Leserbrief

Leserbrief Zu der r Zukunft der Tauberbischofsheimer Kleinschwimmhalle und den Auswirkungen der beschlossenen Maßnahmen auf die Nutzer

Wenn man auf Dauer ein Hallenbad will, braucht es eine genaue Analyse

Das Jahresende 2016 bescherte uns eine tolle und beruhigende Nachricht: die Kleinschwimmhalle bleibt bis Ende 2019 erhalten. Zumindest bei den drei Verantwortlichen scheint hier noch schnell Konsens gefunden worden zu sein, bevor das Jahr zu Ende geht, "Just in time" bevor das Bad vor dem Ende steht.

Die Nutzer begrüßen diese Entscheidung, denn diese verschafft ihnen immerhin drei zusätzliche Jahre Lebenszeit und somit eine Verschnaufpause. Die Privatpersonen können in Tauberbischofsheim weiter ihren Sport betreiben, die Schulen ihr Programm durchführen und für die Vereine entfernen sich diese dunklen Wolken, nämlich die Grundlage für ihr ehrenamtliches Engagement zu verlieren und letztendlich "sterben" zu müssen. Kurz vor Weihnachten klang die Nachricht wie ein echtes Wunder.

Nach der Euphorie ist aber erlaubt zu fragen, ob alles Gold ist, was glänzt.

Die erste Hiobsbotschaft, die alle auf dem Boden der Realität zurückbringen sollte, ist diese Anmerkung: "Voraussetzung sei allerdings, dass bis dahin keine hohen Sanierungskosten anfallen..." (FN vom 9. Dezember 2016). Betrachtet man das Alter der Schwimmhalle, den Stand ihrer technischen Einrichtungen, die auf dem niedrigsten Niveau gehaltene Wartung dieser Anlage sowie der allgemeine Investitionsmangel in der Halle bleibt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieser Fall vor 2019 eintritt, was konkret eine Schließung der Sportstätte bedeuten würde. Diese Situation wurde schon von der Rheuma-Liga und dem Kneipp-Verein im letzten Quartal 2016 erlebt, als das Bewegungsbad als "nicht instandsetzungsfähig" beschlossen und somit die Grundlage für ihre soziale und gesundheitliche Arbeit entzogen wurde. Auch finanztechnisch war kein Wunder zu erwarten, da im Laufe der Jahre keine Rücklagen als Puffer gebildet worden seien, wie es für Infrastrukturen dieser Größenordnung üblich ist. Diese fatale Aussicht war für die Verantwortlichen die einfachste schnellste Lösung. Insofern gehört dieses "über unseren Köpfe hängende Damokles-Schwert" wohl eher zur Realität.

Lassen wir uns aber vom Pessimismus nicht entmutigen und gehen wir nun von einer bis 2019 gesicherten Nutzung der Schwimmhalle aus. Wie kommt diese "großzügige" Zeitspanne von drei Jahren plötzlich zustande? Seit zwei Jahren erlebt die Bevölkerung - wenn überhaupt - nur (sehr) kurzfristige Schritte in Sachen Schwimmhalle. Dieses vorweihnachtliche Lippenbekenntnis stellt sogar die erste öffentliche Meinungsäußerung unserer Politiker zum Thema überhaupt dar. Haben etwa schon die Wahlkampagnen und -kämpfe, die sich bis 2019 hinziehen, angefangen? Glaubwürdiger wäre es, wenn unsere Politiker den Worten bald Taten folgen lassen.

Die schnelle Hals über Kopf getroffene Vereinbarung vor Weihnachten lässt sich kurz und bündig darstellen. Unter Voraussetzung einer angehenden Prüfung des Betriebskostendefizits für die Schwimmhalle wirkt sie sich ab 2017 für den Main-Tauber-Kreis positiv aus, indem er seine Kosten als Besitzer der Schwimmhalle um maximal 20 Prozent reduziert. Die Kreisstadt Tauberbischofsheim erhöht ihre Beteiligung am Defizitausgleich auf 40 Prozent. Wäre es nicht sinnvoller, die investierten Steuergelder in eine modernere Einrichtung anzulegen?

Eine große Neuerung in der Kostenverteilung ist der Einstieg der KHMT mit 10 000 Euro. Werden mit diesem Betrag nur die Eintrittskosten der behandelten Patienten pauschal sowie der Stundensatz für die Benützung (, den die Vereine zahlen) abgegolten? Wenn ja, dann ist dies bei rund 7000 therapeutischen Behandlungen pro Jahr (Tendenz steigend) ein günstiger Preis im Vergleich zu den übrigen Nutzern und ein guter Handel, wenn man davon ausgeht, dass unser Sozialstaat und die Gesundheitsversorgung wahrscheinlich diese Kosten ausgleichen.

Die Vereine hingegen werden ab Januar 2017 ihren Stundensatz von 30 auf 40 Euro (+ 33 Prpzent) ohne Vorankündigung und noch weniger Mitbestimmung erhöht sehen. Dazu muss der jeweilige Teilnehmer noch den neuen erhöhten Eintrittspreis entrichten. Auch wenn diesem Schritt seitens der Vereine nicht widersprochen wird, hätte das Prinzip der Gleichbehandlung bezüglich der Stundensätze gelten müssen.

Für die privaten Nutzer ist mit einer 40 -prozentigen Erhöhung der Eintrittspreise zu rechnen und zwar von 2,50 auf 3,50 Euro pro Besuch. Hinzu kommen noch die Parkgebühren (0,50 Euro/Stunde), die der Holding zu entrichten sind.

Ein schneller Vergleich der Schwimmangebote mit den zwei nächstgelegenen Schwimmhallen (Külsheim und Lauda) bringt zu Tage, dass diese Eintrittspreise nun angeglichen worden sind. Allerdings hat Külsheim und Lauda frisch sanierte Einrichtungen, bessere Öffnungszeiten, einen erhöhten Schwimmkomfort (drei bzw. fünf lange 25-Meter-Bahnen, drei-Meter-Springturm, Wassertiefe bis vier Meter), einen barrierefreien Zugang und keine Parkgebühren. Wer regelmäßig schwimmt, weiß das zu schätzen. Auch hier sollte nicht unbedingt eine Verwunderung entstehen, wenn die Besucherzahlen ab 2017 abnehmen. Politisch wurde alles dafür getan.

Eine Frage bleibt: Wird wirklich eine Schwimmhalle in Tauberbischofsheim gewünscht? Wenn ja, geht es darum, diese Thematik als richtiges Projekt anzusehen und zu behandeln. Von den Betriebskosten über die Finanzierung bis hin zum zukünftigen Business- und Marketingplan muss alles analysiert werden, bevor konzeptlose Entscheidungen in der Eile fallen. Alles andere ist nur Zeit- und Energieverschwendung. Vereinigt eure Kräfte, seid kreativ und bringt ein Konzept auf die Beine, worauf die Öffentlichkeit stolz sein könnte. Dann wäre auch Pessimismus und Mangel an ehrenamtlichem Engagement Schnee von gestern.