Main-Tauber

Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg AGJ-Suchtberatung legte Jahresbericht vor

Alkoholmissbrauch ist zentrales Thema

Archivartikel

Das Team der AGJ-Suchtberatung im Main-Tauber-Kreis leistete im vergangenen Jahr sowohl bei der Suchtberatung und -hilfe als auch bei der Suchtprävention erneut wertvolle Arbeit.

Main-Tauber-Kreis. Wie der jüngst vorgelegte Jahresbericht belegt, wurden 2019 insgesamt 634 Personen in der Hauptstelle Tauberbischofsheim sowie in den Nebenstellen Bad Mergentheim und Wertheim von der Suchtberatungsstelle betreut, darunter 74 Angehörige von Betroffenen. Rund 30 Prozent beließen es beim einmaligen Kontakt, während etwa 70 Prozent der Klienten nach einem Erstgespräch die Beratung fortsetzten.

Damit hat die Gesamtanzahl der Klienten seit 2016 pro Jahr wieder geringfügig zugenommen (2017: 581, 2018: 621). „Die geringe Zunahme lässt sich mit unserem bisherigen Personalstand jedoch gut bewältigen, wobei hier sicherlich die langjährige Erfahrung und damit einhergehende Routine des überwiegenden Teils der Fachkräfte eine wichtige Rolle spielt“, resümiert Michael Goldhammer, Leiter der AGJ- Suchtberatung im Main-Tauber-Kreis.

Spitzenreiter Cannabis

Hauptfelder waren Alkohol (282 Fälle), gefolgt von Drogen (199), davon wiederum 112 Personen primär abhängig von Cannabis. Zu den weiteren Problematiken zählten unter anderem zehn Betroffene, die wegen problematischer Online- und Mediennutzung beraten wurden. 27 Teilnehmer besuchten den „Rauchfrei-Kurs“ zur Tabakentwöhnung.

Die Zahl der Einzelgespräche – darunter etliche intensive telefonische Beratungen im Rahmen von länger dauernden Beratungsprozessen – belief sich im vergangenen Jahr auf 1640 Gespräche (Vorjahr: 1681), die der Gruppenkontakte auf 391 (316). Zudem gab es 282 (315) gemeinsame Gespräche mit Betroffenen und Angehörigen zum Beispiel in Form von Paar- oder Familiengesprächen sowie 305 (316) Einzelgespräche mit sonstigen verantwortlichen Personen wie etwa mit Vorgesetzten, Betriebsräten oder Klinikpersonal.

65 Prozent beendeten die Beratung regulär oder wurden in stationäre Behandlungen vermittelt. 50 bis 70 Prozent der ambulanten oder stationären Rehabilitanden waren nach einem Jahr noch abstinent von Suchtmitteln.

Anfragen bekommen habe die Beratungsstelle laut Goldhammer vermehrt von Unternehmen im Landkreis. Hier spiele sicherlich die gesetzliche Auflage für das betriebliche Gesundheitsmanagement eine Rolle. Für das laufende Jahr seien schon mehrere Veranstaltungen gebucht gewesen oder bereits absolviert worden, bevor auch diese Aktivitäten durch die Beschränkungen der Corona-Krise gestoppt werden mussten. Weiterhin ein Erfolgsmodell stellen die „Rauchfrei-Seminare“ dar, zumal hier ebenfalls immer mehr Firmen im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements auf die entsprechende AGJ-Offerte zurückgreifen.

„2019 erzielten wir abermals mit einer Durchschnittsnote von 1,2 ein sehr gutes Ergebnis bei der Zufriedenheit unserer Klienten in den Bereichen Beratung, Erreichbarkeit und Räumlichkeiten“, bilanziert der Leiter zufrieden. Eine ebenfalls eminent wichtige Rolle bei den Aufgaben der AGJ-Suchtberatung spiele die Prävention und Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Sektor wurden im vergangenen Jahr bei insgesamt 69 Veranstaltungen mit einer Dauer zwischen etwa zwei Stunden bis hin zu mehreren Tagen 291 Multiplikatoren und 949 „Endadressaten“ erreicht. Bereiche waren Schulen und Jugendarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Betriebe, Politik, Kommunen, Polizei oder Strafwesen sowie Sonstige wie Gesundheitswesen oder Sucht und Alter.

Trotz der Corona-Krise sei es weiterhin Ziel, die langjährigen Erfahrungen sowohl in Bereichen der Suchtberatung als auch der Prävention Jugendlichen und Erwachsenen zu Gute kommen zu lassen.

„Um die Zusammenarbeit im Bereich der Vorsorgemaßnahmen zu fördern, planen wir mehrere Informations- und Kooperationsveranstaltungen, zu denen wir die Multiplikatoren wie Schulsozialarbeiter und Präventionslehrer einladen wollen“, kündigte er an. Zudem sei geplant, die Kooperation mit dem Jugendamt zu vertiefen. „Darüber hinaus bieten wir bestimmte Präventionsprojekte wie die Schulung von Schülermultiplikatoren für 2020/21 weiterhin an“, hob Goldhammer hervor.

Inzwischen wurden die Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise gelockert, so dass wieder persönliche Kontakte in der Beratungsstelle unter Beachtung der Hygienemaßnahmen nach Voranmeldung möglich sind.

Die Beratungsstelle ist per Telefon unter 09341/897370 (Montag bis Freitag von 9 bis 12 und 13 bis 16 Uhr) oder per E-Mail: unter suchtberatung-maintauberkreis@agj-freiburg.de erreichbar.