Leserbrief

Leserbrief Zu "Reichtum und Moral der katholischen Kirche hinterfragt" (FN 28. Januar 2017)

"Fehlverhalten" nur ein Teilaspekt

Es ist sehr erfreulich, wenn Jugendliche sich mit dem Thema "Christentum und Kultur" auseinandersetzten und zum Beispiel sozialkritische Untersuchungen zum Umgang der katholischen Kirche mit ihrem Reichtum und ihrer moralischen Autorität durchführen. So haben sich zwei Schülerinnen und Schüler des Matthias-Grünewald-Gymnasiums bei einem Wettbewerb, den die katholische und evangelische Kirchen in Baden-Württemberg ausgelobt hatten, einen respektablen Preis erworben, wie aus dem Bericht "Reichtum und Moral der katholischen Kirche . . ." vom hervorgeht.

Nach dem Lesen des Artikels bleibt ein negatives Gesamtbild über die katholische Kirche und die Frage, ob man gründlich recherchiert hat, zurück. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die beiden bei ihrer sozialkritischen Untersuchung "Kirche der Armen? Über Reichtum und die Moral der katholischen Kirche" nicht so kurzsichtig vorgegangen sind und alles Positive in der katholischen Kirche ausgeblendet haben, wie es den Anschein hat. Man hätte die beiden sonst sicher nicht mit einem so bedeutenden Preis ausgezeichnet. Wahrscheinlich ist dem Verfasser des oben genannten Artikels der Fehler unterlaufen, die Ergebnisse der Arbeit nicht vollständig wiederzugeben.

Beschäftigt hat mich neben den Ausführungen vor allem die Erklärung zur selbst gefertigten Skulptur "System der Nächstenliebe", mit der Deutung "dass, das gespendete Geld durch die Hände des Bedürftigen fällt und in den Tresoren der Kirche landet". Im Bericht etwas abgeschwächt wurde dieses Fehlverhalten der katholischen Kirche mit der anschließenden Feststellung: "Wir haben gemerkt, dass Kirche doch einiges im wohltätigen Bereich macht".

Befasst man sich mit "Reichtum und Moral der Kirche" , so hätte einem die heilige Lioba einfallen können, die in Tauberbischofsheim uneigennützig eine Schule für Mädchen gegründet und in klösterlicher Armut gelebt hat, oder der heilige Franz von Assisi ein, der gegen die Verschwendung der Kirche vor den Papst gezogen ist, oder Bischof Helder Camara, oder Schwester Teresa, oder die Missionare in Afrika, Amerika und Asien, die mit den Ärmsten lebten oder vielleicht sogar der jetzige Papst Franziskus. Bei der Laudatio erklärte die Vertreterin des Ordinariats vom Erzbistum Freiburg, laut Zeitungsbericht, dass es bei der Auslobung der Preise galt, die "Christliche Prägung unserer Kultur aufzuzeigen ...." .

Wenn das hier nun herausgefundene "Fehlverhalten" tatsächlich das Wesen der katholischen Kirche ist, dann sollte man sich von ihr schnellstens verabschieden. Immerhin ist zu vermerken, dass die zwei Preisträger aus ihrem Wettbewerbsbeitrag aber nicht die Konsequenz gezogen und sich von der Kirche abgemeldet haben.

Im Gegenteil, sie engagieren sich weiterhin kirchlich im Bereich Sternsinger beziehungsweise jugendlicher Flüchtlinge.