Leserbrief

Leserbrief Zum Artikel "Den Zeiger zurück auf Null gestellt" vom 23. März

"Die skizzierte Partnerschaft hat nicht bestanden"

Es ist bezeichnend, dass Bürgermeister Günther im Artikel zur Auflösung des Arbeitskreises Asyl zwar aussagt, dass es nun Koordinationsstellen seitens der Stadt Walldürn und der evangelischen Kirchengemeinde gibt, aber weder Namen, Aufgabengebiet, Deputat oder gar Kontaktdaten nennt.

Die hier ins Spiel gebrachten Personen haben sich dem Arbeitskreis einerseits als Ansprechpartner der Kommune für die Anschlussunterbringung, andererseits in der Funktion als Diakon des Kirchenbezirks Adelsheim Boxberg (Schwerpunkt Flucht und Migration) vorgestellt. Zwischen Ansprechperson und koordinierender Person bestehen deutliche Unterschiede.

In allen Arbeitskreis-Sitzungen seit der Niederlegung der ehrenamtlichen Koordination durch meine Person im Sommer 2016 war - auch im Beisein des Ansprechpartners der Kommune und des Diakons - das zentrale Thema: die Etablierung einer koordinierenden Stelle, einer Person oder einer Gruppe. Bis zur auflösenden Sitzung wurde in jeder Sitzung als Ergebnis festgestellt, dass es keine solche Stelle, keine Person oder Gruppe gibt.

Weiter wird ausgesagt, dass die Stadt und Kirchen den Arbeitskreis Asyl immer im Rahmen der Möglichkeiten unterstützt haben. Dem ist zu widersprechen. Ja, die überwiegende Zahl der Ehrenamtlichen im einstigen Arbeitskreis sind Angehörige der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden. Es war dieses "Bodenpersonal", welches sich mit unermüdlichem Einsatz für die Belange der Flüchtlinge und ein gutes Miteinander eingesetzt hat. Der Rahmen der Möglichkeiten seitens der Institutionen Kirchengemeinden oder Administrative der Stadt war aber sehr eng gesteckt.

Wenn die Walldürner Aktiven in der Flüchtlingsbegleitung regelmäßig aus der Presse und den persönlichen Kontakten mit anderen Arbeitskreisen erfahren, dass im Landkreis zahlreiche Aktivitäten in der Flüchtlingsarbeit durch Kirchengemeinden und Kommunen angestoßen, begleitet oder durchgeführt wurden, dann wirft das Fragen auf. Zum Beispiel, warum in anderen Gemeinden Flüchtlinge kirchliche, kommunale oder vereinseigene Räumlichkeiten für regelmäßige, Zusammenkünfte, auch mit der Bevölkerung, zur Verfügung gestellt bekommen können und in Walldürn nicht. Seit circa zweieinhalb Jahren befinden sich Flüchtlinge in Walldürn und bis zum heutigen Tag steht weder den Flüchtlingen noch der Bevölkerung außerhalb der Flüchtlingsunterkünfte ein fester Raum als regelmäßiger Ort der Begegnung zur Verfügung.

Und so möchte ich resümieren, eine Würdigung des Ehrenamtes besteht nicht nur in der Überreichung einer Plakette oder in wiederholter verbaler Wertschätzung. Würdigung des Ehrenamtes wird dann als solche empfunden, wenn Ehrenamtliche als Partner in einer gemeinsamen Sache verstanden werden. Wenn Ideen nicht als Forderungen interpretiert werden und Unterstützung nicht als lästig empfunden wird. Leider, und da spreche ich für eine überwiegende Mehrzahl der Ehrenamtlichen im Arbeitskreis Asyl, haben wir den Eindruck gewonnen, dass diese skizzierte Partnerschaft nicht bestand. Lag es vielleicht an Eitelkeiten, an mangelnder Kommunikation oder fehlender Transparenz? Oder womöglich doch am Inhalt unseres Engagements, den Flüchtlingen?