Main-Tauber

Verwaltungs- und Finanzausschuss Weitere Bezuschussung des Internationalen Zentrums für Kulturgüterschutz und Konservierungsforschung IZKK beschlossen

Arbeit findet internationale Anerkennung

Archivartikel

Kulturerbe für kommende Generationen zu bewahren, ist eines der wichtigesten Anliegen des Internationalen Zentrums für Kulturgüterschutz und Konservierungsforschung IZKK.

Main-Tauber-Kreis. Alle drei Jahre stellt Sabrina Rota, seit der Gründung des IZKK vor zwölf Jahren dessen Leiterin, dem Verwaltungs- und Finanzausschuss des Landkreises die Entwicklung der wissenschaftlichen Einrichtung vor. Damit wirbt sie zugleich für eine weitere Unterstützung der in Bronnbach beheimateten Bildungs- und Qualifizierungseinrichtung durch den Main-Tauber-Kreis über eine dreijährige Förderperiode in Höhe von 30 000 Euro pro Jahr.

Die bewilligten alle Fraktionsvertreter unisono sehr gern. Denn eine bedeutende internationale Forschungseinrichtung im ländlichen Raum zu haben, ist nicht selbstverständlich. Ute Schindler-Neidlein (SPD) bescheinigte dem IZKK Strahlkraft und zeigte sich beeindruckt, welch spannende Forschung in den alten Mauern der ehemaligen Klosteranlage stattfindet.

Klaus Kornberger (Freie Wähler) unterstrich, dass der Main-Tauber-Kreis bestrebt sei, Bildung und Ausbildung zu fördern. Manfred Schaffert (CDU) zeigte sich vom Mehrwert des IZKK für den Kreis überzeugt. Und Rainer Moritz (Grüne) sah schlicht keinen Grund, die Unterstützung nicht fortzusetzen. Roland Ehrmann (AfD) informierte sich zunächst über das Institut an sich, zu dem er als Kreistagsneuling bislang noch keinen Kontakt hatte.

Wie vielschichtig die Arbeit des IZKK ist, führte Sabrina Rota aus. Es verstehe sich als Plattform für Austausch, Forschung und Vermittlung. Ziel sei es, ein Fachpublikum, junge Menschen und allgemein Interessierte für das Thema Kulturerbeforschung zu sensibilisieren und zu informieren sowie an neue Technologien heranzuführen.

Ein Forschungsprojekt in Kooperation mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg befasst sich mit historischem Hohlglas. Dieses sehr empfindliche mundgeblasene Material aus dem Sammlungsbestand des Schlosses Favorit und anderer Schlösser weist Schadensbilder wie das Crizzling – feine Risse und Tropfenbildung – sowie Schäden durch ungünstige Lagerung oder eine schadstoffbelastete Atmosphäre auf. Um zu erforschen, wie solchen Schäden durch optimale Aufbewahrungsbedingungen und Reinigungsmethoden begegnet werden kann, werden Modellgläser entwickelt, die dem historischen Glas nachempfunden sind. An ihnen nehmen die Experten mit Hitze, Druck und weiteren Verfahren unterschiedliche Untersuchungen vor, um konkrete Handlungsempfehlungen zu geben.

Derzeit koordiniert das IZKK ein Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse auf einem Internationalen Symposium am Louvre in Paris weltweit Beachtung fanden. Im Rahmen von Workshops seien einzelne Ergebnisse auch im Kloster Bronnbach weitergegeben worden, führte Sabrina Rota aus.

Neue Wege geht das IZZK mit „Life Sciences“. Unter diesem Titel wurde im Kloster Bronnbach in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Würzburg ein Seminar zum Thema 3 D-Gewebezüchtung angeboten. Durch bestimmte Methoden können dabei komplexe Implantate aus körpereigenen Zellen hergestellt werden, die Abstoßungsreaktionen minimieren.

Als Projekte nannte Sabrina Rota unter anderem das Grüne Gewölbe in Dresden, das Schwimmbad in Feuerbach oder den Kölner Dom. Daneben bietet das IZKK populärwissenschaftliche Vorträge oder arbeitet mit der Kinderakademie zusammen.

Kloster Bronnbach, so die IZKK-Leiterin, sei der ideale Standort für ihr Institut, da es sich um ein lebendes Denkmal handle, das für Gäste ein tolles Rahmenprogramm mit Klosterbesichtigungen, aber auch Spaziergängen oder Radeltouren in die Umgebung biete.

Einen kleinen Ausblick für die Nach-Corona-Zeit gab sie auch. Für einen Vortrag hat sie Kontakt zu einer Wissenschaftlerin geknüpft, die einst am IZKK tätig war. Sie ist an der Restaurierung der stark durch Brand zerstörten Pariser Hauptkirche Notre Dame beteiligt.