Leserbrief

Leserbrief Zu "Königin der erneurbaren Energien (FN 3. August)

EEG-Umlage für neue Solaranlagen auf Null setzen

Es liest sich wirklich "wie mit dem reichhaltig fließenden Sonnenstrom", allerdings in die falsche Richtung und voller Ignoranz. - Allein, dass ein Referent als "Sonnenflüsterer" bezeichnet wird, der Photovoltaik als "Königin der erneuerbaren Energien" bezeichnet, deutet schon darauf hin, dass hier Stimmung statt Fakten verbreitet wurden.

Zu den Fakten gehört, dass die Energiewende zur Elektrizitätswende degeneriert ist. Dabei ist die Elektrizität nur mit etwa einem Viertel am Energieverbrauch beteiligt. Die Photovoltaik ist lediglich mit rund 3,8 Prozent am Stromverbrauch beteiligt, weniger als Wind (rund neun Prozent) und Biomasse (rund sechs Prozent). Der aus erneuerbaren Energiequellen verbrauchte Strom liegt insgesamt bei rund 23 Prozent, also bei unter zehn Prozent des gesamten Energieverbrauchs.

Die Missachtung dieser Fakten belegt für mich, dass sich die Energiepolitik - auch die in Buchen zitierte Versammlung - nicht um die tatsächlichen Elemente einer effizienten Energiewende kümmert. Eine energetische und eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung findet nicht statt. Die Gesamtstimmung ist wichtig.

In der Konsequenz werden die vom Verbraucher (Private und Wirtschaft) zu entrichtenden Energiekosten unnötig hoch und steigen. Der Energiemix, der bisher eine halbwegs erträgliche Bilanz zwischen Grundbedarf und Spitzenbedarf einerseits und bezahlbarem Preis anderseits dargestellt hat, wird über den Haufen geworfen. Das entscheidende Ziel einer Senkung der Emissionen und der Einsparung von Energie spielt eine untergeordnete Rolle.

Was für mich zum Ärgerlichsten zählt, ist, dass mit den Solaranlagen - auch mit den übrigen Regenerativen - eine ökonomische Umverteilung stattfindet, die ansonsten mit dem Slogan "Die Reichen werden reicher ..." bedient wird. In aller Regel haben nur Grundbesitzer und Wohneigentümer die Möglichkeit, Solaranlagen zu installieren. Und selbst wenn Mieter und Pächter sich in "Energiegenossenschaften" beteiligen können, steigt für sie zunächst einmal der Miet- und Pachtpreis, auf jeden Fall steigt für alle Nichtbesitzenden der Strompreis. Wo außer durch die Umlagezahlungen aus dem EEG gibt es garantierte Kapitalrenditen von sechs bis neun Prozent auf 20 Jahre? Und das auf Kosten der Stromverbraucher. Die Elektrizitätswende hat einen wahren Boom an typisch kapitalistischem Verhalten ausgelöst. Nicht die Umwelt ist das Motiv für die Investition in energetische Anlagen, sondern die mögliche Rendite, völlig wurscht, wer dafür aufkommt. Und das gilt auch für Städte und Gemeinden: "Wir haben Wald und wir haben Dächer, und wir wären blöd, wenn wir hier nicht beim Gewinnmachen mitmischen", hört man aus kommunalen Beschlussgremien.

Ich bin froh, dass CDU-Mandatsträger wie dieser Tage die Landtagsabgeordneten Hauk und Nemeth in Walldürn, endlich das Wort Marktwirtschaft in den Mund nehmen, um energiepolitisches Handeln zu beurteilen. Seither läuft alles im grün-motivierten Mainstream. Damit muss Schluss sein. Die EEG-Umlage müsste nach meiner Überzeugung für neue Solaranlagen ab sofort auf null gefahren werden, damit das Glücksrittertum ein Ende hat. Die Tatsache, dass jeder potenzielle Investor nach Belieben Energieanlagen errichten kann, fährt die Wende an die Wand. Es gibt bereits Überkapazitäten und ungelöste Netzprobleme, und die architektonische Verschmutzung unserer Dörfer, Städte und Freiflächen ist schlimm. Eine gesamtstaatliche Koordination, ein Masterplan ist überfällig.

Schließlich: Wenn das derzeit für die Elektrizitätswende ausgegebene Geld in eine umfassende Energiewende gesteckt würde, könnte tatsächlich für die Umwelt etwas erreicht werden, und ein nie dagewesenes Konjunkturprogramm wäre das Ergebnis.