Leserbrief

Hier hat der Leser das Wort Zum Briefwechsel hinsichtlich des Nichtausbaus der Bundesautobahn A 3

Schuldzuweisungen helfen Bürgern nicht

Nachdem ausgerechnet am Tag seiner goldenen Hochzeit ein neuerlicher Leserbrief von Alfons Göpfert an die Adresse von Dr. Hans-Hermann Fahrenkrog veröffentlicht wurde, möchte ich als betroffener Dertinger Ortsbürger zur Thematik auch ein paar Gedanken zum Besten geben.

Mit großer Aufmerksamkeit verfolge ich das Hin und Her beider Herren über historische Schuldzuweisungen, welche Landes- beziehungsweise Bundesregierung in welcher Zeit was genau versäumt habe. Doch als direkter Anwohner der Aalbachstraße kann ich dieser Argumentation im Augenblick wenig abgewinnen. Noch dazu angesichts von unzähligem Ausweichverkehr der BAB 3, der pünktlich mit Beginn der Sommerferien wieder durch unseren Ort rollt.

Ich stimme Herrn Dr. Fahrenkrog zu, dass auch unter einer CDU-Landesregierung sicherlich manche Versäumnisse in Sachen Ausbau der BAB 3 zu verantworten sind. Allerdings kann ich bestätigen, dass die Dertinger Ortsbürger auch gegenüber dem CDU-Landtagsabgeordneten und Minister a.D. Wolfgang Reinhart ihren Unmut immer wieder und völlig zu Recht geäußert haben.

Doch dann kam die Landtagswahl 2011, die in Stuttgart die politischen Verhältnisse erdrutschartig veränderte. Nach nahezu 60 Jahren unter CDU-geführten Landesregierungen zog mit Winfried Kretschmann der erste grüne Ministerpräsident in die Villa Reitzenstein ein. Wer sich allerdings hinsichtlich des Autobahnausbaus der Illusion hingab, dass unter der neuen Landesregierung nun endlich paradiesische Zustände einkehren, wurde eines Besseren belehrt.

Dass Herr Dr. Fahrenkrog als Mitglied der Linken eher mit dem grün-roten Regierungsbündnis in Stuttgart sympathisiert als mit einer konservativen Landesregierung, kann ich gut nachvollziehen. Allerdings bitte ich ihn zur Kenntnis zu nehmen, dass es die gegenwärtige Landesregierung war, die am 18. Juni 2012 den Ausbau von zirka sieben Kilometern BAB 3 mit der Kategorie 111 eingestuft und damit eine Beratung über den Baubeginn vor 2017 als nicht notwendig empfunden hat.

Vielen Dertinger Ortsbürgern ist wohl kaum damit geholfen, Schuldzuweisungen über historische Versäumnisse zu verhandeln.

Ganz gezielt richtet sich der gegenwärtige Protest an die grün-rote Landesregierung, von der man im Zusammenhang mit der BAB 3 vor der nächsten Landtagswahl 2016 in Dertingen offensichtlich mit keiner Unterstützung zu rechnen hat. Oder mit den Worten, die man derzeit am Ortseingang lesen kann: "Wir sind die Letzten, Herr Kretschmann".

Eine weitere Parole, die zurzeit von Dertinger Bürgern in Auflehnung gegen die grün-roten Ankündigungen aus Stuttgart verwendet wird, lautet: "Dertingen will zu Bayern!"

Vor allem unter dem Hintergrund, dass manche der protestierenden Dertinger parteipolitisch keineswegs immer auf der Seite der konservativen Regierungen standen, stelle ich erfreut fest, dass man beim Ausbau der BAB 3 offenbar in CDU- beziehungsweise CSU-geführte Landesregierungen mehr Vertrauen hat. In Dertingen hat man schmerzlich begriffen, in wen man politisch jedenfalls keine Hoffnungen mehr setzen kann. Und sollte es 2016 hoffentlich nicht wieder irgendwo zu einer Atomkatastrophe kommen, werden in der Landespolitik voraussichtlich wieder berechenbare Mehrheitsverhältnisse einkehren.