Leserbrief

Leserbrief Zum alljährlichen Ritual, an Silvester ein Feuerwerk abzubrennen

Traditionen hinterfragen, nicht aufgeben

133 Millionen Euro wurden 2018 für Feuerwerkskörper allein in Deutschland ausgegeben. Doch was bleibt von diesem einmalig schönen Nachthimmel?

Silvester ist für uns persönlich ganz eng mit Kindheitserinnerungen an das Anzünden und Bestaunen der genau fünf Raketen, die wir jährlich von unserem Opa zu Silvester geschenkt bekommen haben, verknüpft. Denn damit hatten alle Mitglieder unserer Familie eine Rakete, die für sie oder ihn das neue Jahr symbolisch einläutete. Diese haben wir dann ganz bewusst für die jeweilige Person steigen lassen und dann der Person alles Gute für das neue Jahr gewünscht.

Erst jetzt, nachdem wir diese Tradition gar nicht mehr weiterführen, beginnen wir das Feuerwerkszünden an Silvester zu hinterfragen. Nicht nur schlecht für die Umwelt, teuer, sondern auch schwierig für kranke Menschen als auch Tiere soll es sein. Müssen wir jetzt unser persönliches Feuerwerk aufgeben? Wir glauben, dass niemand seine Traditionen einfach aufgeben sollte. Aber dass man diese gründlich hinterfragen sollte.

Wir erinnern uns kaum noch an diverse Feuerwerke mit unseren Eltern, aber an die fünf Raketen denken wir heute noch. Es geht um ein Ritual und dass solche mit persönlichen Erinnerungen und Emotionen aufgeladen sind, ist uns durchaus bewusst. Doch vielleicht ist es an der Zeit, ein neues Ritual zu etablieren. Ein ganz persönliches. Wir möchten kurz zwei Rituale nennen, die wir als Alternativen zu Silvesterfeuerwerk begreifen.

So ruft das Hilfswerk „Brot für die Welt“ unter dem Motto „Brot statt Böller“ dazu auf, das neue Jahr mit einem Geschenk an Menschen in Not zu beginnen, denn der Spaß der ein Feuerwerk bringt, sei von kurzer Dauer. Wohingegen die Freude, die durch Teilen entsteht von Dauer sei. Um über die persönlichen Wünsche nachzudenken, kann man sie auch einfach aufschreiben und gemeinsam in einem Lagerfeuer in den „Himmel steigen lassen“.

Letztlich ist es natürlich an jedem selbst, ob man nun ein Teil der bereits gekauften Feuerwerkskörper für das nächste Jahr aufhebt und weniger und bewusster böllert oder eine andere Alternative findet.

Doch wir wissen, dass eine gute Silvesterfeier nicht von der Anzahl der abgefeuerten Raketen abhängt und rufen uns das dieses Jahr in Erinnerung, wenn wir unsere neuen Rituale ausprobieren.