Leserbrief

Leserbrief Zu „Wolfgang Vockel will Bürgermeister bleiben“ (FN, 14. Januar)

„Tauberbischofsheim braucht Erneuerung“

Bürgermeister Vockel kündigte während des Neujahrsempfanges seine Kandidatur für eine vierte Amtszeit an. Er bat die Tauberbischofsheimer Bürger, seine seit fast einem Vierteljahrhundert währende Amtszeit auf 32 Jahre zu verlängern, um „die vielen Aufgaben anzugehen“.

Ich möchte folgendes dazu anmerken: In der heutigen, schnelllebigen Zeit wird die „Haltbarkeitszeit“ von Führungskräften immer kürzer. Abwechslung ist gefragt, nicht zu langes Festhalten an Positionen und Posten.

In der Industrie beträgt die Verweildauer in Spitzenpositionen im Schnitt circa zehn Jahre, bei Abgeordneten liegt sie etwas höher. Im Moment diskutiert die Politik über Amtszeitbegrenzungen bei Spitzenämtern in solchen Zeitfenstern. Bundeskanzlerin Merkel leitete im Oktober bemerkenswert ihren Rückzug ein. „Die Demokratie lebt vom Wechsel, . . .“. Nach 16 Jahren soll Schluss sein. Warum eigentlich diese kurzen Zeitspannen? Die Gründe erscheinen plausibel. Wechsel bringt Wandel.

Neue Köpfe, in der Regel jüngere, als die der Vorgänger/-innen, haben neue Ideen und Visionen. Sie setzen neue Impulse.

Sie pflegen andere Umgangsformen. Sie brechen Verkrustungen auf! Sie sortieren eingefahrene Denkweisen aus. Die Belastbarkeit liegt höher.

Die Aufzählung könnte leicht fortgesetzt werden. Der Gesetzgeber gestattet Bürgermeistern/-innen und Gemeinderäten/-innen die Ausübung ihrer Ämter über Jahrzehnte hinweg, vorausgesetzt sie werden durch Wahl bestätigt. Obige Erkenntnisse sind Allgemeingut.

Bürgermeister/-innen, die nach zwei, maximal drei Amtsperioden (16/24 Jahre) den Weg zur Erneuerung zum Wohl ihrer Stadt frei machen, sind in Baden- Württemberg der Regelfall.

Laut Statistik bleiben 77 Prozent der Bürgermeister/-innen in Baden- Württemberg bis zu 16 Jahre im Amt. Nur ganze sechs Prozent werden mit einer vierten Amtszeit (32 Jahre) in Verbindung gebracht. Gründe für das „Weiter so“ lassen sich für die Vertreter der letzten Kategorie immer finden, siehe Zitat oben. Meist aber ist der Machterhalt das eigentliche Motiv für „Nichtloslassenkönnen“.

Weitere „Klebstoffe“ sind: Gefühl der Unersetzlichkeit, Gefühl der Unfehlbarkeit, Gefühl der Überlegenheit. Die Kraft dieser „Klebstoffe“ scheint immens zu sein.

Wähler/-innen haben es letztlich in der Hand – mindestens zwei Bewerber/innen vorausgesetzt – die Verweildauer von „Dauerbrennern“ zu begrenzen. Tauberbischofsheim braucht Erneuerung, zündende Ideen, Visionen, frische Impulse. Dringend.