Leserbrief

Leserbrief Zu „Tage der Kleinschwimmhalle gezählt“ (FN, 21. November)

„Zur Schau gestelltes Desinteresse an der Lösung des Problems“

Als Bürgermeisterin Schmidt in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag den Tagesordnungspunkt 7 aufrief, wurde es unruhig in der Stadthalle. Nicht jedoch, weil die Aufdimensionierung des Kanals in der Kapellenstraße strittig war, sondern weil rund 30 Besucher die Stadthalle vorzeitig verließen. Es waren Ehrenamtliche der DLRG, die soeben erlebt hatten, wie der Gemeinderat eine weitere Kostenübernahme zur Ertüchtigung der Kleinschwimmhalle im Haus 2 des Kreiskrankenhauses abgelehnt hatte.

Dies war das Todesurteil des derzeit einzigen Hallenbades in Tauberbischofsheim.

Es ist eine unschöne, aber richtige Entscheidung. Jeder Euro, den die Stadt aus dem durch drohende Rezession sowieso schon angespannten Haushalt in diese Kleinschwimmhalle steckt, ist einer zu viel. Die Gemeinderäte waren sich in der Mehrheit auch einig: Lieber in ein neues Hallenbad investieren, als in eine marode, 40 Jahre alte Schwimmhalle, deren Ertüchtigungskosten in keinerlei Verhältnis zu deren Nutzen stehen. Allein der Wille, ein solches Hallenbad auch zu planen, geschweige denn zu bauen, ist dem Gemeinderat so langsam nicht mehr glaubhaft abzunehmen.

Bernd Mayer (Bürgerliste) war es, der daran erinnerte: Vor der Kommunalwahl habe der alte Gemeinderat festgelegt, dass das neu gewählte Gremium sich dieser „Schicksalsfrage“, deren Beantwortung in ihrer Wirkung eine Legislatur bei weitem übersteige, annehmen soll. Nun haben wir seit 1,5 Jahren einen neuen Gemeinderat gewählt, die Amtszeit ist zu rund 25 Prozent verstrichen und von einer Bauabsicht, den nötigen planungsrechtlichen Grundlagen oder Finanzierungskonzepten fehlt nach wie vor jede Spur. Man sei aber absolut nicht gegen ein Hallenbad, versicherten Abgeordnete aller Fraktionen einhellig. Dass die DLRG-Funktionäre und Mitglieder diese wachsweichen Aussagen mit dem ihrerseitigen Abgang quittierten, kann man nur allzu gut nachvollziehen.

Der alte und neue Gemeinderat, in ihrer Mehrheit unverändert, zeigen in der Sache öffentlich keine glaubhafte Bewegungsabsicht. Entsprechende Standortgutachten lägen intern vor, beteuerte man am Donnerstag.

Ich darf ganz kritisch fragen: Müssen wir 2024 erst noch einmal das Gremium wählen, bevor gewählte Bürgervertretern sich zu einem „Hop oder top!“ hinreißen lassen? Oder beschließt der aktuelle Gemeinderat all das erst Ende 2023 / Anfang 2024, um die dann frisch gewählten Räte mit vollendeten Tatsachen für das Mega-Projekt zu „begrüßen“?

Die Ehrenamtlichen der DLRG sind es heute schon leid, wie mit ihnen umgegangen wird. Sie tun ihr Ehrenamt leidenschaftlich und mit Hingabe. Sie können aber in der kalten Jahreshälfte zukünftig keine (Rettungs-) Schwimmer mehr ausbilden oder trainieren.

Genauso findet ab sofort im ersten Schulhalbjahr wahrscheinlich kein Schwimmunterricht mehr statt, die Rheuma- und Schmerzpatienten verlieren ihr Bewegungsbad und die Bevölkerung eine Freizeitmöglichkeit. Meine Damen und Herren Gemeinderäte, liebe Frau Bürgermeisterin: Nicht ihre gestrige Entscheidung ist es, die Unverständnis in weiten Teilen der Bevölkerung hervorruft. Ihr fortwährend öffentlich zur Schau gestelltes Desinteresse an der Lösung eines Problems, das zahlreiche Gruppen miteinander vereint, ist es.

Für Bauleitplanung braucht es kein großes Geld im Haushalt. Den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Hallenbad auf der Fläche des Hartplatzes hinter der Grünewaldhalle“ beispielsweise könnte der Gemeinderat als Satzung zügig beschließen.

Für die sich anschließenden Förderanträge braucht es 1,55 Euro Porto. Wenn es daran allen Ernstes scheitern sollte, bin ich gerne bereit, dies aus eigener Tasche zu zahlen.