Leserbrief

Leserbrief Zur Unterbringung von Asylbewerbern auf dem Reinhardshof

Klare Signale schaffen Vertrauen

Anscheinend gönnt sich das Land Nachsicht mit dem Stadtteil Reinhardshof. Jedenfalls lese ich die Aussage der Ministerin Bilkay anlässlich ihres Besuches vom Januar so. Die Obergrenze soll bei maximal 1000 Flüchtlingen liegen.

Aber existiert bei Landkreis und Stadt auch die Nachsicht? Im Rahmen der Veranstaltung zur Klärung der Sicherheitslage am Reinhardshof lese ich, dass die Erstaufnahme jetzt eine Kapazität für 1200 Menschen hat.

Also keine 1000? Ich höre, das Landratsamt kaufte ein Gebäude am Reinhardshof.

Was läuft da? Ich bin misstrauisch, wenn es um unsere örtlichen Beamten und Politiker und unsere Belange als Anwohner vom Reinhardshof geht.

Mein Belang wäre es, wenn am Reinhardshof weniger in Angst lebt. Ich habe mir 2015 erlaubt, eine AfD- Veranstaltung bei uns zu besuchen. Also, ich würde keine AfD wählen. Aber ich habe dort auch Ängste der Bürger erfahren. Und es waren nicht nur Ängste von Russlanddeutschen.

Angst ist nicht rational. Sie ist da. Ob ich will oder nicht. Wenn ich von heute auf morgen eine Minderheit im eigenen Stadtteil werde, entsteht eine Unsicherheit in mir.

Wenn dann noch mein Job bedroht ist, meine Mutter gestorben oder mir anderes Malheur heute oder gestern passiert (ist), kann aus dem unsicheren Gefühl Angst entstehen. Und daraus dann Hass, Hetze und andere ungute Gefühle.

Eine Aktion für gleiche Rechte kann dann zwar ein Zeichen setzen. Aber sie nimmt die Angst nicht weg. Vertrauen aber hilft gegen Angst. Das Problem ist nur, dass wenig Vertrauen da ist, wenn dann noch quasi bezugsfertige Bauten wie Krankenhaus und Jugendherberge nie für Asylbewerber als Alternative vorgeschlagen werden. Dafür gibt das bisherige Krankenhaus Filetlagen her, die nicht sozial vermarktet werden können. Wenn die günstigste Sanierungslösung der Wertheimer Schulen sechs Millionen kostet und die Schule am Reinhardshof offen bleibt, dann aber die Wertheimer Fraktionen eine alternative Lösung für 28(!) Millionen Euro vorschlagen, die gleichzeitig das Ende der Schule am Reinhardshof bedeutet - Ja, kann dann Vertrauen am Reinhardshof wachsen?

Klare und positive Signale können Vertrauen schaffen. In Wertheim und europaweit. Auf die Wähler der AfD zu schimpfen, schafft kein Vertrauen. Liebe etablierte Parteien, überlegt doch bitte einfach, mit welchen Maßnahmen ihr unser (Reinhardshofener) Vertrauen stärken könnt. In der Hoffnung auf Taten statt Worte.