Main-Tauber

Leserbrief Zu „Ökologisch von großer Bedeutung“ (FN, 8. April)

„Arbeit nicht erschweren“

In den FN vom 10. April war ein großer Bericht über die Bedeutung der Streuobstwiesen für Natur, Tourismus und gesunde Ernährung der Bevölkerung zu lesen. Diesem Bericht kann man nur zustimmen, vor allem, wenn man selbst mit der Betreuung von Streuobstwiesen betraut ist.

Was im Bericht fehlt, ist eine Würdigung des enormen Pflegeaufwandes für den Besitzer. Auch dass viele Streuobstwiesen brachliegen und verwildern, weil Eigentümern die Zeit fehlt, sie körperlich nicht mehr in der Lage sind, ihnen das Arbeitsgerät dafür fehlt oder einfach kein Interesse besteht und andererseits die Preise für das geerntete Obst je nach anfallender Erntemenge lächerlich gering ausfallen können.

Wir, meine Frau und ich, haben viele alte Obstbäume geerbt und versuchen, diese auch zu pflegen. Jedes Jahr fallen dabei größere Mengen an Schnittgut an, das dann zu entsorgen ist.

In der Vergangenheit haben wir das Schnittgut zerkleinert und nach kurzer Trockenzeit auf einer Wiese verbrannt. Nun konnte man lesen, dass die thermische Entsorgung von Schnittgut jeglicher Art auch auf eigenem Grundstück nicht mehr erlaubt ist. Dieses Jahr war bei uns die Menge des anfallenden Schnittguts besonders mächtig. Mit unseren Transportmöglichkeiten wären mehrere Fahrten und aufwendige Verladungsvorgänge für das sperrige Schnittgut notwendig gewesen. Der Aufwand wäre auch arbeitsmäßig enorm gewesen.

Die Bestimmung, Schnittgut nicht mehr an Ort und Stelle verbrennen zu dürfen, ist deshalb kontraproduktiv und wird die Erhaltung der Streuobstwiesen in keinem Fall fördern. Viele Streuobstwiesenbesitzer werden den erhöhten Aufwand nicht in Kauf nehmen wollen oder können und bei geringen Einnahmen auch erhöhte Kosten scheuen.

Der Abtransport des Schnittguts mit unter Umständen mehreren Fahrten zum nächsten Kompostplatz (wobei wir Glück haben, dass dieser bei uns noch relativ erreichbar ist) und die anschließende Weiterverarbeitung ist umweltpolitisch gegen die thermische Entsorgung an Ort und Stelle abzuwägen. Mir scheint die bisherige Praxis umweltfreundlicher zu sein. Die im Bericht genannte mögliche Förderung kann den privaten Baumpfleger kaum für den Aufwand entschädigen, den die Pflege einer Streuobstwiese erfordert. Deshalb mein Aufruf: Rettet die Streuobstwiesen. Aber nicht durch Auflagen, die dem Streuobstbesitzer und Pfleger seine nützliche Arbeit noch erschweren.