Leserbrief

Leserbrief Zum Artikel "Schnellers Internet ab Ostern" (FN 3. Februar)

Kennt die Stadt nicht alle ihre Ortschaften?

Man könnte neidisch werden. Wie aus dem Bericht der Fränkischen Nachrichten zu entnehmen ist, wird das DSL-Netz in den meisten Ortschaften durch die Telekom ausgebaut. Eine wahrscheinlich anbieterneutrale Ausschreibung nach EU-Recht ist wohl auf die Telekom gefallen.

Doch warum wurde nicht für ein gemeinschaftliches starkes Netz für alle Ortschaften ausgeschrieben? Kennt die Stadt Wertheim nicht alle ihre Ortschaften? Ist der Fortschritt nur für Privilegierte? Oder ist es Taktik, die Dörfer an der langen Hand verhungern zu lassen?

Für ein modernes, zeitgerechtes Leben auf allen Dörfern gehört eine schnelle Internetverbindung genauso zum Leben wie ein Telefon oder ein Auto. Das Internet betrifft immer mehr unser aller Leben, vor allem uns junge Menschen. Mittlerweile kann man sein Abitur, oder Weiterbildungen durch Fernstudien absolvieren, mit Home-Office arbeiten und vieles online anbieten oder kaufen.

Auch die Schule arbeitet immer mehr mit dem Internet und setzt dieses als selbstverständlich voraus. Banken werden geschlossen, mit der Empfehlung zum Home-Banking zu wechseln, das Finanzamt möchte die Steuererklärungen am liebsten online usw.

Deshalb ist eine gute Internetverbindung, auch für uns auf dem Dorf überaus wichtig. Besonders für junge Menschen und Familien ist dies ein wichtiger Entscheidungsgrund auf dem Land zu bleiben oder sich dort anzusiedeln.

Die Infrastruktur für uns junge Menschen ist auf dem Land eh nicht so prickelnd, wie am Beispiel meines Dorfes zu sehen ist: Höhefeld ist ein kleiner Ort, der "auch noch zu Wertheim" gehört.

Die Internetverbindung ist sehr schlecht, Referate und gemeinsame Hausaufgaben mit Mitschülern gestalten sich schwierig. Ist man auf einer Uni und will etwas wegschicken oder herunterladen, muss man zur Uni fahren oder sich am besten gleich dort in der Nähe ein Zimmer suchen.

Soll man da nach dem Studium wieder aufs Land? Obwohl die Wohnungen in Stadtnähe zwar teurer, aber die Infrastruktur besser ist: Gute Internet-Leistungen für einen Heimarbeitsplatz, gute und günstige Verbindungen im öffentlichen Verkehr, Schulauswahl, Berufschancen, usw. Aalso warum zurück auf's Land?

Es ist nicht von der Hand zu weisen, immer mehr junge Menschen ziehen aus dem Dorf in die Großstadt. Dadurch verliert ein Dorf nicht nur an Einwohnerzahl, sondern auch an vielen ehrenamtlichen Helfern, und dadurch werden die Vereine auch immer kleiner, bis hin zum Aussterben.

Die Verbindung zur Außenwelt als Jugendlicher unter 18 Jahren gestaltet sich schwierig. Busverbindungen nach Wertheim gibt es, aber wenig. Muss ich länger in der Schule bleiben oder will ich etwas unternehmen, bin ich auf den Fahrdienst meiner Eltern oder Großeltern angewiesen.

Hat man gerade eine Ausbildungsstelle gefunden, ergibt sich schon die große Frage, wie komme ich auf meine Arbeitsstelle und die noch größere, wie komme ich rechtzeitig in die Berufsschule nach Bad Mergentheim?

Der erste Bus, der in Höhefeld startet und nach Wertheim fährt, kommt um 7.30 Uhr, bis man in Wertheim ist, ist es bereits kurz vor 8 Uhr. Der nächste Zug fährt dann um 8.35 Uhr von Wertheim nach Bad Mergentheim. Die Berufsschule dort beginnt aber schon um 7.50 Uhr. Wie also ist es für uns möglich dorthin zu kommen?

Es sind die Eltern, die uns da unterstützen. Sind diese aber berufstätig, wird es schwierig, rechtzeitig morgens nach Gamburg oder Bronnbach zu kommen, um den Zug zu erwischen.

Entweder suchen wir uns irgendwelche Leute, die uns mitnehmen können, oder wir müssen frühzeitig den Führerschein machen, was natürlich sehr kostspielig ist, zumal manche Auszubildende bei Beginn erst 16 Jahre sind.

Will das Wertheim?