Leserbrief

Hier hat der Leser das Wort Zu "Verschiedene Rochaden sind denkbar" (FN 30. Januar)

Es geht um gesamten Wertheimer Osten

Es ist grundsätzlich begrüßenswert, dass sich die Stadt Wertheim der Aufgabe stellt, offenkundigen Sanierungsbedarf an ihren Schulgebäuden zu begegnen, und dabei auch Lösungen bedenkt, die für die städtische Schullandschaft in den nächsten Jahrzehnten wegweisend sein werden. Als Vertreter der Eltern der Werkrealschule Urphar/Lindelbach sehe ich die en passant mitgelieferte Information, dass diese Schule preisgegeben werden und in den nächsten Jahren auslaufen soll, mit großen Bedenken.

Unbestreitbar ist die Schülerzahl an der Werkrealschule Urphar-Lindelbach in den zurückliegenden Jahren rückläufig gewesen. Verständlich ist diese Entwicklung jedoch keineswegs, da diese Schule mit ihrem einmaligen Schulstandort im Grünen noch immer zu den Highligts der Wertheimer Schullandschaft zählt.

Wir Eltern schätzen die Atmosphäre einer kleinen und überschaubaren sowie recht gut ausgestatteten Schule für unsere Kinder, wir erleben ein engagiertes Lehrerkollegium und pflegen eine gute Schulgemeinschaft. Wir wissen auch, dass aufgrund der optimalen Förderung unserer Kinder, die in der Grundschule nicht zu den stärksten zählten, am Ende der Zeit an "UrLi" viele Möglichkeiten offen stehen, sei es in betrieblichen Ausbildungen oder anschließenden Bildungsgängen bis zum Abitur.

Sollte die Stadt Wertheim es tatsächlich hinnehmen, dass diese Schule in den kommenden Jahren ausläuft, würde die Schullandschaft der Stadt deutlich ärmer. Vor allem würde sie an Vielfalt verlieren, da die Gemeinschaftsschule mit ihrem Bildungsprogramm nicht alle Eltern zu überzeugen vermag.

Zurecht kann - ganz ohne Polemik - kontrovers diskutiert werden, ob diese neue Schulform ein großer Wurf ist und eine Verbesserung darstellt. Wissenschaftliche Studien, die das nahe legen, gibt es jedenfalls nicht. Die Realschule, die nun auch zum Hauptschulabschluss führen kann, ist eine Schule ganz anderer Prägung und aufgrund ihrer Größe von einem völlig anderen Charakter als die überschaubare Werkrealschule Urphar-Lindelbach.

Zudem ist zu befürchten, dass die zu entwickelnden pädagogischen Konzepte, die der Oberbürgermeister angesprochen hat, bei den Planungen allenfalls eine sekundäre Rolle spielen.

Auch in Wertheim scheinen bildungspolitische Überzeugungen hinter strukturpolitischen Erwägungen hintanstehen zu müssen. Dabei ist nicht nur die Werkrealschule Urphar-Lindelbach der Verlierer, sondern der gesamte Wertheimer Osten. Bei den Schul-Planspielen der Stadt stehen ganz offensichtlich die Kernstadt, Wartberg/Reinhardshof (und Bestenheid) im Mittelpunkt. Dies sollte parteiübergreifend die Ortsvorsteher und Gemeinderäte aus Bettingen, Dertingen, Dietenhan, Kembach, Lindelbach und Urphar aufschrecken.

Nachdem sich bereits immer mehr Bürger über sehr beschränkte Möglichkeiten zur Nahversorgung beklagen, würden nun für alle Schüler womöglich weite Schulwege ans andere Ende der Stadt zur Debatte stehen.

Sollte mit den angedachten Veränderungen der Schullandschaft auch ein Ausbau des verpflichtenden Ganztagesangebots verbunden sein, würden auch etwa die örtlichen Vereine wegen der späten Heimkehr der Schülerinnen und Schüler immer größere Probleme in ihrer Arbeit bekommen.

Es geht dabei auch um die Lebensqualität im Wertheimer Osten! Deswegen sollte der Erhalt des Schulstandorts zwischen Urphar und Lindelbach eigentlich ganz oben auf der Agenda stehen.

Übrigens: Noch kann man seine Kinder in Urphar/Lindelbach anmelden. Die meisten von uns Eltern haben das einmal aus Überzeugung getan und sind der Meinung, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.