Main-Tauber

Vorsicht ist besser als Nachsicht Unfallgefahr beim Umgang mit Silvesterfeuerwerk / Landratsamt kündigt Kontrollen an

Böller gehören nicht in Kinderhand

Archivartikel

Silvester steht vor der Tür und der Feuerwerksverkauf in Deutschland hat begonnen. Der richtige Umgang mit Raketen und Böllern ist wichtig.

Main-Tauber-Kreis. Jedes Jahr ereignen sich zu Silvester schwere Unfälle beim Umgang mit Feuerwerkskörpern. Deshalb sollten ein paar Dinge unbedingt beachtet werden, damit der Start ins neue Jahr gelingt.

Feuerwerkskörper werden in Deutschland durch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ihrer Gefährlichkeit nach in Kategorien eingeteilt und entsprechend zugelassen.

Beim typischen Silvesterfeuerwerk spricht man vom sogenannten Kleinfeuerwerk (pyrotechnische Gegenstände der Klasse II), wie Raketen, Böller, Luftheuler und Fontänen. Diese dürfen ausschließlich vom 28. bis 31. Dezember und nur an Erwachsene verkauft werden. Das Abbrennen der Kleinfeuerwerke ist nur an Silvester und am Neujahrstag erlaubt, nicht aber von Minderjährigen und nicht in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen.

Kleinstfeuerwerke wie Wunderkerzen, Knallerbsen und Partyartikel dürfen an Personen ab 12 Jahren ausgegeben und ganzjährig gezündet werden.

Vorsicht vor „Polenböllern“

Die Sicherheitsrisiken der Feuerwerkskörper aus Osteuropa, wie Tschechien und Polen, werden von vielen Käufern verkannt. Beim Abbrennen dieser Kracher kann es zu erheblichen Verletzungen kommen. Die Art, Menge und Energie des Schwarzpulvers sowie die Tauglichkeit der Zünder entsprechen häufig nicht den deutschen Sicherheitsbestimmungen, weshalb sie von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in der Regel keine Zulassung bekommen.

Besonders die Beamten der oberfränkischen Polizei im grenznahen Raum, der Bundespolizei Selb und des Zolls, achten auf Personen, die verbotene Pyrotechnik in das Bundesgebiet einführen wollen. Im Jahr 2019 konnten allein in Oberfranken über 100 Kilogramm sichergestellte, illegale Böller vernichtet werden.

Auf Kennzeichnung achten

Während in Deutschland alle im Handel erhältlichen pyrotechnischen Artikel mit einem Zulassungszeichen (CE-Zeichen) versehen sind, fehlt bei den importierten Silvesterkrachern meist eine derartige Zulassung oder die Prüfzeichen sind gefälscht. Wer solche Feuerwerkskörper nach Deutschland einführt, macht sich nach dem Sprengstoffgesetz strafbar.

Aus Sicherheitsgründen achtet die Polizei bei ihren Kontrollen verstärkt auf Kracher aus dem Ausland. Beim Kauf von Feuerwerk sollte man darauf achten, dass die Registriernummer und das CE-Zeichen in Verbindung mit der Kennnummer der Prüfstelle sowie eine deutsche Gebrauchsanleitung vorliegen. Dann besteht bei sachgemäßer Verwendung keine Gefahr.

Die wichtigsten Tipps

Lange Rede, kurzer Sinn: Hier die wichtigsten Tipps zusammengefasst:

Nur Feuerwerksartikel mit CE-Zertifizierung verwenden

Immer Gebrauchsanweisung beachten

Böller sicher vor Kindern aufbewahren

Niemals pyrotechnischen Artikel in den Taschen der Kleidung mitführen

Keine Raketen in Menschenmengen oder auf Gebäude schießen

Versagt ein gezündeter Kracher, keinesfalls erneut anzünden

Kein eigenes Feuerwerk basteln

Die Gewerbeaufsicht im Landratsamt Main-Tauber-Kreis appelliert deshalb an alle, die mit Feuerwerkskörpern umgehen, die sprengstoffrechtlichen Schutzvorschriften einzuhalten.

Da Feuerwerkskörper häufig unsachgemäß gelagert und falsch gehandhabt werden, kommt es immer wieder zu Bränden, Explosionen, Brandverletzungen im Gesicht und an den Händen oder zu Trommelfellschäden. Trotz vieler Hinweise gelangen auch immer wieder Feuerwerkskörper unerlaubt in die Hände von Kindern und Jugendlichen.

Die Gewerbeaufsicht im Umweltschutzamt des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis fordert deshalb die Verkäufer von Feuerwerksartikeln auf, die Schutzvorschriften des Sprengstoffrechts genau zu beachten, um solche Unfälle zu vermeiden.

Verkaufsverbote einhalten

Die Gewerbeaufsicht wird im Main-Tauber-Kreis zum Jahreswechsel kontrollieren, ob die Verkaufsverbote, die maximal zulässigen Lagermengen und die sicherheitstechnischen Vorschriften im Einzelhandel eingehalten werden. Außerdem sollen die Händler vor Ort über die Vorschriften informiert werden. Verstöße gegen die sprengstoffrechtlichen Vorschriften können als Ordnungswidrigkeiten mit hohen Geldbußen geahndet werden. Die Überschreitung der zulässigen Lagermengen ist sogar strafbar.

Feuerwerk muss verpackt sein

Der Einzelhandel darf nur Feuerwerkskörper verkaufen, die mit einer gültigen Konformitätsbescheinigung und CE -Kennzeichnung versehen sind.

Außerdem darf das Feuerwerk nur in Verpackungen abgegeben werden, die eine Gebrauchsanweisung enthalten oder diese auf den einzelnen Gegenständen aufgedruckt sind. Feuerwerkskörper der Kategorie I – so genannte Kleinstfeuerwerke – dürfen das ganze Jahr über verkauft werden und dürfen nur an Personen über zwölf Jahre abgegeben werden. Zu diesen Kleinstfeuerwerken gehört zum Beispiel das so genannte „Tischfeuerwerk“.

Silvesterraketen und Kanonenschläge sind dagegen Feuerwerkskörper der Kategorie II. Diese Kleinfeuerwerke dürfen von Samstag, 28., bis Dienstag, 31. Dezember, innerhalb der Ladenöffnungszeiten verkauft und nur am 31. Dezember und 1. Januar abgebrannt werden.

Kleinfeuerwerk der Kategorie II darf nur an Personen über 18 Jahren abgegeben werden.

Personen unter 18 Jahren dürfen diese Artikel nicht besitzen und auch nicht verwenden.

Nur mit Gebrauchsanweisung

Feuerwerkskörper dürfen nur mit einer Gebrauchsanweisung und unter Aufsicht einer bestellten verantwortlichen Person verkauft werden.

Sie dürfen nur im Verkaufsraum in geschlossenen Schaukästen ausgestellt werden.

Ausgenommen hiervon sind Feuerwerkskörper, deren Zurschaustellung gemäß Bescheinigung der BAM unbedenklich ist und bei denen dies auf der Verpackung vermerkt ist.

Feuerwerkskörper der Kategorie II dürfen nur innerhalb von Verkaufsräumen, also nicht im Freien und auch nicht aus Kiosken heraus verkauft werden. dpa/lra