Limbach

Klosterkirche in Balsbach Musical „Franziskus, ein Heiliger und ein Papst“ begeisterte das Publikum

Brückenbauer zwischen den Menschen

Balsbach.Wenn schon eine halbe Stunde vor Beginn der gesamte Veranstaltungsraum voll besetzt ist, versprechen sich die Besucher sicher eine ganze Menge von dem, was sie erwartet. Und sie täuschten sich nicht.

In der Klosterkirche in Balsbach führte ein vielgestaltiges Ensemble das Musical „Franziskus, ein Heiliger und ein Papst“ auf und begeisterte das Publikum mit mitreißenden Kompositionen von Siegfried Fietz und dazu passenden gereimten Texten von Hermann Schulze-Berndt.

Die überwiegend von Dirigent Manfred Schäfer geschriebenen Zwischentexte und Dialoge und die von Norbert Schwing gut ausgewählten und präsentierten Bilder ließen vor den Augen der Gäste das Leben des sympathischen Heiligen eindrucksvoll lebendig werden.

Die Lieder wurden vorgetragen von den beiden Balsbacher Chören „Liederkranz“ und „Querbeet“, verstärkt durch einige Gastsänger. Alle waren mit Enthusiasmus bei der Sache, und in der mehrmonatigen Vorbereitung war es Manfred Schäfer, der auch die Gesamtleitung des Musicalabends hatte, gelungen, dem gemeinsamen Chor eine perfekte Darbietung zu entlocken.

Unterstützt wurden die Sänger von einem Instrumentalensemble, das den Klang gekonnt abrundete: Petra Reiß diskret und einfühlsam mit der Gitarre und der Dirigent selbst energisch und mit souveräner Führung des Chors am E-Piano. Tobias Bechtold sorgte am Cajon für den berauschenden Rhythmus, und Simone Schäfer interpretierte die Stücke auf der Flöte mit künstlerischer Empathie und durchdringender Melodik.

Die beiden Hauptgestalten des Geschehens, Franziskus, mit sonorer Stimme und selbstbewusstem Engagement verkörpert durch Rainer Schell, und Klara, überzeugend gespielt durch Michaela Knapp, traten auch als Gesangssolisten auf und rückten die beiden Heiligen ins rechte Licht. In ihren Dialogen thematisierten sie die geistlichen Anliegen der Protagonisten: Armut, Barmherzigkeit, Frieden, Erneuerung der Kirche, Sorge für die Kranken und Bewahrung der Schöpfung, Themen, die alle in den Liedern des Chors aufgegriffen beziehungsweise im Wechselgesang mit den Solisten vorgetragen wurden.

Das Thema Kirchenerneuerung verdeutlichte eine Tanzgruppe von sechs Frauen. Eine Gruppe von neun Kindern gestaltete die Liebe des Franziskus zur Natur und Schöpfung, wie sie in seinem „Sonnengesang“ und in den Legenden von der „Vogelpredigt“ zum Ausdruck kommt. Der Dreivierteltakt des zugehörigen Lieds verkündete die sich in dieser Weltsicht äußernde Harmonie. Das szenische Einstudieren besorgten Antje Grimm und Karin Hemberger. Grimm veranschaulichte auch das Thema „Krankheit“ in einer empfindsamen Pantomime.

Lebens- und Glaubensfreude

Als weitere Schauspieler traten Reiner Schork (Vater Bernardone), Gerald Fichtner (Bischof) und Norbert Grimm (Bandit und Stimme Gottes) auf. Thomas Throm spielte den heutigen Papst und erklärte, warum er den Namen Franziskus angenommen hat und sich wie sein mittelalterliches Vorbild als Brückenbauer zwischen den Menschen und der Menschen zu Gott versteht.

Auch das Scheitern des Heiligen kam zur Sprache: seine vergeblichen Versuche, das Blutvergießen bei den Kreuzzügen abzustellen und die Christen und Muslime von der Gewaltanwendung abzubringen.

Von der Ouvertüre, in der Franziskus als „Bruder der Armen“ instrumental vorgestellt wird, bis zum Nachspiel, in dem er als „Bruder Immerfroh“ bezeichnet wird, erlebten die Gäste einen Abend, der viel von der Lebens- und Glaubensfreude des Heiligen vermittelte: „Arm in Arm, Hand in Hand, ganz dem Leben zugewandt, [...] tanzen wir durch Gottes Land.“

Stehend spendeten die Gäste Beifall und erklatschten sich mehrere Zugaben. Passend war die Aufführung in Balsbach, für deren Tontechnik Lukas Hemberger sorgte, auch deshalb, weil die Stirnwand der Kirche von Bildern des heiligen Franziskus und der heiligen Klara geschmückt ist, weil die Kirche „Christkönig“ in Balsbach ihr 50-Jahr-Jubiläum feiert und das 2015 aufgelöste Clarissen-Kapuzinerinnen-Kloster „St. Clara“ 70 Jahre alt geworden wäre.

Die große Mühe, die sich Dirigent Manfred Schäfer und alle anderen Beteiligten mit der Aufführung gemacht hatten, ließ im Publikum die Frage nach einer Wiederholung aufkommen.