Main-Tauber

Interview Landrat Reinhard Frank äußert sich zur medizinischen Versorgung im Landkreis, zur Zukunft von Kloster Bronnbach und zum internen Gebäudekonzept

Bei der Klausur werden Weichen gestellt

Archivartikel

Was steht im kommenden Jahr auf der Agenda des Landkreises? Wie geht der Landrat mit Kritik aus dem Kreistag um? Das wollten die Fränkischen Nachrichten von Landrat Reinhard Frank wissen.

Was bedeutet die Eingliederung von Kloster Bronnbach zum 1. Januar konkret?

Frank: Wir wollen das Kloster auf seine Kernaufgaben – Kultur und Tourismus – fokussieren, damit es sich noch stärker und attraktiver nach vorne entwickelt. Aufgaben wie Liegenschafts- und Gebäudeverwaltung sowie die Finanzen nehmen wir in die entsprechenden Fachämter mit ihren Experten hinein. Dadurch erwarten wir eine höhere Effizienz innerhalb der Verwaltung.

Gibt es im Zuge der Eingliederung weiterhin Transparenz, was genau für Kloster Bronnbach ausgegeben wird?

Frank: Ja, es gibt ein Produkt „Kloster Bronnbach“ in unserem Produktplan im Haushalt, in dem das Kloster mit seinen Erträgen, Ausgaben und Investitionsprojekten, wie dem Umbau des Bursariats II mit 6,7 Millionen Euro, veranschlagt ist. Das ist dem Kreistag auch besonders wichtig.

Wie viel Geld ist eigentlich seit dem Erwerb 1986 in das Kloster geflossen?

Frank: Aufgerundet sind es fast 40 Millionen Euro; 22 Millionen davon sind Zuschüsse, 18,4 Millionen Euro hat der Landkreis für dieses teure Juwel aufgewendet.

In der vergangenen Kreistagssitzung wurde moniert, dass die Einnahmen aus der Raumvermietung des Klosters in keiner Wirtschaftlichkeitsrechnung vor der Verpachtung aufgeführt waren. Das sind 48 000 Euro.

Frank: Wir wussten bei unseren internen Betrachtungen natürlich, dass wir einen Teil der Einnahmen, die wir bisher erzielt haben, verlieren. Aber der Pachtvertrag ist mit einer aufsteigenden Umsatzpacht hinterlegt. Dass die Umsatzpacht in den ersten Jahren keinen wesentlichen Überschuss erbringen kann, war uns auch klar. Aber wir haben auch über 60 000 Euro Betriebskosten nicht mehr aufzubringen. Wenn wir die Endstufe der Umsatzpacht erreicht haben, dann kommt sehr wohl ein Pachtertrag heraus, der mit den ersparten Betriebskosten einen Deckungsbeitrag zu den Klosteraufwendungen leistet und die Unterhaltsaufwendungen für das Kloster damit minimiert. Allein an Personal- und Betriebskosten sind für uns bereits rund 100 000 Euro pro Jahr weggefallen.

Wie viel wird in der Endphase der Umsatzpacht von dem Verlust des Landkreises gedeckt sein?

Frank: Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Redlicherweise müsste man fragen, was hatten wir 2018 an Defizit und was haben wir 2021 oder 2022 an Defizit. Gemessen am Gesamtverlust von einer Million Euro werden das mit Sicherheit 30 Prozent sein, die wir über Umsatzpacht und ersparte Aufwendungen rein bekommen. Da müssen dann die Mindereinnahmen aus der Vermietung wiederum gegengerechnet werden. In der Gesamtbetrachtung werden es aber zwischen 20 und 30 Prozent des bisherigen Verlusts sein, die wir künftig einsparen.

Wie sehen Sie den Main-Tauber-Kreis bei der medizinischen Versorgung, gerade mit Blick auf den Haus- und Fachärztenachwuchs, aufgestellt?

Frank: Im klinischen Bereich haben wir mit drei Krankenhäusern in der Fläche eine überdurchschnittliche Versorgung. Bei den niedergelassenen Ärzten sieht es natürlich etwas schwieriger aus. Da haben wir die Strategie der Gesundheitsholding, dass sie der Kreisärzteschaft anbietet, dass dort, wo kein Nachfolger gefunden wird, ein sogenanntes Medizinisches Versorgungszentrum implementiert wird, um den Standort weiter gut zu versorgen. Im Frühjahr wollen wir das Thema im Kreistag mit der Ärztekammer Baden-Württemberg beleuchten und aufzeigen, wo wir stehen und wie wir Defizite ausgleichen können.

Wie soll es in der Tagesklinik Creglingen weitergehen?

Frank: Der Kreis ist Eigentümer dieser Liegenschaft, die eine gute Nutzung als Ärztehaus und mit der Pflege gefunden hat. Mit den jetzt bereitgestellten 100 000 Euro soll der OP-Bereich in einen guten Zustand versetzt werden. Wie es in den nächsten Jahren weitergeht, hängt davon ab, bis wann das neue Pflegeheim gebaut sein wird und ob die Stadt Creglingen das jetzige Haus kauft, um dort Praxen für Heilberufe und einige Appartements zu entwickeln. Diesen Gedanken stehen wir sehr aufgeschlossen gegenüber.

Welche Pläne gibt es im Rahmen des internen Gebäudekonzepts des Landratsamts?

Frank: Da hat der Kreistag jetzt gesagt: „Lieber Landrat, jetzt machst du erstmal langsam. Wir wollen zunächst ein Gesamtkonzept sehen.“ Ausgelöst wurde alles durch das Thema Mainkaufhaus. Durch den Umzug der Verkehrsbehörde sind im Haupthaus Flächen frei geworden. Die brauchten wir auch dringend. Zum Beispiel wächst unsere EDV-Abteilung durch das Thema Digitalisierung. Wir waren also in der Lage, für die einzelnen Abteilungen die räumliche Situation zu verbessern und wollen unsere Regierungszentrale eigentlich arrondieren. Nun sind wir vom Kreistag aufgefordert, ein Gesamtkonzept vorzulegen. Wir machen jetzt eine Gesamtaufnahme von allen Kreisliegenschaften mit jeweiligem Zustand und energetischer Ausstattung.

Auf lange Sicht wollen wir Gebäude, wie die von Forst und Straßenbau in der Wellenbergstraße, veräußern und fragen, was wir in der Post stärker bündeln können. Das kriegen wir aber erst gebacken, wenn genau planbar ist, was wir wann machen, welche Kosten anfallen und welche Einsparungen möglich sind.

Wie könnte das Postgebäude genutzt werden?

Frank: Da haben wir schon Ideen. Es wäre schön, wenn man im Erdgeschoss eine Art Energieagentur mit Beratung hätte. Das wird aber erst mit den Haushaltsberatungen 2020 nach der Haushaltsklausur angeschoben.

Der Landkreisverwaltung wurde vorgehalten, sie habe über Gebühr Geld für interne Umzüge ausgegeben. Wie stehen Sie dazu?

Frank: Richtig ist, wie es manchmal passiert bei Sanierungen und Umbaumaßnahmen im Gebäudebestand, dass das ein oder andere dazukommt. So war zum Beispiel durch den Umzug der EDV-Abteilung vom vierten ins erste Obergeschoss relativ viel an EDV-Verkabelung neu zu machen.

Bei den anderen Umzügen ergaben sich zusätzliche Einbaumaßnahmen wie in der früheren Führerscheinstelle. Es gab den Wunsch der Mitarbeiter nach Einzelbüros. Großraumbüros waren bei den Mitarbeitern und dem Personalrat nicht durchsetzbar. Dadurch waren Arbeiten notwendig, die über das interne Betriebsmittelbudget hinausgegangen sind. Weil es da Kommunikationsprobleme mit dem Kreistag gegeben hat, machen wir jetzt das geforderte ganzheitliche Gebäudekonzept bis zur Klausurtagung im Sommer.