Leserbrief

Leserbrief Zu "Arbeitskreis Asyl gegründet" (FN, 10. Juli)

"Aufgabe erfordert viel Kraft und Ausdauer"

Es mag ein Meilenstein sein, den die Gründer des Arbeitskreises gesetzt haben. Doch steht in dem Wort Meilenstein auch die Strecke, die man zu gehen hat, und das sind sehr viele Meilen. Meilen, die Jahre dauern werden, weil die Menschen, die zu uns kommen, bei uns bleiben.

Menschen, die jahrelang begleitet werden müssen, um sie "langsam" in unsere Welt einzuführen. Hier steht das Wort langsam, weil die Einführung mit dem Erlernen der deutschen Sprache nicht zu Ende ist, sondern erst beginnt. Das kann mit Ehrenamtlichen nicht geleistet werden.

Es hört sich immer gut an, wenn jemand sagt, dass er sich ehrenamtlich für die Asylbewerber einsetzt. Weiß derjenige eigentlich auch, was da auf ihn zukommt? Nein, weiß er nicht. Es ist nicht nur der Zeitaufwand, sondern es ist das "Verstehen" jenes Menschen, der ihm anvertraut wird. Wir haben es mit Menschen zu tun, die aus einer völlig anderen Welt kommen, die vielen von den Helfern noch nicht einmal ansatzweise bekannt ist.

Auch werden die Mitarbeiter an deutschen Ämtern nicht immer so reagieren, wie es sich der Asylbewerber und der Helfer wünschen. Es wird Rückschläge geben, die erklärt werden müssen.

Die Verantwortlichen sollten bedenken, dass wir für diese große Aufgaben Profis brauchen, die man anständig bezahlt, und die sich in den Bereichen Gesundheit, Behörden, Kinderbetreuung, Schule, Wohnungssuche, und Freizeitgestaltung bestens auskennen.

Auch und gerade die Religion wird eine große Rolle spielen, wie ich es aus eigener Erfahrung mit den Muslimen und einem Teil der Buchener Bürger kennengelernt habe. Die Mitarbeiter, die sich für die Asylbewohner verwenden wollen, müssen einen hohen Grad an Toleranz und Respekt aufweisen, und das über viele Jahre. Wer sich in eine solche Arbeit begibt, kann sich nicht einfach nach einigen Monaten umdrehen und weggehen, nur weil er jetzt "dafür" keine Zeit mehr hat. Diese Aufgabe ist eine Bindung über Jahre hinaus, die sehr viel Kraft und Ausdauer erfordert.

Das "Ehrenamt" ist zwar sehr rühmlich, doch gebe ich zu bedenken, dass wir dadurch den Staat von seiner eigentlichen Verpflichtung entbinden, sich um jene Menschen zu kümmern, die er zu uns schickt. Um diese Aufgabe zu erfüllen, brauchen wir keine Ehrenämter, sondern sehr viele feste, gut bezahlte Arbeitsplätze im sozialen Bereich, der Pflege, und der Gebäudewartung.

Eines steht jedenfalls fest: Dass viele Buchener Bürger ihr Denken werden ändern müssen, wenn sie Bürger einer "weltoffenen Stadt" sein wollen.