Main-Tauber

Naturnahe Bestattungen Drei evangelische Pfarrer nehmen aus christlicher Sicht Bezug zu alternativen Bestattungen

Bewusst sein: Der Tod gehört zum Leben

Archivartikel

Schrozberg.Ob als Pfarrer oder als Bestatter – durch die Nähe des Friedwaldes Hohenlohe sind alle vier Teilnehmer der Gesprächsrunde mit naturnahen Bestattungen konfrontiert. Für sie eine Beerdigung wie jede andere?

Carolin Mayer, Pfarrerin von Spielbach-Heiligenbronn ist sich sicher: „Zumindest besteht Gesprächs- und Informationsbedarf“. Getreu dem Motto „Wer nicht wirbt, der stirbt“ sind in den vergangenen Wochen vielen Senioren in der Region Flyer ins Haus geflattert. „Die Leute sind oft verunsichert“, berichtet die Pfarrerin. „Deshalb werde ich mit meinen Senioren den Friedwald besuchen, kurz das Konzept erläutern und auch einiges aus Sicht der Kirche dazu sagen.“

Philipp Mayer, Pfarrer in Riedbach, pflichtet seiner Frau bei: „Der Gedanke an den Tod wird heute verdrängt. Der Tod wird in unserer Gesellschaft ausgeklammert. Oft erlebe ich, dass Hinterbliebene ratlos zurückbleiben und keine Ahnung haben, welche Bestattung sich der Verstorbene gewünscht hätte.“

Georg Leiberich, Pfarrer von Schrozberg, wirft einen Blick in die Vergangenheit: „Ursprünglich waren die Friedhöfe ,Kirchhöfe’. Sie befanden sich auf geweihtem Boden, angelegt um die Kirche und Ausdruck der ständigen Bereitschaft zur Auferstehung am ,jüngsten Tag’. Nur noch in wenigen Gemeinden liegen heute die Begräbnisstätten unmittelbar an der Kirche“.

Ob herkömmlicher Friedhof oder Friedwald – der Ort der Bestattung ist für Pfarrer Philipp Mayer nicht das Wesentliche. „Wichtig ist doch der Glaube, der dahintersteht“. „So wie alle in Adam sterben“, sagt der Apostel Paulus, „so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.“ Das ist der Glaube, den beide christlichen Kirchen vermitteln, das ist die Hoffnung vieler Menschen, wenn sie an einem Grab stehen.

Klares Statement

Deutlich Stellung bezogen hat die katholische Kirche ihrer Instruktion „Ad resurgendum cum Christo“ („Zur Auferstehung mit Christus“) vom 15. August 2016. Zwar gibt die katholische Kirche der Beerdigung des Leichnams „gemäß ältester christlicher Tradition auf dem Friedhof oder an einem anderen heiligen Ort“ den Vorzug, doch erlaubt sie erstmals offiziell die Feuerbestattung unter bestimmten Voraussetzungen.

Bestattungen in Friedwäldern sieht sie problematisch, wenn es keine eindeutige Abgrenzung zu pantheistischen, naturalistischen oder nihilistischen Vorstellungen gibt. Esoterische Auffassungen vom Fruchtbarwerden, vom Einswerden mit der Natur widersprechen der christlichen Lehre.

Eine christliche Bestattung ist für Pfarrer Philipp Mayer an einige Voraussetzungen gebunden. Das Gespräch mit den Angehörigen sei für ihn ebenso wichtig, wie eine christlich geprägte Trauerfeier. Deutlich spricht er sich, übereinstimmend mit der katholischen Auffassung, gegen eine anonyme Bestattung aus. Auch solle es die Möglichkeit zur Anbringung eines christlichen Symbols geben, das den Glauben des Verstorbenen ebenso zum Ausdruck bringe, wie die Hoffnung, einst von Gott auferweckt zu werden.

Warum entscheidet man sich für eine Friedwaldbestattung? Wolfgang Bögner führt ein Bestattungsunternehmen in Schrozberg. Er ist sich sicher: „Es sind vor allem praktische Erwägungen. Im Allgemeinen sind Friedwaldbestattungen kostengünstiger. Viele Menschen sind heute allein, die Kinder leben weit weg. Mit der Baumbestattung ist das Problem der Grabpflege gelöst.“

Die Friedwaldbestattung – eine romantische, aber vor allem grabpflegefreie Lösung, wie Pfarrer Georg Leiberich nüchtern feststellt? Nicht ganz so pragmatisch sieht es Pfarrerin Carolin Mayer. Sie zitiert das Herbstgedicht von Rilke: ‚Die Blätter fallen, fallen wie von weit’ – „ich kann schon verstehen, dass Menschen den Gedanken, in einem Wald beigesetzt zu werden, schön finden.“

„Naturnahe Bestattungen, die dem Wunsch nach einer pflegefreien Begräbnisstätte entgegenkommen, sind inzwischen auf vielen Friedhöfen möglich“, weiß Wolfgang Bögner zu berichten. „Der Alte Friedhof in Schrozberg wird derzeit komplett auf Urnenbestattung umgestellt. Künftig werden dort Bestattungen auf Urnenfeldern oder an Bäumen angeboten. Friedhöfe müssen sich verändernden Lebensumständen anpassen und auf die individuellen Wünsche der Menschen eingehen“. Eine Konkurrenz zu herkömmlichen Friedhöfen sieht der Bestatter in Friedwäldern nicht: „Dazu ist der Anteil der Beerdigungen zu gering“. Seiner Meinung nach wird die Friedwaldbestattung auch künftig nur eine von verschiedenen Möglichkeiten darstellen.

Den Tod nicht auslagern

Pastoralreferent Felix Edelmann, Leiter der Seelsorgeeinheit Hohenloher Ebene, war bei dem Gespräch nicht dabei. Er nahm aus katholischer Sicht schriftlich zum Thema Stellung: „Mir ist wichtig, dass der Tod nicht ausgelagert wird, sondern im Bewusstsein der Menschen bleibt als etwas, das zum Leben dazu gehört – und das ist nun mal mitten im Ort eher der Fall, als irgendwo in einem Wald.“

Pfarrer Georg Leiberich ergänzt: „Der Friedhof ist ein Ort des Erinnerns und der Verarbeitung von Trauer. Es tut dem Menschen gut, ab und zu an einem Grab zu stehen, den inneren Dialog mit den Verstorbenen und dem himmlischen Vater zu führen, über die eigene Endlichkeit nachzudenken und mit Leuten ins Gespräch zu kommen, die ebenfalls mit dem Tod eines lieben Menschen leben müssen.“

Pfarrer Phillipp Mayer plädiert dafür, dass sich Menschen Gedanken über den Tod machen. „Es ist sinnvoll, mit seinen Angehörigen darüber zu sprechen, welche Art der Bestattung man sich wünscht. Das gibt Ruhe und Gelassenheit“.

Erdbestattung oder Urne, Friedhof oder Friedwald – „das muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden“, meint Felix Edelmann. „Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält“ – so endet das Gedicht von Rainer Maria Rilke. In diesem einen Satz fasst er zusammen, worauf es letztlich ankommt.