Leserbrief

Leserbrief Zur Situation in der Kernstadt

Eigentum verpflichtet!

Aller Ortens hört man Klagen, dass die heimische Holzwirtschaft eingebrochen ist. Dass aufgrund von Trockenheit, Sturm und Borkenkäfer zu viel Holz auf dem Markt ist und sich die Preise auf Talfahrt befinden. Nicht so in Walldürn! Was hier einbricht, sind historische Mauern und Gebäude. Walldürn wäre aber nicht Walldürn, würde die Stadt hier nicht ganz eigene Wege einschlagen. Statt in den Tenor des Wehklagens einzustimmen, lässt man als großer kommunaler Waldbesitzer Bretter und Balken sägen, um an zahlreichen Stellen die marode Infrastruktur in der Kernstadt vor dem Ein- und Zerfall zu sichern. Angesichts knapper Kassen geradezu eine geniale Idee!

Erst gibt man seine historischen Mauern und Gebäude jahrelang dem Verfall preis, um sie dann mit günstigem Bauholz abzustützen. Einen besonderen Nebeneffekt hat das Ganze auch noch. Es hat sich ein neues Stadtbild entwickelt, was den Eindruck der „Lost Places“, der „verlassenen Orte“ widerspiegelt.

Was in den Metropolen mit viel Aufwand gezielt als touristische Attraktion angeboten wird, verlassene Orte mit ihrem besonderen Charme zu besuchen, ist in Walldürn offensichtlich und ungewollt Kern der neuen Stadtmarke und sollte als solcher stärker beworben werden. Auch darf nicht vergessen werden, dass Walldürn an der Deutschen Fachwerkstraße liegt und was ist da naheliegender, Fachwerk in Form abstützenden Streben, Riegel und Schwellen völlig neu zu interpretieren.

Was voran mit Ironie die städtebauliche Situation Walldürns beschreibt, hat einen ernsten Hintergrund.

Statt finanzielle Mittel für die Entwicklung und Sanierung der Kernstadt zu konzentrieren, strebt die Stadt nach neuen Wohngebieten auf der grünen Wiese, wie dem „Vorderen Wasen II“.

Dabei binden die Planung, die kommunale Umlegung (Erwerb von Flächen) und Erschließung enorme Summen, die dringend für die Sanierung und Erhaltung von historischen Gebäuden gebraucht werden. Viele der Gebäude befinden sich mittlerweile im Besitz der Stadt und so geben wir dieser mit auf den Weg: „Eigentum verpflichtet“!