Leserbrief

Leserbrief Zu infrastrukturellen Entscheidungen im südlichen und mittleren Main-Tauber-Kreis sowie zu gesellschaftspolitischen Verhältnissen

Entscheidungen sollten Menschen treffen, die Ahnung von einer Sache haben

Was läuft falsch in Deutschland? Am Ersten Weihnachtsfeiertag war ich mit dem Auto von Unterschüpf nach Igersheim unterwegs, um etwas zu erledigen. Bis Bad Mergentheim kein Problem. In Bad Mergentheim war die erste Ampel rot. Warten auf grün, drei Autos, die stehen. Mit laufendem Motor natürlich. An der nächsten Ampel das gleiche Spiel, nur waren es hier sieben Autos, die mit ihrem laufenden Motor auf die Weiterfahrt warteten. Wäre da keine Ampel oder diese inaktiv, hätte jeder problemlos weiter fahren können. Die Ampeln werden auch über Induktionsschleifen und Rechner gesteuert. Ich vermute mal wahrscheinlich keine Superrechner, aber mit ziemlicher Sicherheit scheinbar intelligenter als unsere Verkehrsplaner.

Bitte nicht falsch verstehen, Ampeln sind gut und nötig für die Verkehrssicherheit, wenn der Verkehr dicht ist und eine Grün- und Rotphase den Verkehrsfluss sicherer machen. Aber bei dem wenigen Verkehr an Feier- und Sonntagen oder zu Zeiten mit wenig Verkehr tagsüber oder nachts sind sie nur ein Mittel um den Verkehr zu behindern und die „unnötig wartenden Fahrzeuge mit laufenden Motoren“ verpesten unnötig die Luft.

Meine Damen und Herren in den Rathäusern, eine Stadt wird nicht dadurch attraktiver, wenn möglichst viele Ampeln in Betrieb sind.

Noch ein Beispiel: die neugestaltete Kreuzung in der Badstraße in Lauda-Königshofen. Ich fahre sehr oft mit dem Fahrrad über diese Kreuzung, hatte noch nie Probleme, genau wie die vielen anderen Radfahrer, die wie ich die Straße ohne Nutzung der vorgeschlagenen Vorgehensweise überqueren. Und dann ein Stückchen weiter die Abzweigung zum Radweg, so schön mit querverlaufendem Randstein. Zum Glück gibt es inzwischen viele Fahrräder mit Federung.

Was man mir zum Beispiel auch mal erklären müsste, ist die Antwort auf die Frage: Warum muss eine Wasserleitung unter einen asphaltierten Radweg verlegt werden? Also Radweg sperren, die Radfahrer „geistreich“ umleiten, astreine Asphaltdecke aufreißen, Wasserleitung rein, zuschütten, neu asphaltieren, wenn neben dem Radweg eine Wiese beziehungsweise Böschung oder Acker ohne Asphaltdecke ist? Ich bin davon überzeugt, wenn man den Eigentümern der Wiese oder Böschung nur einen Bruchteil der jetzt fälligen Kosten zugestanden hätte, wäre bestimmt eine preiswertere und vernünftigere Lösung möglich gewesen, oder?

Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass das größte Problem in Deutschland die Tatsache ist, dass die Menschen, welche Ahnung von einer Sache haben, nichts zu entscheiden haben und jene, welche die Entscheidungen treffen, leider keine Ahnung haben. Ein altes Sprichwort sagt: Viele Köche verderben den Brei. Wie viele Politiker haben wir noch mal? Viele Probleme lassen sich ganz einfach lösen, wenn man es denn wollte. Beispiel Rente. Lösung: jeder, der in Deutschland sein Geld verdient, zahlt gemäß seinem Einkommen in die Rentenkasse ein. Egal ob Pförtner, Beamter oder Topmanager. Wenn jemand ein Spitzengehalt bekommt, halt auch etwas mehr, als zum Beispiel die Putzfrau, welche vielleicht gerade mal den „üppigen“ Mindestlohn bekommt. Dann wird die Rente so angehoben, dass auch eine Frau, welche Kinder zur Welt gebracht und daher nicht voll berufstätig sein konnte, ohne Sammeln von Pfandflaschen über die Runde kommt. Nach oben wird die Rente gedeckelt, denn wem die Rente dann nicht reicht, verdient wahrscheinlich so viel, dass er selbst noch was für sein Alter anlegen kann.

Es ist nicht so, dass ich nur meckern will, wir leben in einem tollen Land und haben viele Möglichkeiten und Freiheiten. Aber wenn ich sehe, was hier so alles schief läuft, Flugplatz in Berlin, Elbphilharmonie, Stuttgart 21 um nur einige zu nennen, und wie andere Länder es schaffen, ähnliche Vorhaben planmäßig zu vollenden, Beispiel Gotthard Basistunnel, jede Menge Probleme und Hindernisse, trotzdem im Zeit- und Kostenrahmen geblieben, toll! Sind andere so viel besser, als wir, oder tragen bei uns nur die falschen Leute die Verantwortung. Wobei, Verantwortung tragen ja hier nur die unteren Einkommensgruppen, die aus ihrem Laden rausfliegen, wenn sie Mist machen. Ab einer gewissen Besoldungsstufe kann man scheinbar Fehler machen, und als Bestrafung bekommt man was? Genau. Eine dicke Prämie, eine üppige Abfindung oder Bonus und einen neuen Job, von dem man noch weniger Ahnung hat. Gut, fair ist das nicht, aber üblich. Vielleicht sollte man mal versuchen, solche Probleme zu lösen, statt sich darüber Gedanken zu machen, ob Begriffe wie „ Zigeunerschnitzel“, „Rasse“, „Neger“ und so weiter noch zeitgemäß sind. So, jetzt kann jeder selber mal anfangen, nachzudenken. Wegen Corona hat man ja jetzt Zeit dafür; zumindest viele, die keine Existenzsorgen haben.