Leserbrief

Leserbrief Zur gemeinsamen Sitzung der Stadtteilbeiräte Wartberg und Reinhardshof

Was man kennt, macht weniger Angst

Am 18. Februar hatte die Stadtverwaltung Wertheim unter der Leitung des OB Stefan Mikulicz zu einer Bürgerversammlung in das Begegnungs-Café der Erstaufnahmeeinrichtung (EA) des Landes in Wertheim geladen.

Zweck dieser Veranstaltung war es, im Dialog mit den Bürgern der Ortsteile Reinhardshof und Wartberg deren Probleme und Ängste aufzunehmen und Lösungen zu finden für ein entspanntes und friedliches Miteinander zwischen den Bewohnern und den Flüchtlingen der Erstaufnahmeeinrichtung.

Eine großartige Idee. Dank einer gekonnten und straffen Gesprächsführung durch den OB wurde vermieden, dass die unterschiedlichen Ansichten aufeinanderprallten, durch unnötige Schuldzuweisungen die Atmosphäre vergiftet wurde und so ein sachlicher Informationsaustausch unmöglich gewesen wäre.

Neben OB Stefan Mikulicz standen der Leiter der EA, Mirco Göbel, der Leiter des Wertheimer Polizeireviers, Olaf Bamberger, die vom Regierungspräsidium Stuttgart beauftragte Ombutsfrau, Susanne Löffler, und von der Diakonie Alex Schuck für Statements und Fragen zur Verfügung.

Erstaunlich war, dass Ängste fast ausschließlich durch Bürger mit Migrationshintergrund aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion vorgetragen wurden, zumeist höchst emotional. Haben diese Menschen vergessen, dass sie auch mal quasi "Flüchtlinge" waren, die bei der Bevölkerung seinerzeit auch Ängste ausgelöst hatten?

Auch ich bin Bürger mit Wohnsitz in unmittelbarer Nähe zur EA. Sowohl meine Frau als auch ich empfinden keine Angst.

Hier stellt sich die Frage, woran es wohl liegt, dass wir uns als Menschen im bereits fortgeschrittenen Rentenalter von den Flüchtlingen weder bedroht noch belästigt fühlen. Ich denke, die Erklärung hierzu ist recht einfach. Wir haben uns kurz nach Eintreffen der ersten Flüchtlinge im September vergangenen Jahres als ehrenamtliche Helfer gemeldet und angeboten. Hierdurch kamen wir mit Flüchtlingen vieler Nationen, unterschiedlichen Alters und Geschlechtes in Verbindung und lernten so viele von ihnen kennen. Da gab es nichts, was einem Angst machen muss. Bei den Flüchtlingen überwiegen Freundlichkeit und Dankbarkeit, wenn man auf sie zu geht. Dass es bei der Vielzahl von Flüchtlingen auch dieses und jenes "schwarze Schaf" gibt, erklärt schon jede Statistik.

Ich gebe daher allen, die von Ängsten getrieben sind, den Rat, zeigt mehr Toleranz, bietet in irgendeiner Weise eure Hilfe an oder sucht über die Lagerleitung Kontakt zu Flüchtlingen in der EA. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich einzubringen.

Was man kennt, macht einem weniger oder gar keine Angst. Hat man selbst die Ängste verloren, überträgt sich das auch auf die Kinder und die eigenen Familienangehörigen und ein wunderbares Schneeballsystem führt zu großer Entspannung und einem unverkrampften Miteinander.