Leserbrief

Leserbrief Nachlese zum Neujahrsempfang der Stadt Weikersheim

„Krieg“ beenden und die Tradition erhalten

Bürgermeister Kornberger hatte eingeladen zum Neujahrsempfang der Stadt Weikersheim um Rückschau und Ausblick des Geschehens im Stadtgebiet darzustellen. Ein guter Brauch der bei „Promimenten und der Einwohnerschaft ankommt“. So füllte sich die Aula des Gymnasiums wie jedes Jahr auch heuer wieder. Unser Bürgermeister kann sich auch als Moderator sehen und hören lassen. Kompliment, dazu flotte Musik der Posaunenbläser aus Neubronn (in Tanzmusik-Qualität) rundeten die Veranstaltung. Landrat Frank klatschte auch Beifall (wenn er in Weikersheim ist, trägt er auch Krawatte).

Trotzdem kommt Wehmut auf, zumindest bei mir. Eine Atmosphäre geht verloren. Die Aula mit den unterschiedlichen Stufenhöhen verbreitete auch die Enge, welche aber für die späteren Gespräche der Besucher in Verbindung mit der Gastlichkeit der Genüsse wichtig ist. Jedes Gebäude hat eine Ausstrahlung. Hier in der Aula des „Gymis“ die Verbindung zu Wissen und Geist – drüben an der Tauber in der Philharmonie die Musik – mal sehen wie das wird.

Eines ist sicher: Wenn die Posaunenbläser aus Neubronn so flott spielen, ruhig länger, zum Auftrakt an der Tauber wie hier in der Aula zum Abschied, herrscht Hochstimmung im Musik-Tempel!

Die Weikersheimer reden noch miteinander (Digitalisierung was ist das?). Es tat gut zu sehen wie wohltuend die Kombination mit Essen, Trinken und Reden ankam. Drei Hände hätte man gebrauchen können.

Das Spektrum der Gespräche umfasste einen weiten Spielraum. Plötzlich wurde auch über den Pferdehof Ehrmann in Schäftersheim gesprochen. Ich finde: Das Veterinäramt verfolgt den Roland Ehrmann nach wie vor in einer Art und Weise, die mit Demokratie nichts mehr zu tun hat – was ich auch schon mit einem Leserbrief angeprangert hatte.

Fakt ist: Im Jahr 1950 wurde beschlossen, die „Weikersheimer Kärwe“ nur noch mit Pferden zu bestreiten. Herr Otto Ehrmann, Besitzer des Pferdehofes, wurde als Fachmann beauftragt jeweils die nötigen Pferde zu beschaffen. So konnte ich 1964 zum ersten Mal (Umzug nach Weikersheim) diesen prachtvollen Zug selbst erleben. Vorneweg die Ehrenkutschen, gelenkt von Otto Ehrmann und Co. in feinem Zwirn und Cut. So ging es von 1950 bis 2017 – 67 Jahre! Am 14. Februar 17 verstarb Otto Ehrmann, seitdem begann der Leidensweg von Roland Ehrmann, dem legitimen Nachfolger.

Ich appelliere nun an die Verantwortlichen, den „Krieg“ zu beenden damit die Tradition erhalten bleibt. Auch zum Gedenken an Otto Ehrmann (er hat Stalingrad überlebt, wurde aber erst 1949 aus der Gefangenschaft entlassen). Machen Sie ein „Deal“ (politisch „in“) damit Roland Ehrmann zur 599. Kärwe wieder seine Kutschen vorneweg selbst lenkt!