Leserbrief

Leserbrief Zum Bericht "Lärm durch Maßnahmen eindämmen" (FN 28. September)

Fehlende Substanz und etwas Komik

Die Aufstellung eines Lärmaktionsplanes für Lauda-Königshofen, übrigens eine gesetzliche Pflichtaufgabe der Stadt, war lange überfällig.

Deshalb muss man die in der letzten Gemeinderatssitzung vorgestellten Zwischenergebnisse tatsächlich als Fortschritt betrachten.

Für Königshofen wurde vorgeschlagen, im Bereich der nördlichen Ortseinfahrt ein Tempolimit von 30 Stundenkilometer festzusetzen.

Im südlichen Bereich ist laut des beauftragten Ingenieurbüros dagegen eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Stundenkilometer nicht möglich, da sonst der Flüsterasphalt nicht wirksam würde.

Zusätzlich wird eine Lichtzeichenanlage an der Ausfahrt der Gewerbestraße, also bei der Firma Wegert, vorgeschlagen.

Für alle zukünftigen von Lärm betroffenen Baugebieten wird angeregt, die Lage der Wohnräume auf der lärmabgewandten Seite und den Einbau von Schallschutzfenster verpflichtend vorzuschreiben.

Etwas mehr Substanz hätte ich mir dann doch erwartet. Für mich ist unverständlich, warum nur für die nördliche Ortseinfahrt eine Umgestaltung in Frage kommt, für die südliche aber nicht.

Ebenso erschließt sich mir nicht, weshalb eine - verkehrstechnisch durchaus sinnvolle - Ampel an der Ausfahrt der Gewerbestraße dort den Lärm mindern sollte. Meist verursachen anhaltende und anfahrende Fahrzeuge mehr Geräusche als jene, die mit geringerer Geschwindigkeit durchfahrende. Wie soll diese Ampel zum Lärmschutz beitragen?

Da "Flüsterasphalt" den meisten Studien zufolge erst ab 60 Stundenkilometer eine relevante, lärmlindernde Wirkung entfaltet, spielt der Fahrbahnbelag bei einer Begrenzung von 50 auf 30 Stundenkilometer eigentlich keine große Rolle. Grundsätzlich verursachen geringere Geschwindigkeiten bei fliesendem Verkehr automatisch weniger Lärm als hohe.

Ich setzte voraus, dass bekannt ist, dass unter 50 Stundenkilometer das Motoren- und nicht das Abrollgeräusch dominiert.

Weshalb also nur eine Geschwindigkeitsbegrenzung an der nördlichen Ortseinfahrt? Und wo soll diese enden? Etwa an der Einmündung zur Bundesstraße 292, weil hier der Flüsterasphalt beginnt? Weil ab dort dieser Belag, gerade erst aufgebracht, dann keine lärmmindernde Wirkung mehr erzielen würde?

Für mich klingt das nicht logisch, sondern seltsam. Gar nicht zu reden davon, dass bisher immer alle "Experten" eine Geschwindigkeitsreduzierung aus "rechtlichen Gründen" abgelehnt hatten. Sollte sich hier die Rechtslage über Nacht geändert haben, wäre dies ja zu begrüßen.

Dem anderen Vorschlag, bei neuen Bebauungsplänen die Lage der Wohn- oder Schlafräume vorzuschreiben, kann ich ein gutes Maß an unfreiwilliger Komik nicht absprechen.

Kein Hauptstraßenbewohner hat freiwillig sein Wohn- oder gar Schlafzimmer an der Straßenseite! Und Lärmschutzfenster, meist bereits die zweite Generation und in diesem Fall selbstbezahlt, haben wahrscheinlich die meisten Bewohner auch ohne amtliche Denkhilfe bereits eingebaut.

Da man nun selektiv Zahlen und Geschwindigkeiten im Zusammenhang mit dem Lärmaktionsplan nennt, wäre es auch schön gewesen, hätte man in diesem Zusammenhang einmal alle Zahlen öffentlich gemacht.

Die immer wieder inoffiziell genannten "nur" 14 000 Fahrzeuge täglich für Königshofen erscheinen nicht nur mir als Bundesstraßenbewohner doch recht gering. Dies vor allem, nachdem ich jetzt amtlich weiß, dass bereits in der Ortdurchfahrt Gerlachsheim täglich weit über 4000 Fahrzeuge gemessen werden.

Unverständlich bleibt für mich auch, warum die Zwischenergebnisse zum Lärmschutz nicht mit dem noch im April hoch aktuellen Thema Stadtentwicklung Königshofen verbunden wurde.

Hat die zum Beispiel in Verbindung mit dem Thema Stadtentwicklung angesprochene Überquerungshilfe/Fußgängerampel im Bereich Aldi-Markt weniger mit einem Lärmschutzkonzept zu tun, als die vorgeschlagene Ampel an der Ausfahrt Gewerbestraße?

Aber gut: Wir freuen uns jedenfalls auf die in der Gemeinderatssitzung versprochene intensive Bürgerbeteiligung. An Vorschlägen hat es ja in der Vergangenheit nicht gemangelt.

Wir freuen uns an den bisher aufgebrachten 600 Metern Flüsterasphalt im südlichen Ortsbereich Königshofen.

Als täglich vom Verkehrslärm betroffener Bürger sollte man einfach nicht alles kritisch hinterfragen!