Leserbrief

Leserbrief Zur Ablagerung von Bauschutt aus dem Kernkraftwerk Obrigheim in Buchen

Annahme berührt auch ethische Fragen

Jetzt soll er also kommen – der Bauschutt aus dem Kernkraftwerk Obrigheim. Buchen kommt der zweifelhafte Ruhm zu, deutschlandweit die erste Deponie zu besitzen, in der „freigemessener“ Müll eingebaut wird. Alles scheint geregelt und durch Gesetzesvorlagen rechtlich abgesichert. Von dem schwach kontaminierten Material ginge so gut wie keine Gefahr aus, heißt es.

Dennoch beschleicht mich als (Buchener) Bürger ein ungutes Gefühl. Ich denke an Tschernobyl und Fukushima, an verrottende Atom-U-Boote auf dem Meeresboden, an die Freisetzung radioaktiver Materialien durch Waffenproduktion, Atombombentests und Kriege. Hinzu kommen die unsachgemäße Entsorgung verseuchter Rückstände, die bei der Erdöl- und Erdgasförderung entstehen sowie legal und illegal entsorgte radioaktive Abfälle zu Wasser und zu Land und vieles andere.

Auch wenn der Bauschutt nach seiner Freimessung als „gewöhnlicher Abfall“ betrachtet wird, erhöht sich durch seinen Einbau in der Deponie schon rein mathematisch die Gesamtmenge der Strahlungsaktivität. Wissenschaftlich unbestritten ist, dass selbst im Niedrigdosisbereich Strahlenrisiken bestehen und gesundheitliche Schäden ausgelöst sowie Spätfolgen über Generationen hervorgerufen werden können. Mit der Verteilung und Annahme des schwach radioaktiven Bauschutts werden die Bürgerinnen und Bürger einem vermeidbaren Risiko ausgesetzt.

Somit evoziert die undeklarierte Einlagerung des schwach radioaktiven Mülls die ethische Frage: Darf man das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit ökonomischen Interessen unterordnen?

Im Hinblick darauf, dass das über dreißig Jahre alte „Freigabekonzept“ immer stärker in die Kritik gerät, sollten ethische Fragen nicht unberücksichtigt bleiben, auch wenn der Gesetzgeber hierfür keine Notwendigkeit sieht.