Leserbrief

Leserbrief Zum Bericht „110 bunte Wiesen angelegt“ (FN, 27. August)

Leistungen der Landwirtschaft würdigen

Es freut mich, dass die Gesellschaft erkennt, dass alle etwas zur Artenvielfalt beitragen können. Bisher wurde dies nur von der Landwirtschaft gefordert. So wird medienwirksam über die Ansaat von 19,3 Hektar innerhalb drei Jahren in zwei Landkreisen berichtet. Die Landwirtschaft sät im Neckar-Odenwald-Kreis jedes Jahr auf rund 2500 Hektar Blühmischungen für Insekten an. Leider wird dies als selbstverständlich betrachtet. Die Blühfläche des Naturparks Neckartal-Odenwald ist also nicht einmal ein Prozent im Vergleich zu der der Landwirtschaft.

Naturschutzverbände und das Bundesumweltministerium melden unisono: Die Landwirtschaft vergiftet unsere Böden und unser Wasser. Die Ackerflächen werden in Baden-Württemberg seit 35 Jahren durch Schalvo überprüft und sind in Ordnung. Wo Nitrat aus dem Trinkwasser gefiltert werden muss, kann mir niemand sagen. Soweit ich weiß, in Baden-Württemberg überhaupt nicht. Stattdessen gibt es Meldungen, dass die Badeseen so sauber sind wie schon lange nicht mehr.

Mit diesen Blühflächen verzichtet die Landwirtschaft auf fünf Prozent ihres Einkommens. Trotz allem gesellschaftlichen Verlangen nach mehr Artenschutz bleibt das oberste Ziel der Landwirtschaft, die Bevölkerung mit ausreichend gesunden Nahrungsmitteln zu versorgen. Dies wurde auch in der Corona-Krise als systemrelevant erkannt. Immer mehr Auflagen in der Tierhaltung und im Pflanzenbau erhöhen die Produktionskosten. Bei gleichbleibenden Erzeugerpreisen schmälert dies das Einkommen der Landwirtschaft. Da werden noch viele kleine Betriebe aufgeben. So ist es nicht verwunderlich, wenn tausende Landwirte Ende August bei der EU-Agrarministerkonferenz in Koblenz gegen die geplanten Wettbewerbsverzerrungen für die deutsche Landwirtschaft demonstrieren.