Leserbrief

Leserbrief Zu den thematischen Karten zur Entwicklung der Corona-Pandemie im Landkreis

Absolute Zahlen verfälschen das Bild

Bereits zum wiederholten Male berichteten die Fränkischen Nachrichten über die Entwicklung der Coronavirus-Epidemie im Landkreis Main-Tauber. Hierbei werden vom Landratsamt des Main-Tauber-Kreises erstellte Karten zur Hilfe genommen, die gleichzeitig auch Grundlage der Pressemitteilungen des Amtes in Sachen Corona sind.

In diesen thematischen Karten werden die absoluten Zahlen der Corona-Infizierten auf Gemeindeebene eingetragen und somit geographisch verortet in direkten Vergleich zu den anderen Gemeinden des Landkreises gestellt.

Zahlen in Relation setzen

Hierdurch wird suggeriert, dass Bad Mergentheim mit momentan 96 Corona-Infizierten (Stand: 13. April) den „Hotspot“ des Main-Tauber-Kreises darstellt.

In absoluten Zahlen mag es zwar Stimmen, dass die Gemeinde Bad Mergentheim zwar die meisten Corona-Fälle verzeichnet, allerdings wird hier die größte Gemeinde des Main-Tauber-Kreises (Bad Mergentheim mit 23.704 Einwohnern) zum Beispiel auch der kleinsten Gemeinde (Wittighausen mit 1632 Einwohnern (Quelle aller Einwohnerzahlen: Regionalstatistik Deutschland, Stichtag: 31. Dezember 2018) ohne Vergleichsmaßstab gegenüber und somit gleich gestellt.

In Relation zu den Einwohnerzahlen (zum Beispiel Corona-Infizierte pro 1000 Einwohner), die sich bei dieser Form der thematischen Karte als Vergleichseinheit anbieten, stellt sich die Situation im Main-Tauber-Kreis anders dar.

Bad Mergentheim (4,05 Infizierte/1000 Einwohner) liegt hierbei hinter Weikersheim (4,23 Infizierte/1000 Einwohner) und Niederstetten (5,79 Infizierte /1000 Einwohner) nur auf Rang drei der Gemeinden.

Aus kartographischer Sicht dürfen deswegen absolute Zahlen nie flächenhaft, sondern nur mit Hilfe von stetigen beziehungsweise kontinuierlichen Mengenwertdarstellungen wie Größenpunkten, Kreissektoren- oder Säulendiagrammen dargestellt werden.

Kombination sinnvoll

Dies rührt daher, dass die Größe der Areale, hier der Gemeinden, durch den Betrachter in die Bewertung einbezogen wird.

Absolute Zahlen müssen somit bei flächenhafter Darstellung mit der Bezugsfläche in Beziehung stehen und als relative Werte mit entsprechender Legendenbeschriftung abgetragen werden.

Um einer Aussagenverfälschung vorzubeugen, sollte damit eine Kombination aus flächenhafter (zum Beispiel Corona-Infizierte pro 1000 Einwohner) und absoluter Darstellung (Corona-Infizierte pro Gemeinde als absolute Zahl) verwendet werden.