Leserbrief

Hier hat der Leser das Wort Zur Vortragsveranstaltung "Umgang mit dem Fremden"

Im Moment stellen sich ganz praktische Fragen

Staunen nur kann ich", heißt es in der Deutschen Messe von Franz Schubert. Staunen nur kann ich, wie die Bundeskanzlerin trotz aller berechtigten Bedenken an den Grundzügen ihrer Flüchtlingspolitik festhält. Staunen nur kann ich auch, wie diese Politik des "Wir schaffen das" offensichtlich auch in Wertheim verfolgt wird.

In der Mittwochsausgabe dieser Zeitung wird von einer Informationsveranstaltung zum Thema "Wie geht man mit fremden Kulturen um" berichtet. Nach Zeitungsangaben habe man wohl mit mehr Zuhörern gerechnet.

Zugegeben hat sich mir der Sinn und Zweck dieser Veranstaltung auch nach der Berichterstattung nicht ganz erschlossen. Die geringe Teilnehmerzahl hat möglicherweise aber auch etwas damit zu tun, dass die Wertheimer Bevölkerung gar keine wissenschaftliche Nachhilfestunde benötigt, wie man Fremden begegnet.

Ich habe so viel Vertrauen zum Großteil der Wertheimer Mitbürger, dass sie im Laufe ihrer Erziehung gelernt haben, wie man einem Neuankömmling ordentlich begegnet. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass es den Bürgern in Wertheim und den Ortschaften im Augenblick nicht um die Bereicherung durch fremde Kulturen oder die kulturellen Unterschiede nach 25 Jahren Einheit in Deutschland geht. Wenn ich von mir ausgehe, sind es die ganz praktischen Fragen, die sich im Augenblick angesichts der Flüchtlingssituation in Wertheim und in ganz Deutschland stellen.

Die Bildung von Parallelgesellschaften auch in Wertheim wurde im Zeitungsbericht angesprochen. Auch die nicht unerhebliche Frage, wie man sich die Finanzierung der Flüchtlingsunterbringung heuer und in den Folgejahren vorstellt, kommt bei mir auf.

Woher sollen Bund, Land und Kommunen diese Summen nehmen, wenn nicht andere Projekte dafür ausgesetzt oder Steuern erhöht werden?

Wie geht man mit Flüchtlingen um, die keine Aussicht auf Anerkennung haben, die sich gar nicht integrieren wollen oder mit jenen, die in Unterkünften randalieren, weil sie offensichtlich nicht gelernt haben, wie man sich als Gast verhält? Wertheim ist in diesem Zusammenhang noch nicht negativ aufgefallen, aber bis zum 20. September waren auch Brandanschläge weit weg von hier. Diese oder ähnliche Fragen sollte man stellen dürfen, ohne gleich "Dunkeldeutschland" oder "Pack" zugerechnet zu werden.

Anstatt sich medienwirksam im Fernsehen über Stammtische und Friseursalons zu erheben, würde ich mir vom Oberbürgermeister klare Ansagen wünschen, dass die Kapazitätsgrenzen sowohl räumlich, als auch beim ehrenamtlichen Engagement erreicht sind. Wenn die Bürger spüren, dass man ihre Anliegen ernst nimmt, braucht man ihre Ängste, ihr Unbehagen und ihr vielleicht unberechenbares Wahlverhalten nicht zu fürchten.

"Staunen nur kann ich, und staunend mich freu'n", heißt es bei Schubert. Ich hoffe, dass sich meine gegenwärtigen Bedenken an deutscher Politik bald wieder in Freude umwandeln lassen.