Leserbrief

Leserbrief Zu den Leserbriefen der Ortsvorsteher von Waldstetten und Altheim zu den geplanten Windkraftanlagen „Altheimer Höhe III“

Gegen jede Logik und jeden Verstand

Den vom Waldstettener Ortsvorsteher Andreas Schäfer in den Raum gestellten Satz „High-Tech nur da, wo es Sinn macht“ kann man eigentlich nur zustimmen, auch wenn es vielleicht nicht optimal ausgedrückt wurde. Während man in Norddeutschland mit Windenergieanlagen auf einen Wirkungsgrad von bis zu 60 Prozent kommt, schaffen es die Anlagen im windarmen Süddeutschland selten über 20 Prozent. Das heißt, die überwiegende Zeit stehen sie still oder bringen nur geringen Ertrag.

Ein 250 Meter hohes Ungetüm mit vier Megawatt Nennleistung bringt es bei uns somit im Schnitt nur noch auf den Wert eines Sportwagenmotors! Für solch eine marginale Energieausbeute noch Waldflächen zu opfern – und dann noch dreist von grünem Strom zu sprechen – entzieht sich mir jeder Logik und jeden Verstandes und ist mit dem derzeitigen Zeitgeist Waldflächen zu schützen, nicht vereinbar. Zudem nehmen bei jedem weiteren Windkraftausbau Stromschwankungen zu, die nicht mehr aufgefangen werden können, denn gebrauchsfähige Speicher zum Puffern sind selbst in weiter Zukunft wegen ihrer riesigen Dimensionen nicht in Sicht.

Wie abhängig wir uns von Windenergie machen lassen, zeigt ein Beispiel vom 8. August 2020. An diesem Abend wurden deutschlandweit von allen mittlerweile 30 000 Windkraftanlagen an Land und auf See nur 153 Megawatt Leistung eingespeist. Das sind nur 0,25 Prozent ihrer möglichen Leistung, die bestenfalls ausreicht, um notdürftig einen Stadtteil mit Strom zu versorgen. Da hilft es auch nicht, die Anzahl der Anlagen zu vervierfachen, wie es derzeit von verschiedenen Stellen gefordert wird. Kein Wind – kein Strom. Auch die Meinung „irgendwo weht immer ein Wind“ ist somit auch entkräftet. Solche Fälle gibt es mehrere im Jahr, nur werden sie leider kaum öffentlich publiziert.

Trotz dessen wurde fast unbemerkt im Sommer ein Investitionsbeschleunigungsgesetz auf den Weg gebracht, um große Bauvorhaben durch Umgehung geltender Gesetze schneller genehmigen zu können. Dem nicht genug ist ein weiteres Gesetz in Vorbereitung: So soll die Nutzung erneuerbarer Energien der „öffentlichen Sicherheit“ dienen. Durch diesen Zusatz „öffentliche Sicherheit“ kann eine Grundlage weitreichender staatlicher Eingriffe, bis hin zur Enteignung, geschaffen werden.

So würde sich der Schutz von Mensch, Natur und streng geschützter Tierarten, für die sich die BGN seit mehr als sechs Jahren einsetzt, mit einem Schlag aushebeln lassen. Drohende Gesundheitsgefahren und die Verschlechterung unserer Lebensqualität würden noch deutlich weniger Berücksichtigung finden als bisher!

Alleine das Vorhaben ein solches Gesetz einzuführen, beweist deutlich, dass der weitere Windkraftausbau nahe Wohnbebauungen völlig zu Recht von mittlerweile über 1000 Bürgerinitiativen in Deutschland gebremst wurde. Nun wird das wohl letzte Register zulasten unserer Bürger im ländlichen Raum gezogen. Wir alle dürfen es nicht zulassen, dass immer mehr Grund- und Schutzrechte zugunsten weniger Profiteure geopfert werden!

Die Aussage des Altheimer Ortsvorstehers Hubert Mühling „was wir in Altheim machen ist unsere Sache“ finden wir etwas befremdlich, werden die Monster doch direkt an der Waldstetter Grenze stehen und dort auf Grund der Topographie noch erdrückender wirken als in Altheim.

In diesem Zusammenhang möchten wir noch an die Worte des Projektieres Herrn Uwe Steiff erinnern, der im Artikel der FN vom 13. März 2020 wie folgt zitiert wurde: „Wir werden nichts gegen Widerstände durchdrücken. Das Projekt wird nur verwirklicht, wenn alle, die davon betroffen sind, es akzeptieren können!“

Wir werden ja sehen, inwieweit solche Aussagen für bare Münze genommen werden können.