Leserbrief

Leserbrief Zum Bericht "Detailplanung ist Sache der Kommunen" (FN 14. Oktober)

Aussagen zu Infraschall sind nicht der Weisheit letzter Schluss

Bei der Sitzung der Gemeinderäte Boxberg und Ahorn am 12. Oktober hatte auch Frau Klärle wieder einmal einen großen, bei näherem Hinsehen jedoch eher blamablen Auftritt, als es um das von Bürgern hinterfragte Thema "Infraschall" und davon eventuell verursachten Gesundheitsrisiken ging. Zitat in den FN vom 14. Oktober. Dr. Martina Klärle versuchte, die aus dem Publikum geäußerten Bedenken zu zerstreuen: "Der Infraschall im Auto ist 1000 mal höher als im Abstand von 100 Metern zu einem Windrad und er nimmt stark ab je weiter man weg ist".

Bei den Fragen ging es um Bedenken besorgter Bürger, nachdem nun auch in der Fachwelt Einigkeit darüber herrscht, dass von Windkraft zweifelsfrei Infraschall ausgeht, der auch vom BWE (Bundesverband Windenergie) und selbst von den eingefleischten Windkraft-Anhängern nicht mehr geleugnet wird. Die wissenschaftlichen Fakten sind eindeutig, so zum Beispiel Aussagen des angesehenen Robert-Koch-Instituts, Berlin. Nun kann Frau Klärle als ausgebildete, staatlich geprüfte und früher im Katasteramt tätige Vermessungstechnikerin sicherlich profunde Kenntnisse im Vermessungswesen aufweisen. Ob diese jedoch ausreichen, um in der Öffentlichkeit qualifizierte, mit dem "Mäntelchen der Wissenschaft" verbrämte Aussagen über Fakten zum durch Windkraft zweifelsfrei verursachten Infraschall und davon möglicherweise ausgelösten Gesundheitsrisiken abgeben zu können, darf bezweifelt werden.

In der Literatur jedenfalls, insbesondere im Bereich der Arbeits-/Umweltmedizin, taucht der Name "Klärle" zum Thema "Infraschall" nicht auf. Mit ihrer Aussage "Der Infraschall im Auto ist 1000 mal höher als im Abstand von 100 Metern zu einem Windrad" bewegt sie sich noch nicht einmal auf pseudo-wissenschaftlicher Ebene sondern eher auf Stammtisch-Niveau.

Denn sie verschweigt eventuell mit eindeutiger Absicht zugunsten der Windkraft-Initiatoren, dass bspw. ein nachts durch Boxberg/Ahorn/Teilorte fahrender Pkw bei ansonsten ruhendem Straßenverkehr während des Vorbei-Fahrens eine Infraschall-Belastung von maximal zirka 5-10 Sekunden (daher tolerierbar) verursacht.

Während die dort im Wirkungskreis eines rund 20-30 Jahre bestehenden Windparks innerhalb eines Radius von zirka fünf Kilometer lebenden Bürger nach der Arbeit (wenn die Leute zu Hause sind), an Wochenenden beziehungsweise nachts einer Dauer-Bestrahlung mit nicht hörbarem (deshalb oft unterschätzt) Infraschall (wenn Wind weht) ausgesetzt sind, der vor allem bei Personen mit labilem Gesundheitszustand zu entsprechenden Krankheitssymptomen führen kann. So zumindest die Aussage führender Arbeits- und Umweltmediziner.

Nicht umsonst haben Klinik-Direktoren/Leitende Ärzte von Reha-Kliniken etc. mit neurologisch oder wegen altersbedingten Krankheitssymptomen (Demenz/Alzheimer) behandeltem Patientengut zwischen Ort der Gesundheitseinrichtung und Windkraft-Ort einen Mindestabstand vonfünf kilometer oder die Verhinderung von Windkraft-Standorten durchgesetzt.

Auch scheint dem Büro Klärle nicht bekannt zu sein, dass aus diesen Gründen der Regionalverband Heilbronn-Franken bei der am 25. Juli 2014 in Tauberbischofsheim beschlossenen Regionalplan-Fortschreibung nahe von Gesundheitseinrichtungen/Altersheimen geplante Windparks verworfen hat.

Ebenfalls unbekannt bei Frau Klärle dürfte die in Deutschland unter dem Stichwort "Dänische Debatte" laufende Diskussion sein: Im Jahr 2014 hat die dänische Regierung einen 3-jährigen Stopp für Windkraft-Bau an Land verhängt. Danach dürfen bis 2017 nur weit von den Bürgern entfernt im Meer liegende Windparks gebaut werden, bis eine hochkarätig besetzte Expertenkommission geklärt hat, inwieweit von Windkraft zweifelsfrei verursachter Infraschall zu Gesundheitsrisiken bei den im Wirkungskreis lebenden Bürgern führt.

Anlass war die Erkenntnis, wonach es auf einer nahe eines Windparks liegenden Tierfarm bei entsprechender Windrichtung zur gegenseitigen Massakrierung und einem auffälligen Anstieg von Tot-Geburten kam.

Vermutlich sind auch neueste Ergebnisse der Physikalisch-Technischen Versuchsanstalt Braunschweig über Auswirkungen des von Windkraft verursachten Infraschalls noch nicht zu Frau Klärle vorgedrungen. Fazit: Aus Sicht der in den Rathäusern sitzenden Windkraft-Freunde ist es begrüßenswert, dass Frau Klärle als unermüdlich in Main Tauber kämpfende und für ihren Einsatz sicherlich gut bezahlte Windkraft-Protagonistin auftritt. Nur sollte dieser "pro-Windkraft" Standpunkt des Büros Klärle so auch in den Gemeinderats-Sitzungen gegenüber den Bürgern offen und nicht "als der Weisheit letzter Schluss" kommuniziert werden.