Leserbrief

Leserbrief Zum Artikel "Museumsleiter zum Dumpingpreis?" (FN, 3. Mai)

Museum zu kostbar für Sparmaßnahmen

Es war einmal eine kleine Stadt, dort angesiedelt, wo Main und Tauber sich zu einer dauerhaften Liaison verbinden. Eine Burg hatte man dort auch erbaut, sie gilt noch heute als ihr Wahrzeichen und krönt die zauberhafte Stadt zu ihren Füßen.

Diese kleine Stadt wurde über Jahrhunderte von ihren Grafen regiert, deren Herrschaft reichte weit in die Umgebung, noch heute wissen wir die Geschichte der ehemaligen Grafschaft. Ein Kloster gab es auch in nächster Nachbarschaft, aus alledem entsprang ein reiches kulturelles und politisches Leben. Wie überhaupt das Taubertal und nicht zuletzt das kleine Wertheim als ein Hotspot mittelalterlicher Geschichte bezeichnet werden könnte. Könige und Kaiser waren hier, Künstler deren Namen heute jeder kennt, man glaubt sogar daran, dass Wolfram von Eschenbach Teile seines Parzival hier geschrieben habe, denn auch er bezeichnete den Wertheimer Grafen als "seinen Herre".

Kulturelles Wissen

Um ihrer reichen Geschichte eine Heimstatt zu geben, gründete die kleine Stadt ein Museum und nannte es gleich "Grafschaftsmuseum", ein guter Name, zweifellos! Das Museum wuchs, etablierte sich, bindet die Geschichte und das kulturelle Wissen seiner Stadt, legt Zeugnis ab über das was einmal war. Es ist das lebende Geschichtsbuch unserer kleinen Stadt. Dieses Museum muss betreut, verwaltet und gestaltet werden, dies ist in der Vergangenheit sehr gut gelungen. Doch jetzt geht der Mann in absehbarer Zeit, dessen Händen das alles lange Jahre anvertraut war.

Ein Nachfolger wird gesucht und der Rat der kleinen Stadt fasst mehrheitlich einen Beschluss, dass der Nachfolger ein wenig geringer besoldet werden soll und auch mit weniger Zeit für seine Arbeit ausgestattet bleibt, zu wenig wie sehr viele meinen.

Geschichtliches Herzstück

Liebe Räte, bitte nein! Das geschichtliche Herzstück unserer Stadt ist zu kostbar für Sparmaßnahmen, zu bedeutend, zu existenziell!

Das muss bitte neu überdacht und im Gegenteil, es muss noch besser ausgestattet werden, als in der Vergangenheit! Wir sind eine Stadt, die stolz ist auf ihre Geschichte, wir haben viel zu bieten. Dieses Erbe muss gewürdigt und gepflegt werden, es macht uns aus, wir identifizieren uns damit!

Wir pflegen die Straßen, die Anlagen, schmücken die Stadt, das ist gut so. Wir wollen den Touristen unsere Stadt in bestmöglicher Form präsentieren, auch das ist gut so. Wir werben mit der reichen Geschichte unserer Stadt, sehr gut so! Dann geben wir bitte auch dem Ort, der diese Geschichte pflegt, präsentiert und aufarbeitet die Ausstattung, die dafür benötigt wird und dafür braucht es bitte ohne Wenn und Aber eine qualifizierte Leitung und Zeit für gute Arbeit. Die bekommt man nicht für Billiglöhne, nein, dafür muss man bereit sein, angemessenes Geld in die Hand zu nehmen. Liebe Räte, das ist es uns wert.