Leserbrief

Hier hat der Leser das Wort Zum Thema Jagdverpachtung in Wessental

Eigenartige Auslegung der Demokratie

Seit der Veröffentlichung in der Presse über die Ortschaftsratsitzung werde ich förmlich mit Fragen über die Jagdverpachtung überhäuft. Nachdem von der Stadtverwaltung Freudenberg nicht berichtet wird - es scheint so, als müsste etwas verheimlicht werden - sehe ich mich veranlasst, dies zu tun. Jedenfalls ist die Geheimhaltung eine eigenartige Auslegung der Demokratie. Der Freudenberger Gemeinderat verpachtete Anfang April die Jagdreviere neu, und niemand erfuhr etwas darüber. Kein Wunder, es geschah alles im stillen Kämmerlein bei Nacht und Nebel.

Aber nun zur Sache: Der gemeinschaftliche Jagdbezirk Wessental, Größe zirka 200 Hektar, wurde grundlos zu Gunsten des Eigenjagdbezirks des Fürsten, zirka 900 Hektar, so abgerundet, dass kein jagdlicher Zugang mehr zum Schenkenwald für die Wessentaler Jäger möglich ist. Somit ist eine effektive und gesetzeskonforme Bejagung des Schwarzwilds nicht mehr gegeben. Die jährlich zunehmenden Schwarzwildschäden müssen die Pächter jedoch übernehmen.

Der Leiter des Kreisjagdamts, Böck, sagte sehr treffend, " eine Abrundung ist nicht notwendig, wenn aber das Wessentaler Revier so abgerundet wird wie vorgesehen, verliert es an Attraktivität, und Freudenberg wird in Zukunft eventuell Probleme bekommen, für das Revier einen Pächter zu finden."

Bei der Sanierung eines städtischen Gebäudes wird ein fachkompetentes Architekturbüro beauftragt, den Gemeinderat zu informieren. Bei der Jagdverpachtung jedoch verlässt man sich auf einen Forstbediensteten, der Mitglied des Gemeinderats ist, jedoch von der Jagd keine Ahnung hat. Diese Abrundung kam nur zustande, weil sich der Freudenberger Forstbedienstete und der Leiter des Forstbetriebs im fürstlichen Wald, Herr Drafehn, gut kennen. Der Einsatz für die Abrundung beziehungsweise Angliederung an das fürstliche Revier hat ein ganz fades "Geschmäckle".

Mehr braucht hierzu nicht gesagt werden. Wäre hier nicht eine neutrale fachkompetente Person zur Beratung angebracht gewesen? Der Bürgermeister und die Gemeindräte scheinen hier total überfordert gewesen zu sein. Besonders bedauerlich war, dass Bürgermeister Henning nicht im Stande war, eine klare Linie in die Sache zu bringen und unfähig war, die Politik des Herrn Forstbediensteten zu durchschauen. Allein schon der Zeitpunkt der Jagdverpachtung war mehr als laienhaft.

Was Verhandlungen und der Umgang mit den Pachtinteressenten anbelangt, hätte man sich von der Verpachtung in Werbach ein Beispiel nehmen können. Der Ortschaftsrat von Wessental wurde zu der Abrundung, was nach der Ortschaftsverfassung zwingend vorgeschrieben ist, nicht gehört. Es wurde kraft souveräner Willkür entschieden. Ebenso wurde der einstimmige Vorschlag des Ortschaftrats, den bisherigen Pächter wieder als neuen Pächter einzusetzen, einfach ignoriert. Es ist besonders bedauerlich, dass gerade die Gemeinderäte der Stadtteile die Ortschaftsverfassung so wenig respektieren. Übrigens habe ich wegen mehrerer Verfahrensfehler Widerspruch beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis eingelegt. Die Vorschriften des JWMG wurden überhaupt nicht beachtet.

Allgemein darf gesagt werden, dass in Freudenberg immer häufiger Gemeinderatsbeschlüsse nicht öfffentlich gefasst werden. Kein Wunder, dass die Politikverdrossenheit immer mehr zunimmt.