Leserbrief

Leserbrief Zu "Agitation mit Unwahrheiten und Unterstellungen" (FN 17. Februar 2016)

Auch in Königheim gab es geharnischte Proteste

Der von der Bürgerinitiative "Keine Windkraft im Boxberger Wald" wegen nachgewiesener gravierender Fehler an seinem deshalb noch einmal zu überarbeitenden Artenschutz-Gutachten das nach wie vor immer noch gravierende Fehler aufweist, zu Recht hart kritisierte Gutachter Beck beklagt sich über den seiner Meinung nach von der Bürgerinitiative ihm gegenüber an den Tag gelegten "rüden" Umgangston und lobt demgegenüber das Klima (FN 17. Februar 2016 dass es auch anders gehe", fairer und sachlicher Umgang").

Bei der am 11. November 2015 in Königheim durchgeführten und einen Tag lang dauernden Anhörung (Offenlegung) zur Fortschreibung des kommunalen Flächennutzungsplans, der den Weg frei machen sollte für den Bau 19 weiterer rund 200 Meter hoher Windindustrieanlagen in der ohnehin jetzt schon stark Windkraft-übersättigten Umgebung in Königheim/Pülfringen/Brehmen. Bei der Anhörung in Königheim waren auch Mitglieder der Boxberger BI anwesend, wie auch der FN-Redakteur der das Interview mit Gutachter Beck führte. Spätestens jetzt hätte eine kritische Gegenfrage vom FN-Redakteur an Gutachter Beck gestellt werden müssen, denn von der Königheimer BI wurde gegenüber der Genehmigungsbehörde, der Antrag gestellt, dass das Artenschutz-Gutachten von Beck wegen Fehler zu verwerfen sei und ein neues, neutrales Gutachten erstellt werden soll.

Was Gutachter Beck jedoch absichtlich verschweigt, ist die Tatsache, dass es bereits im Vorfeld des dort stark auf einen Prozess mit der Zeag zusteuernden Verfahrens zu geharnischten und mit harten Bandagen geführten Protesten nahezu aller Bürger gekommen ist, so zum Beispiel bereits bei einer am 29. März 2014 durchgeführten und später öfters wiederholten Protest-Kundgebung ("Marsch auf das Rathaus"), bei der die ganze Bevölkerung auf den Beinen war oder bei einer Unterschriften-Aktion, wo sich 90 Prozent der Brehmer und Pülfringer Bürger geschlossen gegen eine weitere Windkraft-Umzingelung aussprachen ("13 sind genug").

Aufgrund dieser massiven und in sehr rauem Ton artikulierten Bürger-Proteste hat sich der Königheimer Gemeinderat im Gegensatz zum Gemeinderat in Boxberg und Ahorn gegen den eigenen und ebenfalls wie in Boxberg/Ahorn mehr oder weniger am Gängelband der Windkraft-Lobby geführten Bürgermeister gestellt und gegen weitere Windkraft votiert.

Schon damals hat sich die BI Königheim trotz eines vom Artenschutz-Gutachter Beck ebenfalls wie in Boxberg ausgestellten "Persilscheins" zur Waldabholzung gegen "die unwiderrufliche Vernichtung des Gemeindewalds mit seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt" gestellt und die FN berichtete am 17. Juli 2013 "Lautstarker Protest: Mit Hupen und Tröten gegen zu viele Windräder").

Im Vergleich zu den orkanartigen Königheimer Protesten waren die in Boxberg bisher artikulierten Proteste eher ein "laues Lüftchen". Dass dies vom Gutachter Beck im Blick durch die Brille seines Auftraggebers Zeag anders wahrgenommen wird, hängt möglicherweise damit zusammen, dass er wohl überwiegend in seinem rund 200 Kilometer entfernten Büro in Darmstadt verweilt, anstelle vor Ort zur Reduzierung der Fehler-Quote bei eigentlich mit der gebotenen Sorgfalt und Prüftiefe durchzuführenden Artenschutz-Untersuchungen anwesend zu sein.

Die Zeiten jedenfalls sind endgültig vorbei, wo sich mündige Bürger an Windkraft-Brennpunkten durch vom Windkraft-Planer beauftragte Gefälligkeits-Gutachten "ein X für ein U" vormachen lassen durch "Gutachter", deren Ziel es vorrangig ist, Genehmigungs-Hindernisse gutachterlich elegant aus dem Weg zu räumen, anstelle tatsächlich vor Ort vorhandene und vom Tötungsverbot gemäß Bundesnaturschutzgesetz betroffene seltene Arten festzustellen und entsprechende Schlüsse zu ziehen.