Leserbrief

Leserbrief Zu „Tränen, Wut und viel Unverständnis“ (8. Februar)

Völlig falsche Signale

Die Inhaftierung zur Abschiebung des in Igersheim lebenden Gambiers Dame Ndow offenbart das ganze Dilemma der deutschen Abschiebungspraxis. Da er aus einem ‚sicheren‘ Staat kommt, seine Asylgründe nicht anerkannt wurden und er nicht ‚freiwillig‘ ausgereist ist, wird er eben abgeschoben. So ist das Gesetz. Punkt! Dass er sich integriert hat und seinen Lebensunterhalt verdient, dass er im Fußballverein und an seiner Ausbildungsstelle im Pflegeheim geschätzt wird, das soll nicht zählen.

Gleichzeitig suchen Handwerker und Pflegebereich händeringend nach ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Leuten, gerade in eher schlecht bezahlten Bereichen. Und trotzdem diese Abschiebung. Dafür habe ich kein Verständnis. Von dieser Abschiebung gehen auch falsche Signale aus. Einmal an die von Abschiebung bedrohten Menschen in Deutschland, nämlich: Strengt euch nicht an, versucht nicht hier Fuß zu fassen! Das zählt nicht!! Man wird euch zurückschicken! Legt euch lieber auf die faule Haut, lasst euch von der Sozialhilfe aushalten solange es geht und versucht dann, in die Illegalität abzutauchen! Im Sinne des Steuerzahlers doch wohl ein falsches Signal. Zweitens ist es auch ein Signal an die Ehrenamtlichen, die den Geflüchteten immer wieder Mut machen sich in die Gesellschaft einzubringen, die Sprache zu lernen, einen Arbeitsplatz oder eine Ausbildung zu suchen. Die Botschaft an die Helfer lautet zugespitzt: Lasst es doch bleiben! Behörden werden gerade die schnappen, die ihr auf dem Weg der Integration gestützt habt. Denn die Abgetauchten, die kriegen wir ja leider nicht. Und die Anzahl der Abschiebungen zu erhöhen, das hat die höchste Priorität!

Wann wird man endlich kapieren, dass Menschen, die schon gezeigt haben, dass sie hier mit uns leben wollen und können und die wir als Gesellschaft dringend brauchen, auch hier bleiben dürfen – und noch mehr - dass sie willkomen sind. Dies wäre in meinen Augen der Beginn einer gelingenden Einwanderungspolitik für Fachkräfte.