Leserbrief

Leserbrief Zu "Weiterentwicklung der Altstadt Wertheim"

Schrägaufzug ist nicht mehrheitsfähig

Den inhaltlichen Ausführungen von Herrn Dr. Dirscherl, die sich konkret kritisch mit dem wiederbelebten Thema Schrägaufzug zur Burg beschäftigen, kann ich uneingeschränkt zustimmen.

Die Themen Denkmalschutz, Nutzungseffizienz, Beschädigung des Weichbildes der südlichen Stadtansicht von der Taubertal-Seite - all das wurde in Dutzenden von Stellungnahmen und Leserbriefen bis ins kleinste Detail diskutiert

. Im November 2008 fand dieser Prozess einen demokratischen Abschluss in einem von Pro Wertheim eingeleiteten Bürgerbegehren, bei dem 4491 Unterschriften gegen das Projekt Schrägaufzug geleistet wurden.

Der Gemeinderat verzichtete auf die Durchführung eines Bürgerentscheids und nahm den Ratsbeschluss zum Aufzugsprojekt am 1. Dezember 2008 mit 24 zu 1 Stimmen zurück.

Auch die Ergebnisse des Bürgerworkshops Anfang November 2008 brachten für ein Aufzugsprojekt im Hirschgraben nur ablehnende Ergebnisse. Es gab in keinem Arbeitskreis Zustimmung für die vom Gemeinderat beschlossene Variante - diese war und ist auch heute unzweifelhaft nicht mehrheitsfähig. Man kann diese demokratischen Prozesse von damals nicht rückgängig machen.

Den Hirschgraben - als kleines, unberührtes Paradies an der südlichen Schenkelmauer - einer Erschließung künstlich zu schaffender Terrassengärten unterhalb der Burg zu opfern, wie Landschaftsplaner Prof. Gerd Aufmkolk während der Stadtentwicklungswerkstatt am 1. Juni 2016 vorschlug, kann sicher nicht ernst gemeint sein.

Schon das Gedankenspiel, intakte, sensibel erlebbare Natur zu beschädigen, um "künstliche Welten", die niemand wirklich braucht, zu erschließen, macht Angst. Denn wie weit soll der Bogen des Verschönerungswahns noch überspannt werden?

Wie kann man das Erbe Hirschgraben so kurzlebigen Zielen opfern?