Leserbrief

Hier hat der Leser das Wort Zu "Besserer Lärmschutz ist Muss" (FN 19. Oktober)

Andere nicht belasten

Die Bürgermeisterin Stadtprozeltens sagte im Zusammenhang mit der geplanten Umgehungsstraße im Mainvorland: "Niemand wird Nachteile erleiden, für keinen soll es schlechter werden . . .". Bei der gut besuchten Bürgerversammlung in der Stadtprozelten gegenüberliegenden und vom Projekt stark betroffenen Gemeinde Mondfeld stellte Claudia Kappes mit dem beauftragten Planungsbüro das Bauvorhaben vor. Der parallel zur Bahnlinie geplante Damm, der auch als Hochwasserschutz dienen soll, verursacht trotz aller vorgestellten angeblichen Superlative für Mondfeld erhebliche Belastungen.

Hochwasser: Die durch die Planer vorgestellten Berechnungen, die lediglich eine Erhöhung des Pegels um wenige Zentimeter bei entsprechendem Hochwasser zugrunde legen, kann man als betroffener Anwohner zunächst nur zur Kenntnis nehmen und anzweifeln. Das Leben direkt am Fluss hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten und es bleibt zu befürchten, dass die Mondfelder die Folgen des Stadtprozeltener Damms im Hochwasserfall im wahrsten Sinne des Wortes ausbaden dürfen.

Ausführung: Mit einer Trasse, die parallel zum bestehenden Bahndamm verlaufen soll und abwechselnd über einen Damm oder eine Mauer geführt wird, setzt man den Mondfelder Bürgern einen monströsen Wall vor die Nase. Die Aussage von Frau Kappes, man wolle das Bauwerk auch für die Mondfelder "schön machen" , konnte aufgrund der Dimensionen überhaupt nicht überzeugen.

Lärmbelastung: Wie sich die Lärmbelastung im Vergleich zur derzeitigen Situation darstellen würde, musste offenbleiben, da keine Werte zum Ist-Zustand vorlagen. Die vorgestellten, zu erwartenden Dezibelwerte von maximal 48,7 dB mögen zwar im Rahmen der zugelassenen Werte des Bundesimmissionsschutzgesetzes liegen. Geht man jedoch davon aus, dass man auf Mondfelder Seite derzeit kaum etwas vom Durchgangsverkehr in Stadtprozelten mitbekommt, ist eine Geräuschentwicklung von nahezu null auf knapp 50 dB ein erheblicher Verlust von Wohn- und Lebensqualität, ganz zu Schweigen vom Wertverlust der Immobilien.

Dabei ist es unerheblich, ob die Fahrzeuge mit dem vorgesehenen Tempo von 100 Stundenkilometern (km/h) oder, sofern dies überhaupt genehmigt wird, mit 70 km/h den Damm passieren werden.

Bürgermeisterin Kappes ist herzlich eingeladen, sich anlässlich einer der nächsten Veranstaltungen auf der Henneburg oder in Stadtprozelten in unseren Wohnräumen davon zu überzeugen, wie sich in Stadtprozelten verursachter Lärm aufgrund der topographischen Lage der Stadt in Mondfeld auswirkt.

Wie hier der Mondfelder Ortsvorsteher Eberhard Roth treffend formulierte, muss in Sachen Lärmschutz dringend nachgebessert werden, auch wenn dies Geld kostet!

Nicht zur Sprache kam übrigens der Baulärm während der zweijährigen Bauphase. Die gewaltigen Mengen von Baumaterial, die zur Erstellung eines solchen Bauwerks notwendig sind, werden zwangsläufig wohl ausschließlich über das Mainvorland angedient, was eine permanente Beschallung durch Lkw bedeutet.

Claudia Kappes steht in der Pflicht ihrer Bürger und Wähler, und es ist legitim, dass Sie nach einer Lösung der Hochwasser- und Verkehrsproblematik sucht. Dass diese Lösung allerdings zulasten anderer gehen soll, ist weder zielführend noch fair. An ihrer Aussage, dass durch die Umsetzung dieses Projekts niemand Nachteile erleiden soll, wird sich Frau Kappes messen lassen müssen. Wir nehmen sie hier beim Wort.