Leserbrief

Leserbrief Zu Personalentscheidungen an der Rotkreuzklinik

Vertrauen wird gefährdet

Quo vadis Krankenhaus Wertheim? Wir sind und waren immer stolz auf unser Krankenhaus und sind sehr froh, dass wir ein sehr gutes Team an Ärzten und Ärtzinnen, Schwestern und Pflegern haben, die alle einen hervorragenden Job machen. Und das bei ständiger personeller Unterbesetzung, die dem Personal sehr viel abfordert.

Der scheidende Chefarzt Dr. Rottmann hat sich sowohl menschlich als auch fachlich in hervorragender Weise für das Wohl der Patienten und den Ruf des Wertheimer Krankenhauses eingesetzt. Hierfür sind wir ihm sehr dankbar!

Die Gründe der Entlassung kennen wir nicht, aber wir haben als einweisende Ärzte ein Interesse daran zu erfahren und zu verstehen, welche Zielsetzungen die Geschäftsführung der "Schwesternschaft München vom Bayrischen Roten Kreuz" langfristig verfolgt.

Mit dem Bau einer neuen - hoffentlich patientenfreundlichen - Klinik alleine ist es nicht getan, am wichtigsten ist doch wohl Vertrauen in die Leitung der Klinik und Vertrauen den Chefärzten gegenüber. Anscheinend hat die Schwesternschaft des Bayrischen Roten Kreuzes eines noch nicht gemerkt: Wir sind hier in Wertheim, nicht in einer anonymen Großstadt wie München. Hier in Wertheim zählt das Vertrauen in Einzelpersönlichkeiten weit mehr als in Institutionen.

Hier ist der Chefarzt das Gesicht seiner Abteilung, ihm vertrauen die Patienten ihre Gesundheit an, er kommuniziert mit den Zuweisern. Anonyme Wechsel in der Geschäftsführung sind für die Außenwirkung eines Krankenhauses schmerzlos zu verkraften, der Verlust des führenden Repräsentanten einer Abteilung hingegen nicht. Eine weitere Stabilisierung der internistischen Abteilung durch Kontinuität an der ärztlichen Spitze hätte dem Wertheimer Krankenhaus gutgetan.

Es ist schon erstaunlich, wie es eine Krankenhausleitung und Personalabteilung schafft, innerhalb von nur vier Jahren den zweiten Chefarzt derselben Abteilung kurzerhand an die Luft zu setzen und das in der Lokalzeitung nur in einem "Dreizeiler" öffentlich zu kommunizieren. Diese formal und psychologisch ungeschickte Form muss zu heftigen Spekulationen führen. Wie kann eine Krankenhausleitung nur so mit seinen Mitarbeitern umgehen! Das über Jahre in enger Zusammenarbeit gewachsene und aufgebaute Vertrauen der niedergelassenen Ärzteschaft in eine kompetente ärztliche Leitung der internistischen Abteilung wird mit einem Federstrich nachhaltig gefährdet.

Anfang Oktober haben sich Teile der Ärzteschaft schriftlich an die Krankenhausleitung mit der Bitte um ein gemeinsames Gespräch gewandt, da uns sehr daran gelegen ist, die Kommunikation mit dem Krankenhaus zu verbessern. Bis heute keine Antwort oder Rückmeldung! Wir brauchen nicht nur eine neue Hardware in Form des neuen Krankenhauses, sondern auch eine adäquate Software in Form vertrauensbildender Führungskräfte an der Spitze des Krankenhauses. Sonst läuft das neue Krankenhaus ins Leere.