Leserbrief

Leserbrief Zum Leserbrief „Gefährliche Situationen“ (FN 6. April)

Die Sorgen der Fahrradfahrer ernst nehmen

Zum Leserbrief von Erna Neckermann, Walldürn, möchte ich wie folgt Stellung nehmen:

Ich kann ihre Erlebnisse mit Autofahrern auf der Ringstraße nur bestätigen. Dass Autofahrer auf das alleinige Benutzen der Fahrbahn beharren und uns Radfahrer in aggressiver Weise angehen, die Fahrbahn zu verlassen und den sogenannten Radweg zu benutzen, kann nicht hingenommen werden. Radfahrer, die die Straße benutzen, treffen auf Autofahrer und Lastwagen, die auf der relativ engen Straße mit 50 km/h und mehr an ihnen vorbeirauschen und den Sicherheitsabstand nicht immer einhalten. Besonders brenzlig wird es bei den riesigen Traktoren, die mit ihren wuchtigen Anhängern mit nicht angemessener Geschwindigkeit die Ringstraße befahren. Wie Frau Neckermann hingewiesen hat, ist der braun gekennzeichnete Streifen neben dem schmalen Gehweg kein amtlicher Radweg. Es fehlt die Beschilderung und das aus gutem Grund. Seit ein Anwohner kurz nach dem Ausbau der Ringstraße vor etwa zehn Jahren beim Verlassen seiner Garage einen Rad fahrenden Schüler angefahren hatte, wird dieser Streifen aufgrund seiner geringen Ausbaubreite als „anderer“ Radweg bezeichnet.

Das heißt, wir Radfahrer können ihn benutzen, müssen es aber nicht tun.

Es ist auch ratsam, diesen „anderen“ Radweg nicht zu benutzen, weil man sonst gefährlichen Situationen ausgesetzt sein kann:

1. Fußgänger verlassen plötzlich ihren markierten Streifen, besonders wenn Schülergruppen unterwegs sind.

2. Rückwärts ausparkende Autos von den Parkplätzen vor einigen Häusern zwingen die Radfahrer, auf die Straße auszuweichen.

3. Autos schießen ungebremst aus den Seitenstraßen und stehen plötzlich auf dem „anderen“ Radweg.

4. Andere Radfahrer biegen aus Seitenstraßen ungebremst in verkehrter Fahrtrichtung in den Gehweg ein.

5. Parkende Autos stehen auf dem Gehweg.

6. Im Winter liegen nach Schneefällen längere Zeit Schnee und Eis auf dem Gehweg.

Die Verkehrsexperten der Stadt Walldürn kennen das Problem und geben zu, dass nach den bisherigen Erfahrungen „es vielleicht wünschenswert wäre, wenn man diese Straße anders ausgebaut hätte“.

Dennoch sehen die Verantwortlichen keine Notwendigkeit, an diesem Zustand etwas zu ändern. Nein, es muss so bleiben, wie es ist, denn die Ringstraße sei mit Fördergeldern ausgebaut worden als innerörtliche Entlastungsstraße. Das enorm gestiegene Verkehrsaufkommen wird dabei nicht berücksichtigt.

Mit dieser Einstellung kann keine Verhaltensänderung der Autofahrer erreicht werden. Radfahrer müssen aber als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer akzeptiert werden und das geht meines Erachtens besser, wenn eine Tempobeschränkung eingeführt wird und entlang der gesamten Ringstraße „Achtung Radfahrer“-Schilder stehen. Nur so werden die Radfahrer auch wahrgenommen und ernst genommen. Im Übrigen dürfte klar sein, dass Menschen durch gefährliche Situationen vom umweltfreundlichen Mobilitätsverhalten abgehalten werden.