Leserbrief

Leserbrief Zum Artikel „Keine Schnelltests“ (FN 19. Dezember)

Zahlen bedürfen einer Korrektur

Korrekt und sinnvoll erscheint der Hinweis auf ein durch Schnelltests vermitteltes, falsches Sicherheitsgefühl und, damit verbunden, eine zu erwartende Vernachlässigung der AHA-Regeln. Aus eigener Praxis kenne ich aus den vergangenen Wochen vermehrt Anfragen, die ein solches Ansinnen stützen.

Nicht unkommentiert kann man allerdings die im Artikel präsentierten Zahlen stehen lassen: Bei einer Testgenauigkeit von 95 Prozent (hier ist die Sensitivität gemeint) würden, so im Text, von 600 Tests 30 falsch negativ ausfallen. Diese Angabe träfe aber nur dann zu, wenn man tatsächlich 600 wirklich SARS-CoV-2-Positive mit dem Test untersuchen würde – dafür ist ein Schnelltest aber überhaupt nicht vorgesehen. Mit einem Schnelltest sollen in einer breiten Masse asymptomatisch Infizierte erkannt werden. Um die Verlässlichkeit eines solchen Tests einzuschätzen, ist aber nicht, wie im obigen Beispiel, die Betrachtung der Sensitivität (im Beispiel 95 Prozent) allein ausreichend. In diesem Fall interessiert vielmehr der sogenannte positive (PPW) und negative Vorhersagewert (NPW).

In die Berechnung des negativen Vorhersagewerts fließt neben der Sensitivität des Tests auch die Eintreffwahrscheinlichkeit (also die aktuelle relative Häufigkeit der Erkrankung im Kreis) ein. Im Main-Tauber-Kreis liegt diese, Stand Sonntag, bei etwa 0,2 Prozent, mit einem Faktor 10 für die Dunkelziffer angenommen also bei 2 Prozent. Unter Verwendung dieser Zahlen kommt man auf folgende, korrigierte Aussage: untersucht man 600 nicht erkrankte Kreisbewohner mittels Schnelltest kann man statistisch nur einen falsch Negativen (nicht 30) erwarten, dagegen aber ist jeder vierte Positive vermutlich gesund (falsch positiv). Wird ein Schnelltest also unter strikter Beachtung seiner statistischen Limitationen verwendet, ist damit sehr gut eine Infektion mit mehr als 99,5 Prozent Sicherheit auszuschließen – sofern der Abstrich auch korrekt entnommen wird.