestern wieder geöffnet hat. Die Zwischenzeit habe jeder Betrieb dazu genutzt, die entscheidenden Hygienemaßnahmen vorzubereiten und zu erfüllen. Besonders, da fast täglich neue Anforderungen oder Änderungen hinzugekommen seien. „Die Kundschaft zeigt sich sehr vernünftig, geduldig und verständnisvoll“, bestätigt sie aus ihren bisherigen Erfahrungen und Eindrücken. „Wir bitten unsere Kunden um Geduld und Zusammenarbeit mit ihrem jeweiligen Friseursalon.

So bekommen wir schnellstmöglich wieder normale Arbeits- und Servicebedingungen“, appellierte Matthias Moser, Geschäftsführer des Fachverbandes Friseur und Kosmetik Baden-Württemberg in Stuttgart. „Friseurbesuche gehören für die Menschen zur persönlichen Hygiene. Natürlich geht die Gesundheit vor, und ein Haarschnitt oder eine Haarfarbe ist vielleicht für viele ein ‚Luxusproblem’. Für mich ist es Lebensqualität, Wohlbefinden sowie auch ein bisschen Erholung und Wellness“, meinte Angelika Gold, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaften Main-Tauber und Schwäbisch-Hall.

„Ich freue mich sehr für unsere Innungsbetriebe, dass sie jetzt wieder arbeiten dürfen. In den letzten Wochen standen wir unseren Innungsbetrieben als kompetenter Ansprechpartner in vielerlei Hinsicht mit Rat und Tat zur Seite. Wir waren in engem Kontakt und haben mit vielen Rundschreiben informiert und unterstützt“.

Die Informationsflut und die hohen hygienischen Anforderungen waren eine Herausforderung für viele Inhaber, die aber alles angenommen und umgesetzt haben. „Ich bin mir sicher, dass gerade in Krisenzeiten die Mitglieder wissen, was sie an ihrer Innung haben. Oft konnten wir neue Informationen und Erkenntnisse früher und detaillierter zur Verfügung stellen“.