Leserbrief

Leserbrief Zur geplanten Errichtung von vier Windrädern in Hainstadt durch die Firma ABO-Wind

"Dem mündigen Bürger kann das Ausmaß nicht egal sein"

In der öffentlichen Ortschaftsratsitzung in Hainstadt am 1. Oktober wurde in der Fragestunde für Bürger unter anderem Bezug auf die Themen Flächenausweisung für Christbaumkulturen sowie Errichtung des Windparks der Firma ABO-Wind genommen.

Bei erstgenanntem Thema sei hier nur gesagt, dass sich der Ortschaftsrat weitere ausführliche Gedanken darüber machen sollte, damit nicht erst Verhältnisse wie in Steinbach, Limbach oder Mudau entstehen können. Hier sollte mit Augenmaß vorgegangen werden.

Genauso verhält es sich beim Thema Windpark. Der Großteil der Bevölkerung möchte den Ausstieg aus der Kernenergie, jedoch kann dies nicht alleine zu Lasten einzelner Regionen gehen. Dem mündigen Bürger kann das Ausmaß der bereits aufgestellten und genehmigten Windanlagen in unserer Region nicht egal sein. Im Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim wird gerade erstmals über die Ausweisung von Flächen für Windkraftanlagen diskutiert, während in unserem Raum bereits über 30 solcher Anlagen in Betrieb sind; Tendenz steigend (13 weitere sind bereits genehmigt).

Stadt- und Gemeinderäte sollten sich bei der Beurteilung dieser Situation nicht ausschließlich auf die Einhaltung der Gesetzeslage berufen, sondern darüber hinaus solche Projekte im Auftrag ihrer Bürger kritisch hinterfragen, damit das Bild unserer hiesigen Landschaft nicht wirtschaftlichen Interessen untergeordnet wird.

Keiner der Verantwortlichen braucht sich somit in nächster Zeit über den ständigen Bevölkerungsschwund in der Region zu beklagen oder wieder einmal Überlegungen anzustellen, wie man die Region attraktiver machen könnte. Wäre es nicht sinnvoller, mithilfe einer konstruktiven Diskussionskultur über Parteigrenzen hinweg einen Weg zu finden, der dem Wohle und Dienste der Wirtschaft und Gesellschaft, aber auch unserer wunderschönen Natur- und Kulturlandschaft dient? Somit könnten auch zukünftige Generationen getreu dem Hainstadter Ortsschildmotto: "Ein Ort zum Leben, Arbeiten und Wohlfühlen..." die Region weiterhin genießen!

Nach momentanem Stand sind für Hainstadt vier Windräder genehmigt, allerdings könnten daraus auch bald schon deren sechs werden. So jedenfalls lautete anscheinend der Erstantrag der Betreiberfirma, wie aus dem Bericht von Herrn Müller zu entnehmen war.

Was die Zukunft bringt, sobald die Räder gewinnbringend arbeiten, möge man sich am besten erst gar nicht vorstellen. Bleibt zu hoffen, dass die Informationsveranstaltung der Firma ABO-Wind nicht zu einer einseitigen Werbeveranstaltung ausartet und man dem Wunsch nach einem unabhängigen Wissenschaftler, welcher die Licht- und Schattenseiten eines weiteren Windparks in unserer Region beleuchtet, nachkommen wird.

Egal ob es um Themen wie Windkraft, freigemessenen Atommüll oder Migration geht, alles sollte in einem verträglichen Maße geschehen und nicht nur auf dem Rücken strukturschwacher Regionen ausgetragen werden, weil man hier auf Seiten der großen Politik mit dem geringsten Widerstand rechnen kann. Es ist nicht erforderlich, allen Neuerungen gegenüber grundsätzlich eine ablehnende Haltung einzunehmen.

Dennoch wäre es angebracht, bei Projekten, die das Gemeinwohl der Bürger wie in diesem Fall in besonderem Maß beeinflussen können, bereits im Vorfeld - auch über die üblichen Wege hinaus - Möglichkeiten für einen angemessenen Informationsstand der Bevölkerung anzubieten.