Leserbrief

Lesermeinung Antwort auf den Leserbrief "Es wäre ein Frevel, nicht zu diskutieren" (FN, 17. Juni)

Lieber auf der Seite der Bedenkenträger

Lieber geschätzter Joachim Camerer! Um unsere unterschiedlichen Positionen zum Thema "Aufstiegshilfe Burg" wissen wir seit Jahren. Mit Ihnen war es stets möglich, die Diskussion mit Wertschätzung und freundschaftlich zu führen, das werden wir auch beibehalten.

Vielleicht mag man verstehen, dass wir (Pro Wertheim) höchst sensibilisiert sind, wenn der Begriff "Schrägaufzug" en passant wieder ins Spiel gebracht wird. Die damalige Diskussion hat zutiefst polarisiert und wir wähnten sie mit dem Bürgerentscheid von 2008 eigentlich als überwunden.

Ob das von uns damals favorisierte Burg-Bähnle tatsächlich keine ausreichende Lösung ist, darüber kann man sicher trefflich diskutieren. Man könnte sich als Alternative natürlich auch darüber Gedanken machen, den Betrieb der Burgbahn weiter aufzuwerten, zumal der Ausbau der Burgzufahrt ja bereits auf den Weg gebracht ist, die holprigen Zeiten also früher oder später erledigt sein sollten. Aber das ist ja nur ein Teil der Geschichte. Rentabilität und Sinn einer Aufstiegshilfe zur Burg sind so vielfach dekliniert worden, dass ich diese Diskussion nicht in allen Details wieder aufgreifen will, es werden schwerlich neue Argumente auftauchen.

Das beginnt mit der Wirtschaftlichkeit einer Aufstiegshilfe und dem damit verbundenen Kostenrisiko für die Stadt, führt über die Frage welche Art von Tourismus man anstrebt und endet nicht zuletzt bei der Frage nach dem Schutz eines einmaligen Burgensembles, das uns hier in Wertheim anvertraut wurde. Es geht also auch und nicht zuletzt ein Stück weit um Generationenverantwortung. Dazu ist eigentlich alles längst gesagt und darüber haben die Bürger auch entschieden.

Gewiss, der Wertheimer Stadtrat ist das erste Entscheidungsgremium in einem demokratischen Prozess, aber es gibt auch eine gute Bürgerpflicht zur Mündigkeit, von der man in der Tat in wirklich wichtigen Fällen Gebrauch machen darf und sollte.

Gleichwohl haben wir als Bürgerverein nach dem Bürgerbegehren 2008 Kooperationsbereitschaft signalisiert, sind auch aktuell mit der Stadtverwaltung in Kontakt, um eine eventuelle Neudiskussion zu einer Aufstiegshilfe zu begleiten. Dass diese gegebenenfalls im Hirschgraben der Burg ihren Platz finden könnte, ist auch acht Jahre nach dem Bürgerentscheid nicht konsensfähiger geworden! Die Burg mit Leben zu füllen, aufzuwerten, haben wir zu keiner Zeit abgelehnt. Ich selbst werde im Herbst dort ein Familienfest feiern, an dem alle Generationen beteiligt sind. Dazu werden wir übrigens das Burg-Bähnle in Anspruch nehmen.

Zugegeben, wenn man tatsächlich zu dem Ergebnis kommt, dass eine Aufstiegshilfe neben dem Burg-Bähnle benötigt wird, so würden wir eine unauffällige Lösung deutlich bevorzugen. Da gehören wir lieber auf die Seite der "Bedenkenträger", die sich mit dem derzeitigen Erscheinungsbild unserer Burg deutlich wohler fühlen als mit einem nachhaltigen Eingriff in dieses Ensemble. Für ideenreiche und dann, wie wir hoffen, bescheidene Konzepte, sind wir aber ganz bestimmt offen.