Leserbrief

Leserbrief Zum Artikel "Flussufer mehr den Menschen widmen"

Kurzfristiger Prestigegewinn - langfristige Nachteile

Die Vorschläge der Landschaftsplaner für die Weiterentwicklung der Altstadt Wertheims enthalten sicher viele interessante Anregungen. So ist eine Aufwertung des Mainufers mit Mainspitze sehr positiv zu sehen.

Andererseits muss der Vorschlag, die Altstadtnahen Parkplätze zu reduzieren, auch kritisch betrachtet werden. Dadurch würde die Attraktivität der Altstadt gerade für Besucher aus dem Umland und für die Kundschaft der Geschäfte in der Altstadt sehr leiden. Es würde dem in vielen Städten beobachteten Aussterben der Innenstädte Vortrieb leisten.

Wo große Einkaufszentren in der Peripherie gut zu erreichen sind, nimmt man keine langen Fußwege in die historische Altstadt in Kauf. Einem kurzfristigen Vorteil durch schönere Stadtansichten ständen langfristige Nachteile für die Altstadtentwicklung gegenüber. Die Reduzierung der Breite der Durchgangsstraßen würde die morgendliche und abendliche Verkehrsbelastung eher vergrößern. Auch dies macht Wertheim nicht attraktiver.

Noch kritischer sind die erneuten Vorschläge für einen Schrägaufzug an der Burg zu sehen. Der Zugang zur Burg durch Fußweg und Burghähnchen ist nach einhelliger Meinung aller Personen in meinem Bekanntenkreis völlig ausreichend. Für gehbehinderte Besucher könnte ein Rufdienst für entsprechend ausgestattete Taxis mit Zufahrtsmöglichkeit in den Burginnenhof eingerichtet werden (falls nicht schon vorhanden).

Ein Schrägaufzug würde den Tauberseitigen Anblick der Burg erheblich beeinträchtigen. Wir sollten darauf achten, die Authentizität dieses mittelalterlichen Bauwerks zu erhalten und nicht versuchen, die Burg in eine Art Freizeitpark umzubauen.

Ganz davon abgesehen, dass mir unklar ist, wie ein Schrägaufzug mit dem Denkmalschutz vereinbar sein soll, birgt ein solches Vorhaben erhebliche finanzielle Risiken für die Stadt Wertheim. Nach dem letzten Vorschlag des Betreibers (beim ersten Versuch vor einigen Jahren) sollten wohl alle finanziellen Risiken bei der Stadt liegen. Stellt man sich nun vor, dass dieser Schrägaufzug einerseits den größten Teil der Betriebszeit nahezu leer fährt und sich andererseits bei einer größeren Besuchergruppe (zum Beispiel von einem Kreuzfahrtschiff) lange Warteschlangen bilden würden (was die Reiseleiter sicher nicht lange mitmachen), ist es nicht weit zu der Erkenntnis, dass ein solcher Schrägaufzug niemals rentabel betrieben werden kann. Einem kurzfristigen Prestigegewinn stehen erhebliche langfristige Nachteile für die Stadt Wertheim gegenüber.