Leserbrief

Leserbrief Zu "Detailplanung ist Sache der Kommunen" (FN 14. Oktober)

Ein Abwägungsprozess fand nicht statt

Wer am Montag als Bürger der öffentlichen Gemeinderatssitzung der VG Boxberg/Ahorn in Boxberg beiwohnte und auf objektive, das heißt auch einmal kritische und möglicherweise gegen überzogene Windkraft-Projekte gerichtete Informationen zum Stand der Beratungen zur Fortschreibung des kommunalen Flächennutzungsplans, Teilfortschreibung Windkraft betreffend, hoffte, wurde einmal mehr - wie oft in der Vergangenheit, als es um "Windkraft" und damit einhergehend um die Zukunftsfähigkeit der involvierten Kommunen ging - bitter enttäuscht: Beide Bürgermeister spielten sich bei der Gesprächsführung "geschickt die Bälle zu". Kritische, die Haltung der BI "Keine Windkraft im Boxberger Wald" unterstützende Fragen Auswärtiger wurden - mit dem Hinweis, dass nur Einheimische Rederecht hätten - wenig souverän rigoros abgebügelt und unter Entzug des Fragerechts im weiteren Verlauf erst gar nicht mehr zugelassen.

Selbst ein Statement der in Boxberg ansässigen BI sah die Tagesordnung nicht vor. Die eisern durchgezogene Tagesordnung war so gewählt, dass nach den Positionen der beiden "ohne Wenn und Aber" schon seit langem "pro-Windkraft" eingestellten Bürgermeister sich die ebenfalls völlig einseitigen Darstellungen der von den Kommunen bzw. von Zeag beauftragten und daher in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis befindlichen Büros Klärle (Weikersheim) und Beck (Darmstadt) anschlossen, die - aus ihrer Sicht nachvollziehbar - bei ihren Ausführungen erkennbar nach dem Motto agierten: "Wes Brot ich ess', des Lied ich sing".

Zumindest theoretisch nicht auszuschließen ist es, dass die durch das Auftragsverhältnis gegebene Abhängigkeit möglicherweise dazu geführt haben könnte, dass der Blick beider beauftragten Gutachter-Büros hinsichtlich ihrer objektiven Urteilsfähigkeit etwas getrübt wurde...

Beim geneigten Beobachter entstand daher sehr schnell der Eindruck, dass das, was hier den Gemeinderäten und der Öffentlichkeit hochtrabend und den wahren Ablauf verschleiernd als "Ergebnis von Beratungen" bzw. eines "Abwägungsprozesses" verkauft wurde, von Anfang an zielorientiert in den Amtsstuben der beiden Stadtverwaltungen unter geschickter Regie der im Hintergrund lautlos agierenden Windkraft-Profiteure Zeag und ABO-Wind und mit einem schon lange vorher feststehenden Ergebnis ausgekungelt wurde.

Besonders deutlich wurde dies durch die Äußerungen des Büros Klärle, dem man - erstaunlicherweise - die Behandlung der an die beiden Bürgermeister gerichteten Einwendungen übertragen hatte, nachdem die beiden Stadtverwaltungen hier wohl überfordert waren und sich dazu offensichtlich nicht in der Lage sahen, den eigenen Bürgern auf ihre kritischen Fragen hin zu antworten. Ein kaum mehr zu überbietendes Armutszeugnis sondergleichen.

Allerdings ging die Veranstaltung dann doch nicht ganz so glatt "über die Bühne", wie es sich die Bürgermeister wohl insgeheim erhofft hatten. Denn dem einen oder anderen doch eher kritisch eingestellten Gemeinderat gingen die Glättungsversuche der Verwaltungen dann doch etwas zu weit. Vor allem die Ausführungen des Büros Klärle, dem in der ganzen Region Main Tauber und darüber hinaus an vielen Windkraft-Brennpunkten nach Ansicht vieler Bürger mittlerweile der doch eher zweifelhafte und am Montag in Boxberg eindrucksvoll bestätigte Ruf als ein der Windkraft-Lobby eher unkritisch zuarbeitender, Windkraft-Genehmigungshindernisse aus dem Weg räumender Windkraft-Protagonist vorauseilt, provozierte geradezu die eine oder andere Fragestellung.

Auf die Frage eines mehrmals nachfassenden Gemeinderats, weshalb beide Stadtverwaltungen es zulassen, dass trotz berechtigter Einwendungen eigener Bürger sowie der Nachbar-Kommunen Königheim bzw. von Lauda-Königshofen und infolge von Windkraft-Konzentration zu Lasten von Mensch, Landschaft und Natur sich schon seit langem abzeichnender Übersättigung jetzt dort und hart an der Gemarkungsgrenze noch weitere Windkraftanlagen konzentriert werden sollen, wusste Frau Klärle keine zufriedenstellende Antwort, obwohl diese Fragestellung im von ihr öfters zitierten Windkraft-Erlass und anderen Quellen explizit beantwortet wird.

Selbst die auf den "Hinterbänken" sitzenden Zuhörer wussten alle- wohl außer Frau Klärle - sofort, was der Gemeinderat gemeint hat: Dass eine derartige Überfrachtung mit Windkraft selbst von der an der Windkraft-Forcierung politisch interessierten "grün-roten" Landesregierung nicht gewünscht wird.

Es ist daher höchste Zeit dass sich die Entscheidungsträger der betreffenden Kommunen auch über die VG Boxberg-Ahorn hinaus im Interesse ihrer Bürger schnellstmöglich an einen ("runden") Tisch setzen und ihre bisher nur am eigenen Kirchturm orientierten "Spielchen" beenden, um weiteren Windkraft-Unfug zu Lasten der Zukunftsfähigkeit ihrer Kommunen zu vermeiden. Auch wenn dies eventuell einen Strich durch die am eigenen Profit und weniger am Gemeinwohl orientierten und zu einem Natur- und Landschaftsfrevel ohnegleichen führenden Windkraft-Pläne von ZEAG und ABO-Wind machen würde.